SCHWESTER, BITTE!

19.01.2018  |  Text: Cassidy Rose  |   Bilder: Guido Inteus, Make-Up: Kami Zero, Location: studio-sm-art.de
SCHWESTER, BITTE! SCHWESTER, BITTE! SCHWESTER, BITTE! SCHWESTER, BITTE! SCHWESTER, BITTE! SCHWESTER, BITTE!
SCHWESTER, BITTE!
Alle Bilder »
Klinikerotik, das ist das heiße Rollenspiel im Arztkittel – Abtasten, Infusionen, Einläufe und Nadelstiche inklusive. Zu Besuch in einer Bizarrklinik.
Lieber Leser, stell dir vor: Du liegst im Krankenhaus, du sollst ruhen, aber dein Geist ist umtriebig. Diese hübsche Krankenschwester, die täglich nach dir sieht: Wie geil es doch wäre, wenn sie sich bei ihrem nächsten Besuch den Kittel vom Leib reißen und sich auf dich stürzen würde. Und erst diese strenge Oberärztin: Du fühlst dich wehrlos bei ihr und nur sie weiß, welche Behandlung gut für deine schnelle Genesung ist. Deine Hilflosigkeit erregt dich. Der ungewollte Krankenhausaufenthalt beflügelt deine Fantasie und auf einmal sind die Spritzen und das Blutabnehmen gar nicht mehr schlimm.
 

"Jeder Mensch ist ein wenig verrucht, jeder Geist ist ein Stück verdorben."

Und an die weiblichen Leser meiner Kolumne: Ladys, wir alle kennen »Grey’s Anatomy« und keine von uns würde sich beschweren, wenn Dr. Mark Sloan – Spitzname: »Mc Sexy« – sich bei seiner Visite an unserem Krankenbett besonders viel Zeit für uns nehmen würde, oder?

Durch was auch immer deine geheimen erotischen Fantasien ausgelöst werden, genieße sie – denn sie sind toll und völlig normal. Jeder Mensch ist ein wenig verrucht, jeder Geist ist ein Stück verdorben. Was uns insgeheim anmacht, können wir nicht kontrollieren.



Manchen, und das sind nicht wenige, gefallen Rollenspiele mit Medizinbezug: Ärztin und Patient. Krankenschwester und Chefarzt. Und so weiter. Denn Ärzte und andere Menschen in weißer Kleidung können verdammt sexy sein. »Frau Doktor, ich habe da so ein Stechen. Wenn Sie sich das mal ansehen könnten?« Ärztin: »Oh, das klingt aber gar nicht gut, ich werde Sie gründlich untersuchen müssen. Machen Sie sich doch bitte schon einmal frei.« Auch ohne vollausgestattetes Untersuchungszimmer, aber mit ein paar Utensilien, wird euch dieses Rollenspiel eine Menge Spaß daheim bereiten. Erotikshops bieten mittlerweile eine große Auswahl an Arzt- und Klinikaccessoires an. Es geht aber auch professionell.

Ich besuche eine langjährige Expertin in Sachen Doktorspiele und Klinikpraktiken zum Interview und lasse mir erklären, was alles möglich ist. Sie heißt Lady Silvana und war fünfzehn Jahre lang als Bizarrärztin tätig. Mittlerweile ist die hübsche Blondine zwar nicht mehr aktiv, leitet aber die Mietlocation »SMart« in Köln. Das Studio bietet ausgefallene Themenzimmer für bizarre Treffen und der Bereich »Medical SM Cologne« ist die bizarre Klinik für alle Arten von Rollenspielen in der weißen Klinikwelt.

Während viele echte Patienten Angst vor Spritzen haben, können manche Besucher der Bizarrklinik es gar nicht erwarten, die Nadel gesetzt zu bekommen.

Lady Silvana und ihr Mietstudio waren mir schnell über die »Klinikzone«, dem ersten deutschen Onlineportal für Freunde der Klinikerotik, ins Auge gefallen. Denn das »Medical SM Cologne« wirbt dort nicht nur mit einem absolut authentischen und umfangreich ausgestatteten Klinikbereich, sondern auch mit einem kompetenten, verantwortungsbewussten und sehr gut ausgebildeten Team.

Medizinische Vorerfahrung der Damen ist hier ein Muss. Eine Gynäkologie-Area sowie der realitätsnahe OP lassen keine Patientenwünsche offen. Für den stationär aufgenommenen Patienten steht selbstverständlich auch ein Bett zur Verfügung.

Ich besuche das ausgefallene Studio an einem Sonntagmittag. Der »Klinikbereich« beeindruckt mich ungemein: Die medizinischen Gerätschaften wie das Überwachungs-EKG sind echt und funktionsfähig, es gibt ein Ultraschallgerät, eine Narkosestation, Sauerstoffbeatmung und einen Defibrillator für den Notfall. Der Gebärstuhl ist elektrisch verstellbar, die Beleuchtung ist frei wählbar von grellweißem OP-Licht bis zu schummrig-grünem Ambiente. Der Boden ist gefliest, die Metallschubladen sind randvoll mit medizinischen Instrumenten – OP-Besteck, Einwegspritzen, Klemmen und Zangen.



Medizinische Berufskleidung darf in der Bizarrklinik natürlich nicht fehlen. Silvana zeigt mir stolz den großen Kleiderschrank des Studios, gefüllt ist der mit echter medizinischer Berufskleidung – weiße Visitekittel, grüne und blaue OP-Bekleidung sowie authentische OP-Schuhe. Für Patienten, die ihre behandelnde Ärztin lieber in Lack oder in Latex sehen, bietet der Studioschrank ebenfalls reichlich Auswahl. Latex-Krankenschwester-Schürzen sowie Hauben und High Heels runden die heißen Outfit-Optionen ab.

Lady Silvana, die vor ihrer Zeit als aktive Bizarrärztin ein Jahrespraktikum als Arzthelferin und danach mehrere medizinische Weiterbildungen absolviert hat, erzählt mir im Aufenthaltsraum des Studios von den gängigsten Praktiken im weißen Klinikbereich. Ich lausche gespannt ihren Worten.

Sie berichtet von Aufspritzungen und Infusionen mit Kochsalz im Intimbereich (Schamlippen und Klitoris) und in den Brüsten einer Frau. Sie zeigt mir Fotos von Infusionen im Hodensack und in der Vorhaut des Mannes. Die temporär prall gefüllten Geschlechtsteile seien nicht nur bei Exhibitionisten heiß begehrt, fügt sie mit einem Lächeln hinzu.

Bei Klistierspielen stehen Einläufe und Darmspülungen im Vordergrund. Viele Männer finden die Anwendung eines Einlaufs, der rektal verabreicht wird, sexuell sehr erregend. Das Aufnehmen von bis zu mehreren Litern Flüssigkeit übt bei ihnen Druck auf die Prostata aus. Erregung und Leid, ausgehend von Druck im Darmbereich, bieten dem Patienten eine prickelnde Mischung aus Erfüllung und Erniedrigung.

Silvana zieht eine kleine Nadel hervor. Eine Akupunkturnadel. Sie nickt zufrieden und fügt hinzu: Eichel, Vorhaut, Hodensack, Klitoris oder Schamlippen sind für diese Nadelspiele besonders empfänglich.

Das »Medical SM Cologne« bietet einen umfangreich ausge­tatteten Klinikbereich.

Wieder etwas gelernt. Ich lache, als Silvana einen Brennnesselzweig aus ihrer Tasche hervorzieht. Etwas verdutzt lasse ich mir erklären, dass das sogenannte »Nettling« mit frischer Brennnessel bereits in der Antike zur sexuellen Stimulation eingesetzt wurde. Die Pflanze fördert die Durchblutung und führt nach dem ersten Schock zu größerer Empfindung. Die »BDSM-Streicheleinheit«, wie Silvana diese Praktik nennt, regt die Libido an. Bei einer Behandlung mit Brennnesseln werden die Geschlechtsteile mit den Blätterzweigen geschlagen, die Blätter aufgelegt oder sogar rektal eingeführt. Doch Silvana warnt: Es entstehen Quaddeln und Blasen. Der Kontakt ist scharf und heiß. Setzt das Brennen erst einmal ein, kann es nicht gestoppt werden.

Die toughe Blondine setzt ihre Brille auf und ich folge ihr wissbegierig durch den Klinikbereich. Aus einer der vielen Schubladen zieht sie nun verschieden dicke Dilatatoren heraus. Solche medizinischen Werkzeuge in verschiedenen Größen werden zusammen mit Gleitmittel zum Dehnen der Harnröhre benutzt. Bei dieser Vorstellung zucke ich kurz zusammen. Ziel sei es, sowohl bei männlichen als auch bei weiblichen Patienten, den Durchmesser der Harnröhre dauerhaft zu vergrößern, um so zum Beispiel beim Mann die Ejakulationsweite zu beeinflussen.

Zeit, das gerade Gelernte zu verarbeiten, bleibt mir nicht. Denn wir stehen schon am Gebärstuhl und ich erfahre, dass man mit sogenannten Katheterspielen seine Patienten bestrafen oder belohnen kann. Silvana als behandelnde Bizarrärztin gewinnt noch mehr an Macht hinzu, denn der Patient verliert bei solchen Praktiken die Kontrolle über eine grundlegende Körperfunktion. Der Urinfluss wird abgeleitet oder auch ganz verhindert. Einmalkatheter sind dünne Silikonschläuche, die in die Harnblase eingeführt und nach dem Rollenspiel direkt wieder entfernt werden können.

Es klingelt an der Studiotür. Es kommen Guido Inteus, Fotograf für die heutige Bildstrecke, und Kami Zero, Make-up-Artist. Kurze Zeit später ist die Fototechnik aufgebaut und die ehemalige Bizarrärztin und ich sind für das Shooting geschminkt.

TE-Kolumnistin Cassidy (links) als »Assistenzärztin« von  Bizarr- und Klinikexpertin 
Lady Silvana.

Zunächst stellen wir Vernähungen und Cuttings dar. Silvana erklärt: Mit medizinischem Nahtmaterial und einer Hohlnadel kann man menschliche Haut ähnlich wie ein Stück Stoff vernähen. Während des Rollenspiels kann so etwa die Penisvorhaut zugenäht oder die Schamlippen aufgespreizt an die Oberschenkel genäht werden. Zusätzlicher Schmerz bei straffer Fadenführung gibt dem Patienten oftmals einen noch größeren Kick.

Wir beginnen mit dem heutigen Shooting und Kami springt als Schaupatient auf die Pritsche. Bereitwillig lässt er sich von mir im schwarz-roten Latexoutfit abhören und den Blutdruck messen, die Stimmung ist locker: Bis zu dem Zeitpunkt, an dem Silvana eine Spritze aufzieht und mir überreicht. Kamis schockierter Blick bringt alle zum Lachen.

Zuletzt interessiert mich der Tagesablauf im Kölner »SMart«. Ich erfahre von Studioleiterin Silvana, dass sich aktuell fünf bis sechs Frauen regelmäßig für Sessions in eines der Themenzimmer einmieten. Ihre Termine vereinbaren sie selbst. Besonders das große »Medical SM Cologne«-Zimmer ist über Deutschlands Grenzen hinaus bei Freunden weißer Klinikerotik bekannt und erfreut sich einer stetig wachsenden Patientengemeinde.

Die Bizarrärztinnen und Gummischwestern berechnen für eine einstündige Behandlung ab 250 Euro. Außerdem gibt es Langzeitpatienten, die in der Klinik zum Beispiel ihren Urlaub verbringen möchten. Wer als Paar, also ganz privat, nur eines der Themenzimmer mieten möchte, bezahlt die Stunde 80 Euro.

Mein persönliches Fazit: Ich finde das Ambiente im »Medical SM Cologne«-Klinikbereich prickelnd und anregend. Ich kann mir gut vorstellen, den Raum für ein privates Arzt-Schwester-Rollenspiel mit meinem Mann zu mieten – allerdings ohne Katheter, Infusionen und Einläufe. Denn es gilt wie immer: Geschmäcker, Vorlieben und Neigungen sind ganz unterschiedlich. Erlaubt ist, was gefällt.

Kuss, eure Schwester Cassidy
  Teilen
Szeneshop-Angebote
Szeneshop-Angebote
Stand:20 February 2018 10:46:06/magazin/schwester+bitte_171114.html