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29.09.2017  |  Text: Cassidy Rose  |   Bilder: Guido Inteus, Thomas Burggraf
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Mein Tag als Domina

Tattoo Erotica Cassidy Rose


»Divas Dome« in Köln ist ein edler SM-Palast, in dem klassische Dominas ebenso wie Bizarrladys, Switcherinnen, Zofen und Sklavinnen ihre Gäste empfangen. Es geht um Schmerz und das Ausleben vieler verschiedener Neigungen. Ich durfte Chefin Diva Nova in eine Session begleiten – und selbst Hand anlegen.


Für euch und meine Kolumne mache ich heute einen ganz besonderen Ausflug: Ich besuche das Dominastudio »Divas Dome« im Herzen von Köln. Hausherrin »Diva Nova« erwartet mich um 13 Uhr, ich bin heute allerdings überpünktlich und parke mein Auto bereits um 12.30 Uhr an der Straße vor ihrem Studio. Vorbereitet wie ich bin, trage ich schon jetzt einen schwarzen Wetlook-Catsuit mit Spitzeneinsätzen unter einer langen Kunstlederweste.

Ich ziehe noch rasch ein Parkticket und werfe im Auto einen Blick auf meine für Diva Nova vorbereiteten Interviewfragen. Ich bin nervös, obwohl ich Diva Nova von Fetischpartys kenne und weiß, dass man sich mit ihr prima unterhalten kann und sie mich auch nicht in Ketten legen würde, wenn ich fünf Minuten zu spät käme – ich habe schließlich den Vorteil, Kolumnistin zu sein. Als zahlender Gast würde ich mir eine Verspätung bei ihr nicht erlauben. Dennoch: Ich habe besonderen Respekt vor ihr und vor meinem heutigen Vorhaben. Ich werde zum ersten Mal bei einer professionellen Sklavenerziehungssession einer Domina über die Schulter schauen dürfen und von ihr Praktiken erklärt und gezeigt bekommen.



Die Uhr schlägt eins und ich klingele an der schweren Tür, die mir den Weg in ein über 200 Quadratmeter großes Fetischparadies eröffnen wird. Die schlanke Diva Nova öffnet mir in Schwarz gekleidet und begrüßt mich freundlich. Das Studio verteilt sich auf zwei Etagen im Keller eines Wohnhauses. Wir gehen eine Stahltreppe hinunter und landen im Hauptraum, sitzen wenig später an einem hohen Tisch und trinken Kaffee. Wir sind allein, der einbestellte Stamm- und mein heutiger Probesklave ist noch nicht da. So kann ich entspannt mit meinem Interview beginnen.

Die schwarzhaarige, markante Diva Nova ist in Rumänien geboren und aufgewachsen. Ihre Familie ist liebevoll und beide Elternteile üben alltägliche Berufe aus. Die zierliche Frau mit der tiefen Stimme lernt einen Mann kennen – mit dem sie ihre dominante Ader endlich ausleben kann. Einen Mann, mit dem sie jahrelang eine SM- Beziehung führt und durch den Diva Nova ihre eigenen Neigungen und Tabus kennenlernt. Sie ist eine sinnliche Frau und es bereitet ihr Lust, Macht über Männer zu haben. Dominanz ist ihre Passion. Als Kopfmensch entscheidet sie sich, ihr erlerntes Können als klassische Domina in die Welt zu tragen. Sie trennt sich von ihrem Partner und beginnt zu reisen. Sie besucht BDSM-Studios auf der ganzen Welt, hat dort Gastauftritte als Domina und beginnt, sich international einen Namen in der Szene zu machen. Bald wächst in ihr der Wunsch nach einem eigenen Dominastudio. Ein elegantes Studio, das durch seine architektonische Einrichtung und ein hochwertiges Design besticht. So eröffnet Diva Nova im Jahr 2008 »Das weiße Studio« in Köln – Räume mit weißem Interieur, so anders, dass sogar verstärkt Frauen und Paare Termine buchen. Es hängen die Spielzeuge nicht plump an der Wand und Session-Vorgespräche können in angenehmer Atmosphäre geführt werden.

Im Glory Hole werden sexuelle Handlungen durch eine Öffnung vorgenommen. Die beteiligten Personen sehen sich dabei nicht.

Die Diva erklärt mir, dass Vorgespräche mit neuen Gästen ein Muss sind, sie müsse sich vor der Session ein Bild von Neigungen und Tabus machen können. Schüchterne Gäste können diesen Austausch auch per E-Mail führen. In diesem Fall kann so bereits beim ersten Besuch das Rollenspiel direkt an der Tür starten.

Acht Jahre nach der Eröffnung wird das Studio renoviert: Die weiße Optik weicht neuen Farben und Formen. Es gibt weitere Räume, diskret und voneinander getrennt, sechs an der Zahl, jeder mit eigener Dusche. Zusätzlich gibt es ein Whirlpoolzimmer, einen Panic Room, ein »Glory Hole« und diverse Spielereien, etwa eine sich drehende Tür zwischen zwei Räumen. Die Herrin des Hauses scheint sehr zufrieden mit ihrem Werk, das Studio ist ein elitärer SM-Palast geworden. Sie erzählt mir, dass sie immer auf der Suche ist nach neuen Ladys, die an BDSM interessiert sind und mit ihr im Divas Dome arbeiten möchten.

Und, ja: Diva Nova bildet für die Arbeit in ihrem Studio aus. Und da jede der jungen Damen, die bei ihr arbeiten, ganz individuell ist und unterschiedliche Neigungen und Tabus hat, bietet Divas Dome klassische Dominas ebenso wie Bizarrladys, Switcherinnen, Zofen und Sklavinnen. Die Sessions im Divas Dome finden meist unter der Woche statt, sowohl tagsüber als auch abends. Eine klassische Erziehungsstunde kostet den Sklaven 250 Euro. Aber was ist schon klassisch – die Gäste sind so vielfältig wie die Praktiken, die im Studio angeboten werden.
Es klingelt an der Tür. Über den Bildschirm an der Gegensprechanlage sieht die Diva, wer draußen wartet. Sklave Jens* betritt in Alltagskleidung das Studio und kommt mit einem selbst gebackenen Hefezopf die Treppe herunter. Als Stammgast kennt er sich im Studio aus und bringt den Damen gerne Geschenke. Diva Nova begrüßt ihn freundlich und schickt ihn mit fester Stimme erst einmal duschen. Während der grauhaarige, ruhige Mann das tut, erzählt sie mir, dass sie nichts anbietet, was sie nicht selbst erotisch findet. Erotik steht für Diva Nova an erster Stelle. Deshalb bietet sie persönlich weder »Kaviar« (Kot-Spiele) noch »Vomit« (Kotz-Spiele) an. Auch das Zufügen dauerhafter, schwerer Verletzungen mit bleibenden Schäden kommt für die Diva nicht infrage.
Jens kommt im Morgenmantel zurück, setzt sich zu uns und zündet sich eine Zigarette an. Ich erfahre, dass er der BDSM-Szene schon 25 Jahre angehört, viele davon ist er bereits seiner Herrin Diva Nova treu. Er kommt für »Gummierziehung« (Latex) in den Divas Dome, für Bondage, Analdehnung, Analpenetration und um sich zu unterwerfen, sich ausgeliefert zu fühlen. Die Diva schickt Jens in einen Raum, um dort auf uns zu warten. Jetzt kommt auch meine Nervosität zurück. Was wird mich erwarten?

Von Schlag zu Schlag merke ich, wie ich Gefallen daran finde

Wir trinken unsere Getränke aus und ich folge der Domina die Treppe nach oben durch einen langen Spiegelflur. Diva Nova öffnet die Tür und vor uns kniet der nackte Jens. Sein Kopf ist gen Boden geneigt. Diva Nova lässt sich zunächst ihre Stiefel küssen, danach darf der Sklave ihre Absätze ablecken. Dann soll er aufstehen und sich umdrehen, steht mit dem Rücken zu uns, während Diva Nova ihm Fesselhandschuhe anzieht und ihn an einem Stahlrahmen fixiert. Jens bekommt einen Gagball (Fetischknebel) in den Mund und eine Augenmaske aufgezogen. Er steht nun breitbeinig und mit den Armen nach oben gefesselt im Stahlrahmen, während die Diva einen Schrank öffnet und diverses Spielzeug herausnimmt. Jens’ Brustwarzen werden zunächst mit Nippelklemmen malträtiert: An den Klemmen hängt eine Metallkette und ich merke, dass es Diva Nova Spaß bereitet, mal langsam, mal schnell an der Kette zu ziehen. Jens stöhnt auf. Aber Beschweren darf er sich nicht. Als Nächstes befiehlt sie ihm, den Arsch rauszustrecken, sie wärmt seinen blanken Hintern erst mit ihren Händen an, danach folgen gezielte Schläge mit dem Lederpaddel, anschließend mit einem sogenannten Siebenschwänzer (Lederpeitsche) und zum Schluss mit einem gummierten Rohrstock. Es klatscht laut und Jens stöhnt. Ich stehe daneben, passe gespannt auf und freue mich, dass ich auf dieser Seite stehe und nicht die Person bin, die gerade angekettet ist. Dann sind Jens’ Hoden an der Reihe – Diva Nova zieht sie lang, drückt ihre spitzen Fingernägel hinein und bindet den Hodensack mit einem Seil ab. Das wird zusätzlich durch einen Ring an sein Halsband geknotet. Nachdem der Hodensack des Sklaven abgebunden ist, fährt die Diva mit einem Nadelroller über den Penis. Jens zuckt zusammen und wird dafür wieder mit Auspeitschen bestraft.

Die Diva steht auf Heels und Latex, auf hohen Hacken bestreitet sie am liebsten den Weg zum Thron des Hauses – ob sie wohl gerade kontrollieren möchte, was sich unten im Panic Room abspielt?

Diva Nova dreht sich zu mir und drückt mir das Lederpaddel in die Hand mit den Worten: »Jetzt bist du dran!« Ich darf also wirklich auch mal aktiv werden, schlage zuerst fast behutsam, um mich an die Situation zu gewöhnen, aber von Schlag zu Schlag merke ich, wie ich Gefallen daran finde. Ich schlage härter. Jens stöhnt. »Du lernst schnell«, höre ich aus Diva Novas Mund und wir beide lachen kurz. Ich übergebe ihr wieder das Kommando. Sie zieht sich Gummihandschuhe an und führt Jens einen aufblasbaren Analplug ein. Sie beschimpft ihn, weil er zuhause nicht gut vorgedehnt habe, was aber seine Hausaufgabe gewesen sei. Sie pumpt den Analplug auf und Jens stöhnt. Sie löst seine Hodenfesselung vorn und befestigt die Manschetten eines Reizstromgerätes an seinem Penis. Während sie am Regler dreht und Jens Stromschläge in verschiedener Intensität zufügt, lächelt sie. Bei einem Schlag zuckt er so stark, dass sich der Analplug aus seinem Hintern verabschiedet. Er sabbert. Was die Bestrafung für sein Versagen ist, bleibt an dieser Stelle unser Geheimnis.

Während sie Jens Stromschläge in verschiedener Intensität zufügt, lächelt sie

Nachdem Diva Nova die Session beendet hat, entfernt sie seine Fesseln, die Maske und den Knebel. Jens bedankt sich bei seiner Herrin. Und geht duschen.

Das war nur eine Möglichkeit für den Ablauf einer Session, erotischen Fantasien sind hier keine Grenzen gesetzt. Doch, eine: Eine klassische Domina wie Diva Nova fasst an, wird selbst aber niemals angefasst. Sie ist die ausführende, dominierende Kraft.

Wir gehen wieder hinunter in den Hauptraum, in dem mittlerweile eine von Diva Novas Bizarrladys zusammen mit Guido Inteus, dem Fotograf der heutigen Bildstrecke, sitzt. Guido ist vom Divas Dome begeistert, es finden sich viele spannende Motive und indirektes und wechselndes Licht. Es macht mir Spaß, mit der hübschen Diva Nova vor Guidos Kamera zu stehen. Man merkt, dass sie nicht nur Domina, sondern auch ein viel gefragtes Fetischmodel ist.

Nachdem wir uns verabschiedet haben – auch vom Sklaven Jens –, fahre ich mit einem positiven Gefühl nach Hause. Ich konnte Eindrücke einer tollen, vielseitigen Frau gewinnen, die offen dazu steht, was sie tut, und damit erfolgreich ist. Unterwerfung ist ein inszeniertes Spiel von Macht und Ohnmacht, ein Wechsel in eine andere Realität. Diva Nova ist dabei die Reiseführerin – danke, dass ich mitkommen durfte.

Text: Cassidy Rose
Bilder: Guido Inteus, Thomas Burggraf

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Stand:23 October 2017 00:31:35/editorial/mein+tag+als+domina_17925.html