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28.07.2017  |  Text: Cassidy Rose  |   Bilder: Oli Kniest
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Nylon: Sexy Faser am Bein

Tattoo Erotica Cassidy Rose


"Nylon ist ein Hauch von nichts: dünn, transparent, reizvoll, einfach ein Textil, das den Körper perfekt umspielt und dir das Gefühl gibt, nackt und doch angezogen zu sein."


Wenn ihr euch an meine letzte Kolumne erinnert, dann wisst ihr, dass ich mich kürzlich ausgiebig mit High Heels beschäftigt habe. Ich habe extremes Schuhwerk getestet und mit vielen bekennenden Schuhfetischisten gesprochen. In diesen äußerst spannenden Recherchetagen habe ich auch herausgefunden, dass es vom Schuh­fetischisten zum Liebhaber langer, bestrumpfter Beine offenbar nur ein ganz kleiner Schritt ist. Und weil Fetische oft in Verbindung mit anderen Vorlieben und Neigungen auftreten, war für mich ganz klar: In dieser Ausgabe werde ich mich für euch mit Nylon befassen.



Aus Sicht der von mir befragten Männer beflügelt das Material Nylon an sich und besonders in Form halterloser Strümpfe und Strumpfhosen ihre Fantasie und erregt sie sexuell. Ihnen gefällt der Anblick einer Frau in Nylonstrümpfen und mit Strapsen. Oft reicht ihnen nicht der heiße Anblick allen, sondern die Berührung ist für sie elektrisierend, und so werden die Nylons ins Liebesspiel eingebunden. Manche lassen sich nur zu gern mit Nylons knebeln und fesseln. Nylonsklaven tragen oft aber auch sehr gern selbst Strumpfhosen; gerade als Mann. Auch die Farbe der scharfen Beinkleidung kann eine besondere Anziehungskraft ausüben. Welche Strumpffarbe wäre dein Favorit? Sind es die roten, die schwarzen oder doch die haut­farbenen Nylons, die dich anmachen? Alles ist möglich! Und es ist schon ein wenig traurig, dass halterlose Nylons fast gänzlich aus dem Alltag verschwunden sind – wenn, dann trägt die moderne Frau doch Strumpfhose unterm Kleid oder Rock. Die Halterlosen steckt man heutzutage doch eher in die Abteilung für Reizwäsche.
Nylons setzen ein erotisches Signal: Das enge Anliegen am gepflegten Bein, das glatte, engmaschige Material und der durchscheinende Effekt. Nylonfetischisten werden durch das enge Anliegen bei jeder Bewegung stimuliert und das Durchschimmern des nackten, enthaarten Beines ermöglicht ihnen einen leichten Blick auf das Objekt der Begierde. Ich persönlich trage im Alltag sehr gerne mattschwarze und gemusterte Strumpfhosen aus Mischgewebe, sie liegen enger an als Hosen, schmiegen sich perfekt an die Bein- und Poform an, sind dennoch bequem und lassen meine tätowierten Beine wunderbar durchschimmern. Halterlose Strümpfe, auch die mit Naht, Strapsgürtel und allerhand andere Kleidungsstücke wie Bodys und Handschuhe aus Nylon und modernen Kunstfasern findet man ebenfalls in meiner Schublade – aber ich gestehe: Sie werden hauptsächlich für Fotoshootings, Fetischpartys und den Liebsten zuhause ausgepackt und angezogen.

Als hätte ich es geplant, trifft ein Paket bei uns ein, dessen Inhalt ein »Zaubertextil« enthält. Ich packe diverse Strumpfhosen, halterlose Strümpfe und – haltet euch fest – ein paar echte Nahtnylons aus. Zu diesem Zeitpunkt ist mir allerdings noch gar nicht bewusst, welche Rarität ich gerade in Händen halte. Denn echte Nahtnylons sind wertvoll.

Ich verabrede mich zum Gespräch mit dem Nylon-Lieferanten, einem absoluten Experten auf seinem Gebiet: Mario Wegner, Inhaber der Ars Vivendi AG. Mario verpackt seit Jahren Frauen-beine in sexy Nylons. Ein Traumberuf mit Geschichte: Nylon wurden bereits Ende der 30er Jahre erfunden, feierte in den 50er Jahren dann den industriellen Durchbruch und eröffnete Frauen ein komplett neues Tragegefühl. So manche opferte viel Geld für diese neuen Strümpfe, die es ihr ermöglichten, bekleidet zu sein und trotzdem Reize zu zeigen. In der Nachkriegszeit waren die be­gehrten Nahtnylons sogar zum inoffiziellen Zahlungsmittel geworden und wurden auf dem Schwarzmarkt hoch gehandelt.



Echte Nahtnylons werden auf Flachstrickmaschinen aus den 50er Jahren produziert, kaum eine der Maschinen ist allerdings noch erhalten, einer der letzten europäischen Kolosse steht in England. Hier werden noch Strümpfe mit Naht aus 100-prozentigem Nylon und ganz ohne Zugabe von Lycra und Elasthan produziert.

Ich vergleiche meine günstigen Nahtstrümpfe aus Mischgewebe mit dem hochwertigen Original: Die Naht macht bei beiden einen besonderen, zusätzlichen Reiz aus, aber was ist anders? Schnell wird klar: Die originalen Nahtnylons fühlen sich im direkten Vergleich deutlich glatter und seidiger an. Vielleicht sogar so seidig wie echte Seidenstrümpfe, das absolute Luxusprodukt vor der Erfindung von Nylon. Sie glänzen deutlich schöner und sind so glatt, man könnte sie zum Schlafen tragen, und anders als meine Strümpfe mit Elasthan werfen die »Echten« kleine Fältchen am Bein.  Mario erklärt, das sei ein typisches Merkmal und erwünscht. Moderne Frauen empfänden diese Fältchen oft erst als störend, aber die meisten Männer fänden diesen Anblick äußerst erotisch und wahre Nylonfetischisten wollten gar nicht darauf verzichten. So tragen auch heute noch viele Dominas für ihre Kunden echte Nahtnylons. Die Naht ist übrigens nicht nur ein modischer Aspekt, sondern produktionsbedingt. Ein weiteres Merkmal ist das sogenannte »Auge«, ein Loch am Strumpfabschluss, das die notwendige Elastizität und Bewegungsfreiheit unterstützt.

Echte Nahtnylons können nur angestrapst getragen werden. Ebenfalls ein Gedanke, den Männer sehr aufregend finden. Eine weitere Besonderheit originaler Nylons kann man auch hören: Beim Übereinanderschlagen der Beine knistert es geheimnisvoll, was die von mir befragten Nylonfetischisten einfach »geil« finden. Wer das Besondere sucht, das Authentische, ein echtes Stück Geschichte mit Stil und baldigem Sammlerwert, der benötigt also dringend ein paar echte Nahtnylons. Ich finde den Vergleich mit einem guten Wein oder einem schnittigen Oldtimer passend. Übrigens schwören Nylonfetischisten im Hochsommer darauf, die echten Nylons ins Eisfach zu legen, um so nicht nur ein seidiges, sondern auch ein angenehm kühles Tragegefühl zu erreichen.



Zusammengefasst: Echte Nylons sind für Frauen – und Männer –, die Strümpfe nicht nur als wärmendes Beinkleid tragen. Sie halten deutlich länger als die modernen Mischgewebe, bieten ein unfassbar seidiges, glattes Tragegefühl, glänzen viel stärker, werfen hauchdünne Falten und verleihen dem Bein eine ganz besondere Eleganz und Erotik. Denn gerade in unserer modernen Zeit findet die Mode immer wieder eine Rückbesinnung auf das schon einmal Dagewesene. Üblich oder gar gewöhnlich sind Nylons heutzutage definitiv nicht und ich vermute, dass auch das ein Grund ist, aus dem die Beinkleider zum begehrten Fetischobjekt geworden sind. Meinen »Test« haben sie definitiv bestanden: Halter­lose Strümpfe aus Mischgewebe und Kunst­fasern, vor allem aber das hochwertige »Original«, sind etwas Besonderes. Sie laufen nicht ohne Grund unter »Erwachsenenspielzeug«.

Nach tollen Gesprächen mit bekennenden Fetischisten und Experte Mario, nach meiner intensiven Internetrecherche, dem Ausprobieren echter Nylons und dem Modeln in unterschiedlichen Strumpfwaren sehe ich Strumpfhosen und halterlose Strümpfe nun mit anderen Augen – sie haben an Sexiness für mich gewonnen. Nylon ist ein Hauch von nichts: dünn, trans­parent, reizvoll, einfach ein Textil, das den Körper perfekt um­spielt und dir das Gefühl gibt, nackt und doch angezogen zu sein. Probiert es selbst einmal aus! Frauen, gebt Strümpfen, Strapshaltern und Strumpfhosen eine neue Chance.

Und Männer: Kauft eurer Liebsten ein paar hauchdünne, echte Nylonstrümpfe und macht sie so zu einer ganz besonderen Diva. 

Kuss, eure Cassidy

Text: Cassidy Rose
Bilder: Oli Kniest

Sie können den Artikel auch in der Ausgabe: 5/2017 lesen.


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Stand:23 October 2017 00:37:09/editorial/nylon+sexy+faser+am+bein_177.html