Die sinnlichste Party des Jahres

13.07.2018  |  Text: Jula Reichard  |   Bilder: Gili Shani
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Die sinnlichste Party des Jahres
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Der große German Fetish Ball lockt zig tausende Fetish-Liebhaber aus aller Welt nach Berlin. Das diesjährige Event markierte den Höhepunkt der Veranstaltungshistorie. Die fünftägige Party in der Hauptstadt ist Gesprächsthema. TATTOO EROTICA war für euch dabei
Auf diesen Abend hat sie seit Wochen gewartet, ihren Look mit Sorgfalt geplant. Es ist Freitagabend in Berlin und die Schlange vorm KitKatClub ist länger als sonst. Vorfreude liegt auch bei all den anderen Partygästen in der Luft. Sobald sie drinnen ihren Mantel und den Rucksack an der Garderobe abgelegt hat, gilt es das Outfit zu perfektionieren. Die junge blonde Schönheit aus Schweden steigt dafür in aufregende Achtzehn-Zentimeter-High-Heels und überprüft abermals, dass der Harness sitzt – ein schmückendes Geschirr, das perfekt ihre nackten Brüste umspielt. Ihre Begleitung hilft dabei, die Latex-Leggins zu polieren, die sich betörend über ihre Hüften formt. Letztlich wird die junge Frau an der Garderobe auch ihr Handy abgeben und hineintauchen in eine der sinnlichsten Nächte des Jahres.

In diesem Club gibt es neben dem Dresscode auch ein Handyverbot, weil vieles von dem, was dort passiert, nichts auf den Kameras fremder Partybesucher zu suchen hat. Außerdem soll der Fokus in jeder Hinsicht auf Zwischenmenschlichem liegen und die Gäste sollen sich ungestört einander widmen – sei es bei intensiven Gesprächen oder beim Engtanz mit frivolen Folgen.

Der Berliner KitKatClub gilt seit vielen Jahren als Deutschlands Adresse Nummer eins für ausschweifende, sexuell offene Partynächte. Da wundert es nicht,  dass er auch zu einem der Schauplätze des German Fetish Ball wird, dem jährlich stattfindenden Großereignis in Sachen Fetisch. Hier kommen Liebhaber von Latex, Lack und Leder sowie BDSM voll auf ihre Kosten. Für rund fünf Tage werden anthrazitfarbene Sakkos, Nadelstreifenkostüme und andere Insignien des herkömmlichen Lebens weggesperrt und man frönt der besonderen Leidenschaft. Dafür kommen Besucher aus der ganzen Welt und lassen sich den Tapetenwechsel mitunter einiges kosten. Neben der Tatsache, dass hier möglichst viele Outfits präsentiert werden wollen, die häufig sehr wertvoll sind, finden von Mittwochabend an bis einschließlich Sonntag diverse Partys statt. Am Tag hat außerdem eine Messe geöffnet: Dabei stellen ausgewählte Designer und Labels sündhaft schöne Outfits, Accessoires und Toys vor – und diese finden reißenden Absatz.



Als Veranstalter Rene de Parade den German Fetish Ball 2014 erstmalig veranstaltete, war es sein erklärtes Ziel, ein Event zu schaffen, das sich über mehrere Tage erstreckt und vor allem internationale Beachtung gewinnt. »Der erste GFB war schon ein voller Erfolg, wir hatten uns ein Jahr Vorbereitung gegönnt, Werbung gemacht, aber dass so etwas auch in Deutschland klappt, war nicht selbstverständlich. Viele in der Szene hatten abgewinkt, als wir das Ganze ursprünglich als gemeinsames Projekt planen wollten. Die meisten glaubten schlicht nicht daran. Dann kam das erste GFB-Wochenende und wir hatten eine volle Messe, ein tolles Programm und eine richtig gut besuchte Party«, erinnert sich der Initiator. Der GFB wuchs stetig, doch mit ihm auch die Mietpreise für Eventlocations in Berlin. Nach einem zweijährigen Gastspiel in Hamburg fand der GFB nun mit zwei neuen Locations wieder eine Heimat in der Hauptstadt.
 
Die Location Heeresbäckerei, in der tagsüber die Messe stattfindet, und das benachbarte Spindler & Klatt, eine außergewöhnliche Partykulisse, liegen zentral in der Stadt am Ufer der Spree und verkörpern Klasse. Ein Wermutstropfen ist wohl der wenige Platz, denn die Besucherzahlen explodieren und Anfragen von Designern und Labels häufen sich so sehr, dass Rene eine Auswahl treffen und für das kommende Jahr wohl auch die Eintrittstickets limitieren muss. Ein Luxusproblem, sicher. In die Peripherie zu ziehen und in einer kargen Messehalle vor allem Masse unterzubringen, kommt für Rene nicht infrage – er möchte nicht das Risiko eingehen, dass sein Event zu einer uninspirierten Erotikmesse verkümmert. »Ich glaube, die meisten Gäste wissen die Qualität zu schätzen. Nimmt man die Locationschwierigkeiten raus, hat sich das GFB-Wochenende beständig weiterentwickelt. Es wurde immer umfangreicher, bietet heute so viel Programm wie nie.«

Apropos Programm: Wer auf dem GFB so viel wie möglich mitnehmen will, der hat einen vollen Terminplaner und schläft wenig. Doch für das Großereignis des Jahres nimmt das wohl jeder gern in Kauf. Mit der inoffiziellen Pre-Party des Latex-Labels Savage Wear am Mittwochabend und den Welcome-Drinks im Messehotel nhow mit anschließender Party im Matrix in Friedrichshain am Donnerstag legt der GFB in Sachen Party ordentlich vor. Ab Freitagmittag steht  der Messebesuch auf dem Programm. Kinky Spielzeuge und neckische Accessoires sowie spannende Mode wollen ausprobiert und anprobiert werden. Viele Besucher machen sich hier noch mal die letzten It-Pieces klar, um am Abend auf einer der Partys zu glänzen.



Glänzen, das wollen sie alle. Es scheint, als sei neben dem Austausch unter Gleichgesinnten, den alle sehr genießen, der Auftritt besonders wichtig. Mit viel Hingabe und Akkuratesse verwandelt sich jeder in eine außergewöhnliche Erscheinung, die für Aufsehen sorgt. Wer glaubt, die Atmosphäre gleiche einem Maskenball, liegt falsch. Es hat hier nämlich nicht den Anschein, als verkleideten sich die Besucher, sondern als könnten sie einmal genau so sein, wie es ihrem Inneren Wunsch entspricht. Und dabei spielt es keine Rolle, ob der Manager im Hundekostüm von seiner halb so alten Misstress an der Leine geführt wird, ob der Polizeidirektor mit seiner Frau zur Party erscheint und selbst die höheren High Heels trägt als sie oder ob sich die junge blonde Schwedin später im Keller des KitKatClubs von einem dominanten Herren den Hintern auspeitschen lässt. So schrill die Besucher sich präsentieren, so homogen und passend wirkt es dennoch.

Der German Fetish Ball ist ein Fest der Sinne und der Superlative. Das Ausleben der Leidenschaft und des wahren Ichs stehen im Fokus und so ergibt sich eine inspirierende und ansteckende Atmosphäre. Auf kaum einer anderen Party sieht man die Menschen so viel miteinander reden und interagieren. Den Höhepunkt erreicht das fünftägige Spektakel am Samstagabend, wenn der offizielle Ball im Spindler & Klatt stattfindet. Hier greift jeder Besucher noch ein bisschen tiefer in die Trickkiste, um einen Wow-Effekt zu zaubern. Auf dem Ball finden neben der großen Fashion-Show auch ein paar besondere Bühnenshows statt. Zwischen den Läufen der angesagten Designer wird dann schon mal ein Gynäkologenstuhl auf den Laufsteg gebracht. Zwei Ladys im Ganzkörperanzug geben sich einem aufregenden BDSM-Spiel hin. In Momenten wie diesen wird dann wieder klar, dass das hier eben doch kein ganz normales Partyevent ist – und das ist durchaus reizvoll.

Getanzt wird nach den Shows zu Techno- und Dark-Wave-Klängen, und weil man unter Latex höllisch schwitzt, haben die Barkeeper alle Hände voll zu tun und der imposante Außenbereich an der Spree ist bei sommerlichen Temperaturen die ganze Nacht über dicht besiedelt. Der Mond und die Lichter der Stadt spiegeln sich auf dem Wasser und den eingeölten Körpern der Gäste – was für ein Bild!

Cassidy Rose lief bei der Runway-Show für Jaded Jewall und zeigte ein imposantes Headpiece

So geht eine weitere aufregende Berliner Partynacht zu Ende, die noch außergewöhnlicher ist als das, was die Stadt sonst so bietet. Das Event weckt bei vielen Gästen die Lust auf ein Wiedersehen im Jahr 2019 und löst auch Wehmut aus. Wehmut darüber, dass schon am Montag wieder antrhazithfarbene Sakkos und nicht Latex-Overalls den Ton angeben und es so lange dauert, ehe man sich in dieser Konstellation wieder seiner Liebe für Latex und mehr hingeben kann. Bei aufgehender Sonne warten bereits die Taxifahrer. Sie schmunzeln und freuen sich über die Abwechslung. Die Flecken, die das eingeölte Latex auf den Ledersitzen der Mercedes-S-Klassen hinterlässt, nehmen sie gelassen hin. »Immerhin keine Kotze«, sagt einer der Fahrer und grinst. »Außerdem sind die Gäste immer so höflich und fröhlich, bunte nette Vögel. Besser als viele andere Discogänger der Stadt.«

www.german-fetish-ball.com
www.jewall.com
www.cochaine.com
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Stand:21 September 2018 20:37:13/editorial/die+sinnlichste+party+des+jahres_18706.html