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29.09.2017  |  Text: Boris Glatthaar  |   Bilder: Annegret Hirschmann, www.annegretarnold.de
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Tattoos im Gesicht

Tattoo Erotica Tattoos im Gesicht


Ihre ersten Tätowierungen an Stirn und Wange hatte die 28-jährige Kleo schon als Sachbearbeiterin bei der Arbeitsagentur. Wie sich das Leben mit tätowiertem Gesicht aber trotzdem vollkommen ändert und auch ein kleines Tattoo vor dem Ohr keine Trendentscheidung sein sollte, verrät sie im Interview.


Kleo, du bist am ganzen Körper sehr stark tätowiert, vor allem deine Gesichts­tattoos fallen sofort auf. Warum hast du angefangen, dich tätowieren zu lassen?
Ich habe mit 18 damit angefangen. Mein erstes Tattoo war ein riesiger Koikarpfen auf den Rippen. Mir hat es schon damals gefallen, meine Erinnerungen und die Dinge, die ich mag, auf meinen Körper tätowieren zu lassen. Immer, wenn ich ein neues Tattoo bekommen habe, fühlte ich mich ein bisschen befreit. Tattoos sind für mich aber auch einfach ein Schönheitsideal. Andere operieren sich die Nase oder sonst irgendwas.

Ist das wirklich vergleichbar? Mit einer operierten Nase hat man in der Regel keine Schwierigkeit, einen Job zu finden – mit einem tätowierten Gesicht womöglich schon.
Ganz ehrlich? Ich hatte selbst da, als ich im Gesicht schon einige Tattoos hatte, nie irgendwelche Probleme, einen Job zu finden. Ich konnte immer gute Zeugnisse zeigen. Die Leute sehen deine Qualifikation, und wenn du dich dann auch noch im Bewerbungsgespräch gut verkaufen kannst und ein sozialer Mensch bist, der sofort eine Basis mit seinem Gesprächspartner findet, dann hast du diese Schwierigkeit nicht. Als ich zum Beispiel vor rund zwei Jahren bei der Arbeitsagentur angefangen habe, da hatte ich schon den Schriftzug »Amen«, das Mariazeichen und das »Dankbar«-Lettering im Gesicht. Hände und Hals waren auch schon tätowiert. Trotzdem haben sie mich eingestellt, das war gar kein Thema. Sie waren schon im Vorstellungsgespräch meganett zu mir. Aber ich hatte mich eben auch gut vorbereitet, weil ich es nicht mag, wenn mich jemand etwas fragt und ich die Antwort darauf nicht weiß. Sie konnten sich also mit mir auf einer Ebene unterhalten.



Hat es dich denn Überwindung gekostet, dich auf die Stelle zu bewerben?
Immerhin musstest du mit Ablehnung rechnen.
Nein, es war so, dass ich mich bei der Arbeitsagentur nicht einmal richtig beworben habe.
Ich hatte vorher in der Disposition einer Spedition gearbeitet, ein bisschen Geld gespart und mich dann auf die Suche nach einem neuen Job gemacht, weil mir der alte nicht mehr gefiel. Als ich mich bei der Agentur nach Stellen erkundigte, haben sie zu mir gesagt, ich solle mich doch einfach auf eine offene Stelle bei ihnen bewerben. Das habe ich getan und noch zu meiner Mutter gesagt: »Wenn die Personalchefs wüssten, wer da so kommt …« Obwohl ich es nicht für möglich gehalten hatte, weil man auch selbst ein Schubladendenken hat, haben sie mich sehr schnell genommen. In einem Team von ungefähr zwölf Leuten habe ich schließlich Anträge auf Kostenerstattung an Maßnahmeträger geprüft und Zahlungen veranlasst.

Wie war es für dich unter den Kollegen?
Ich wurde von allen total gut behandelt. Klar, die ersten Blicke waren etwas erstaunt, aber als die Kollegen gesehen haben, dass ich mit ihnen zu Mittag esse und offenbar zur Belegschaft gehöre, haben wir uns dann auch ganz normal unterhalten und sie haben sich auf eine nette Art und Weise für mich interessiert. Ich denke, wenn man einmal im Beruf ist, wissen die Leute schon, dass es dafür einen Grund gibt. Und dann werten sie dich nicht so ab, als wenn sie dich draußen auf der Straße sehen würden.

Hattest du auch Kundenkontakt? Nein, gar nicht.

Wäre das mit den Gesichtstattoos gegangen?
Ich habe einmal eine Kommunikationsschulung für meinen Job gemacht und da hieß es, in Berlin wäre es womöglich kein Problem, mich als Beraterin mit Kundenkontakt einzusetzen. Aber ob das stimmt, weiß ich natürlich nicht.
 

»Ich musste lernen, die Leute anzu­lächeln und nicht nur auf den Boden zu gucken. Aber ich fühle mich sehr wohl mit mir, weil ich mich selbst angenommen habe«

Muss man mehr Leistung zeigen, wenn man so stark tätowiert in einem »normalen« Job arbeitet?

Ja, musst du. Auf jeden Fall musst du mit deiner Persönlichkeit und deiner Qualifikation überzeugen. Es ist einfach nicht jeder Mensch dauernd mit stark tätowierten Leuten umgeben und die meisten Menschen haben nun einmal Vorurteile. Aber ich denke, wenn man mit Wissen, Qualifikation und Charme glänzt, kann man diesen Nachteil wettmachen. Das ist jedenfalls meine Erfahrung. Und das Schöne ist, dass man durch Begegnungen mit Menschen etwas bei ihnen verändert, und zwar ihre Sicht auf andere. Man hilft dabei, Vorurteile abzubauen. Die Leute sehen einfach: Aha, sie ist total nett und sie arbeitet und sie hat sogar Ahnung von dem, was sie tut. Obwohl sie so sehr tätowiert ist.

Auf den ersten Blick bekommt man mit Gesichtstattoos also auch heute noch einen Stempel aufgedrückt.
Ja, es gibt ziemlich oft Leute, die an mir vorbeilaufen und sagen »Oh, mein Gott!« oder »Ihhh!«, sogar direkt neben mir. Oder Leute, die einen vollkommen schamlos extrem lange anglotzen. Du hast mit Tattoos im Gesicht auf jeden Fall die Aufmerksamkeit auch dann, wenn du sie gar nicht haben willst.

Man muss sich also eine harte Schale zulegen?
Total, die brauchst du. Deshalb verstehe ich auch Leute nicht, die sich aus einem Trend heraus im Gesicht tätowieren lassen, und sei es nur an der Seite. Ich glaube, viele von ihnen verstehen nicht, was dadurch im Leben mit ihnen passiert.  Nach meiner Meinung laufen viele, die ein Gesichtstattoo haben wollen, Gefahr, an dieser ständigen Aufmerksamkeit zu zerbrechen. Denn es kommen auf jeden Fall Situationen, die einen traurig machen. Zum Beispiel, wenn man jemanden kennenlernt und alles super ist, dann aber der Punkt kommt, an dem man der Familie vorgestellt wird und dort auf Ablehnung stößt. In solchen Momenten muss man wirklich stark sein. Andererseits wächst man an solchen Erfahrungen: Das passiert dir zweimal und du änderst deine Art, mit solchen Situationen umzugehen.

Wie gehst du damit um?
Mir ist natürlich klar, dass viele Leute erstmal schockiert über mein Äußeres sind. Aber ich mache das im Privaten so wie im beruflichen Umfeld auch: Ich versuche, dass die Leute sich in meiner Gegenwart wohlfühlen. Ich überzeuge durch meine Art. Ich bin freundlich, aufmerksam und sozial, ich habe Manieren und helfe nach dem Kaffeetrinken beim Tischabräumen. Das sind alles Eigenschaften und Verhaltensweisen, die für mich auch schon vor meinen Tattoos wichtig waren, aber inzwischen helfen sie mir sehr dabei, Leute davon zu überzeugen, dass ich trotz meines Aussehens ein ganz normaler, höflicher Mensch bin.

Welche sonstigen schwierigen Situationen gibt es im Alltag?
Selten, aber manchmal ist es mir bis heute nicht egal, wenn man mich anglotzt. Jeder hat mal einen schlechten Tag, an dem er sich nicht wohlfühlt. Und dann will man von niemandem angeglotzt werden, wenn man draußen rumläuft. Aber damit muss man dann irgendwie klarkommen, es geht nicht anders. Ich hatte auch schon das Problem, dass ich jemanden kennengelernt habe und er mit der Aufmerksamkeit, die die ganze Zeit bei uns war, nicht klargekommen ist. Sobald wir über die Straße gelaufen sind oder irgendwo gesessen haben, haben uns die Leute an­geschaut und über uns geredet. Damit konnte er gar nicht umgehen.



Wie reagierst du selbst darauf, wenn Leute dich ständig anschauen?
Oft fällt es mir gar nicht mehr auf, wenn Leute mich anschauen. Und meistens kann ich mittlerweile ganz locker und lustig damit umgehen. Wenn mich jemand zu lange an­schaut, dann sage ich ab und zu: »Willst du mich etwas fragen?« oder »Kann ich dir helfen?«. Dann fühlen sich die Leute manchmal ertappt.

Haben Fremde keine Scham, dich anzuglotzen?
Da gibt es keine Hemmschwelle, glaub mir. Man bekommt ja eigentlich von zuhause aus beigebracht, dass man das nicht macht, ich würde das jedenfalls definitiv nicht tun. Für mich ist das eine Frage der Höflichkeit. Aber es gibt einfach viele Leute, die gar nicht absichtlich so lange glotzen, dann irgendwann merken, dass sie es tun, und plötzlich ehrlich interessierte Fragen stellen. Ich komme tatsächlich über die Tattoos mit vielen Leuten ins Gespräch, die
einfach wissen wollen, warum sich ein Mensch in so eine Richtung entwickelt.

Gibst du diesen Leuten eine Antwort?
Ich erzähle ihnen nicht meine ganze Lebensgeschichte. Aber auf die meisten Fragen gebe ich schon Antwort. Ich erkläre dann meistens, dass es für mich noch nie eine rote Linie beim Tätowieren gab, die ich nicht überschreiten würde. Dass es sich für mich mit den Tattoos so verhält wie für andere damit, sich die Nase und die Brüste machen lassen. Ich sage dann, dass es einfach verschiedene Schönheitsideale gibt und dieses hier meines ist. Das mögen andere zwar hässlich finden, denn das kann jeder für sich selbst entscheiden, ich finde auch vieles an anderen Leuten hässlich. Aber ich verspüre nicht den Drang, es ihnen permanent zu sagen.

Stellen die Leute auch inhaltliche Fragen zu deinen Tattoos?
Ja, manche sind sehr daran interessiert. Ich antworte ihnen, dass ich viele Botschaften in den Tattoos trage, auch religiöse Aussagen. Meistens wollen sie aber wissen, wie man dazu kommt, sich im Gesicht zu tätowieren.

Das interessiert mich auch.
Ich habe damit echt lange gewartet. Nicht, weil ich Angst davor hatte. Aber ich fand es wichtig, mir wirklich ausreichend lange Gedanken darüber zu machen, ob und wie ich damit klarkommen würde und ob es wirklich das ist, was ich will. Und ich habe so lange gewartet, weil ich der Ansicht bin, man muss erst an vielen anderen Stellen tätowiert sein, damit das passt. Ein bisschen authentisch sollte es nämlich schon noch sein und man muss erst Erfahrung sammeln, wie es ist, an sichtbaren Stellen tätowiert zu sein. Vor drei Jahren bin ich morgens irgendwann aufgestanden und da war das Gefühl auf einmal da, dass ich bereit war. Also habe ich es getan.

Da warst du Mitte 20. Findest du im Nach­hinein, du hättest es auch früher tun können?
Nein, das war genau richtig. Es war richtig, dass ich erstmal im Leben Fuß gefasst habe. Es macht ganz klar einen Unterschied, ob ich direkt nach der Ausbildung mit 19 oder 20 mein Gesicht hätte tätowieren lassen oder ob ich ein paar Jahre im Berufsleben hinter mir habe. Vor allem aber bist du dir mit 19 oder 20 noch gar nicht klar darüber, was das eigentlich bedeutet. Du hast noch gar nicht die Empfindung dafür, was du da tust. Ich denke, das war ein Prozess für mich selbst, der dann im richtigen Moment zu der klaren Entscheidung führte.

Du hast also alles genau überlegt. Hat dich trotzdem noch etwas überrascht?
Ja. Ich wusste zwar immer, dass mit Gesichtstattoos Aufmerksamkeit verbunden ist, aber was das bedeutet, das spürst du erst, wenn es so weit ist.  

Was bedeutet es denn?
Das erste Tattoo im Gesicht, das »Dankbar« über der Augenbraue, hat einfach schon eine ganze Menge für mich verändert. Ich war zwar Aufmerksamkeit gewohnt, aber nicht diese direkte Fokussierung auf mein Gesicht. Die Leute gucken auf einmal, was da steht. Sie suchen richtig den Kontakt zu deinem Gesicht. Und das ist dir am Anfang unangenehm. Ich musste erst lernen, die Leute offensiv anzulächeln und nicht nur auf den Boden zu gucken. Und dann gibt es Situationen wie die, als mir im Supermarkt ein kleines Kind ans Bein gelaufen ist und die Mutter es ganz schnell von mir weggezogen hat. Das sind Reaktionen, die ich vorher nicht kannte. Und wenn wir abends weggehen, dann muss ich nirgend­wo mehr groß anstehen. Die Leute machen Platz, obwohl ich an sich doch sehr freundlich aussehe. Vielleicht halten sie mich für eine Mafiabraut. Viele verbinden solche krassen Tattoos im Gesicht einfach mit Kriminalität und Gewalt. Selbst die jungen Leute haben Respekt. Außerdem denke ich, dass Menschen wie ich anderen vor Augen führen, dass sie sich innerhalb der Norm bewegen. Und damit können viele nicht umgehen, weil auch in ihnen sicherlich etwas steckt, was gern ausbrechen würde. Von daher bekommen wir, glaube ich, einfach viel persönlichen Unmut und Frust ab. Damit muss man lernen umzugehen.

Gibt es auch positive Momente?
Ja, da gibt es solche Fälle wie den, dass ich dreimal in der Bäckerei einen Kaffee hole und den vierten umsonst bekomme, weil die Leute sich an mich erinnern können und mich sympathisch finden. Oder dass sie mich einfach so ansprechen und total freundlich sind, weil ich durch die Tattoos anscheinend auch einen lockeren Eindruck mache. Oder weil sie es auch einfach cool finden, dass da jemand ist, der sich nicht um die ganzen Kopfgefängnissachen schert und einfach tut, was er will.

»Kopfgefängnis« ist ein guter Begriff – wie kommt es, dass du dich nicht in gesellschaftliche Vorgaben zwängen lässt?
Jeder Mensch ist individuell und ich mag überhaupt keine Vorurteile. Das war bei mir immer schon so. Ich denke, jeder ist, wie er ist, und man sollte einen Charakter nicht mit Zwang verändern. Ich habe mir also irgendwann einfach gedacht: Okay, Kleo, du bist so, wie du bist. Und entweder stehst du dazu oder nicht. Es gibt Leute, die bewegen sich immer innerhalb eines Schemas, das sie durch Erziehung und Umfeld auferlegt bekommen haben, und das ist auch okay, weil das Sicherheit bietet. Aber ich bin so ein Mensch, der einfach er selbst sein wollte. Ich wollte, dass man mich anschaut und weiß: Das Mädchen hat sich nicht einfach so gefügt, sondern hat sich selbst geschaffen.

Fühlst du dich jetzt wohler in deiner Haut als vor zehn Jahren?
Ja, das kann ich schon sagen. Ich fühle mich sehr wohl mit mir, weil ich mich selbst angenommen habe. Und ich habe keine Angst mehr, von jemandem gemieden zu werden. Entweder man nimmt mich so, wie ich bin, oder man lässt es sein. Das macht mir keine negativen Gefühle mehr.

Gilt das nur für Leute, die du neu kennenlernst, oder auch für deine Familie, die noch die untätowierte Kleo kennt?
Mein Papa war mit Aussagen in Bezug auf meine Tattoos immer sehr zurückhaltend. Es gab aber einmal die Situation, in der er viele Geschäftspartner eingeladen hatte und mich bat, meine Tattoos zu verstecken. Ich habe ihn dann gefragt: »Papa, wie soll ich das machen?« Klar, ich muss nicht wie eine Rebellin auftreten, ich kann mich schon dem Anlass entsprechend kleiden, das ist nicht das Ding. Aber ich werde nicht anfangen, meine Tattoos abzuschminken. Das war der Moment, in dem ich zu meinem Papa gesagt habe: »Entweder ich komme so, wie ich bin, oder ich komme eben nicht.« Ich war dabei und seitdem sind meine Tattoos kein großes Thema mehr.
 

»Die meisten Menschen haben leider Vorurteile. Du musst also sehr mit deiner Persönlichkeit und deiner Qualifikation überzeugen.«

Und deine Mutter? Wie hat sie deine Tattoos angenommen?
Meine Mutter hat mir früher regelmäßig ein schlechtes Gewissen gemacht. Wenn ich was Neues hatte, dann hat sie geweint und ist sehr auf der emotionalen Schiene gefahren. Als hätte ich ihr etwas Schlimmes getan, weil ich ein neues Bild auf meinem Körper trug. Ich habe da immer recht gelassen reagiert. Aber als meine Tattoos dann ins Gesicht gingen, war sie fix und fertig und hat das auch so geäußert, sodass ich zu ihr gesagt habe: »Hör zu, du weinst doch nur, weil du denkst, die Leute gucken dich an und meinen, du hättest etwas falsch gemacht bei mir. Du weinst nicht um mich, sondern um dich. Du wirst aber mit deinen Tränen nichts ändern, du machst es für dich nur schlimmer.« Und inzwischen ist sie da auch viel entspannter und interessierter. Sogar, als etwas Neues in mein Gesicht kam, hat sie interessiert nachgefragt. Was die Tätowierungen angeht, sucht sie inzwischen viel mehr den Kontakt zu mir, und das ist sehr schön. Das hat zwar lange gedauert, zehn Jahre, aber besser spät als nie.

Manchmal brauchen Eltern länger, um solche Veränderungen zu verstehen …
Ich denke, zu ihrem Verständnis beigetragen hat auch, dass ich mein Leben trotz der Tattoos ziemlich gut im Griff habe. Das haben sie über die Jahre erkannt. Ich hatte eigentlich immer Arbeit, musste nie zu ihnen kommen und um Unterstützung bitten. Jetzt tätowiere ich selbst und vermutlich verstehen meine Eltern mittlerweile: Das funktioniert, was sie da macht. Jetzt, wo ich ein paar Dinge in meinem Leben erreicht habe und glücklich bin, sehen sie meine Gesichtstattoos auch nicht mehr als die Schande an, für die sie sie gehalten haben.

Würdest du, jetzt also selbst Tätowiererin, deine Kunden im Gesicht tätowieren?
Eher nicht. Wir machen auch keine Finger­tattoos bei Leuten, bei denen wir nicht ganz sicher sind, dass sie ganz genau wissen, was das bedeutet. Wenn ein Kunde aussieht wie du oder ich, dann ist das etwas anderes, klar. Da sieht man ja, dass die Leute Erfahrung damit haben, krasse Tattoos zu tragen und mit der Konfrontation mit anderen klarzukommen. Wenn jemand aber ein kleines Tattoo am Handgelenk hat und will dann etwas auf die Finger haben, heißt das für mich, dass derjenige sich nicht darüber klar ist, was das für ihn verändert. Man hat da als Tätowierer auch eine gewisse Verantwortung. Und es kommen so viele Leute in den Laden, die fragen, ob ich eine Vorlage für sie hätte oder ob man ein Tattoo einfach weglasern lassen kann, wenn man es in zwei Jahren nicht mehr haben möchte. Das verstehe ich nicht. Diese Leute sollte man nicht an Händen, Hals oder sogar im Gesicht tätowieren.

Und wenn sich jemand dafür entscheidet, der sich ganz sicher ist: Was ist deiner Meinung nach bei Gesichtstattoos zu beachten?
Es sollten auf jeden Fall Tattoos von handwerklicher Qualität sein, nicht irgendwas. Man sollte etwas mit den Tattoos verbinden und es nicht aus Trend machen. Und ich finde es schöner, wenn Gesichtstattoos so gemacht sind, dass sie die Gesichtszüge noch erkennen lassen. Ich selbst wollte zu jeder Zeit, dass die Leute sich weiterhin geborgen fühlen, wenn sie mich ansehen.
 

Kleo Bella Chicana ist 28 Jahre alt und Tätowiererin im Wiesbadener Studio Hautsünden. Aufgewachsen in den Regionen Niederrhein und Odenwald, absolvierte sie zunächst eine Ausbildung zur Rechtsanwaltsfachangestellten. Anschließend arbeitete sie mehrere Jahre als Disponentin in einer Spedition und als Sachbearbeiterin bei der Arbeitsagentur und jobbte neben­bei in der Gastronomie.

www.hautsuenden.de
M Kleo Bella Chicana
P kleo_bellachicana

 

Text: Boris Glatthaar
Bilder: Annegret Hirschmann, www.annegretarnold.de

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Stand:23 October 2017 00:35:58/editorial/tattoos+im+gesicht_17925.html