Alexander Wedekind gehört zu den angesagtesten Erotik-Fotografen. Sein Stil ist ebenso rockig wie elegant und auf jeden Fall prickelnd. Vor einem Jahr hat der 32-Jährige auch Tattoomodels für sich entdeckt – mit beeindruckendem Ergebnis.
Du bist kein gelernter Fotograf. Woher kommt es dann, dass du fotografierst?
Die Fotografie kam mit meiner Freundin. Sie hat eigentlich immer fotografiert, sehr, sehr gut. Vor allem, wenn sie Models fotografiert hat, habe ich trotzdem ständig gemotzt, weil ich dies und das anders tun wollte. Sie sagte irgendwann, ich solle meinen Scheiß doch selbst machen. Das habe ich dann getan (lacht). Meine Freundin ist aber auch meistens noch dabei.

Dann hat deine Freundin in dir eine ruhende Passion geweckt?
Kann man so sagen, aber ohne, dass ich selbst davon wusste. Ich habe die Fotografie nämlich nie leiden können. Fotografie, das war für mich das Familienfoto. Aber ich habe mich relativ schnell vom Foto-Hasser zum Foto-Liebhaber gewandelt. Dass ich gleich von Beginn an das Glück hatte, mit professionellen und tollen Models zu arbeiten, hat zu dieser Entwicklung sicher entscheidend beigetragen. Und ich wollte Dinge austesten: Was passiert, wenn das Model andere Klamotten anzieht? Was ist, wenn ich anderes Licht einsetze? Wie wirkt es, wenn ich das Set anders gestalte? Ich war fasziniert von dem, was man durch Veränderungen erreichen, welche Effekte man erzielen kann.

Du fotografierst auf hohem Niveau, verdienst dein Geld aber in einem anderen Job. Warum?
Ich würde die Fotografie niemals hauptberuflich machen. Ich will einfach den Elan nicht verlieren. Wenn man gezwungen ist, etwas zu tun, regelmäßig und immer auf hohem Level, dann nimmt der Spaß daran schnell ab. Ich möchte mir die Freude aber erhalten. Deshalb greife ich nur dann zur Kamera, wenn ich es wirklich will. Letztes Jahr habe ich so viel gemacht, dass das kein Vergnügen mehr war. Dieses Jahr machen wir weniger.

Vor allem mit deinen freien Arbeiten erregst du immer wieder Aufmerksamkeit. Wie kommt das?
Ich mache rockige Erotik. Wichtig bei meinen freien Arbeiten sind mir große Sets mit viel Beiwerk, aber es darf am Ende nicht überladen und kitschig wirken. Mein Ziel ist bei aller erotischen Rauchigkeit die schlichte, elegante Note in den Bildern. Ein etwas italienischer Stil, könnte man fast sagen, aber mit einer ausreichenden Prise US-Roadmovie. Ganz wichtig ist mir aber auch, dass die Szene nicht wahllos ist, sondern das Foto eine Story erzählt. Vermutlich ist das auch der Grund, warum ich mich oft von Filmszenen inspiriert fühle: Eine gute Story verdichtet eine prickelnde Geschichte auf einen Augenblick. Meine Bilder sollen so sein, als drückte man in einem genialen Film bei der besten Sequenz auf »Pause«.

Sind Filme deine Inspirationsquelle?
Inspiration kommt überall her. Vieles nehme ich aber tatsächlich aus Filmen, etwa von  Tarantino. Mein Stil ist rockig. Und so habe ich, wenn ich Filme gucke, oft spontane Ideen, wie ich die eine oder andere Szene oder einen Bildaufbau in abgewandelter Form in meinen Fotos verwenden könnte. Ich bin ein sehr explosiver Charakter und möchte das dann immer am liebsten sofort umsetzen. Meine Freundin ist die Stimme der Vernunft. Sie bremst mich in solchen Momenten ein. So habe ich Zeit, meine Idee zu entwickeln, gezielt nach passenden Models und dem Material zu suchen, das ich für den Aufbau des Sets brauche. Meine Bildaufbauten sind oft sehr aufwändig. Auch das verhindert, so etwas sehr oft und in Fließbandproduktion machen zu können.

Wie oft machst du das dann?
Richtig große Sachen mit aufwändiger Szenerie machen wir in etwa zweimal pro Jahr, für T-Shirts oder Kalender shooten wir ein- bis zweimal im Monat. Das sind dann Pay-Aufträge. Sie sollen eigentlich nur die Kosten der freien Arbeiten einspielen.

Wenn nicht für den Verdienst – wofür investierst du so viel in deine Fotos?
Primär setze ich die Projekte nicht fürs Publikum um, sondern für mich. Ich habe eine Vorstellung von einem Bildaufbau und einer Wirkung und will das umsetzen. Ich bin dann zufrieden, wenn ich erreicht habe, was ich vorher schon im Kopf hatte. Wenn das dann anderen auch gefällt und das gute Feedback direkt persönlich an mich herangetragen oder über Facebook und so weiter vermittelt wird, ist das schön. Auf den Punkt gebracht: In erster Linie möchte ich meine eigenen Vorstellungen von knackiger, rauchiger Erotik umsetzen und sie meinen Mitmenschen zeigen.
Wie ist die Resonanz?
Viele finden gut, was ich mache, und verfolgen meine Neuveröffentlichungen. Toll ist der kollegiale Schulterklopfer von Fotografen, die es echt drauf haben. Manche üben auch Kritik in der Form, dass sie sagen, an dieser Stelle wäre etwas mehr Licht gut gewesen oder an jenem Punkt hätte es ein bisschen weniger Schatten auch getan. Ein großes Kompliment für mich ist, wenn wirklich tolle Models, die schon viel rumgekommen sind und vor etlichen erstklassigen Fotografen gestanden haben, von mir fotografiert werden wollen.

Wie klappt die Zusammenarbeit mit den Models?
Am Anfang war es so, dass die Models zwar meinen Look kannten, mich aber so biegen wollten, wie es ihrer Meinung nach gut war. Sie hatten – oft auch aus Erfahrungen von anderen Shootings – ihre festen Vorstellungen davon, wie sie sich bewegen und vor der Kamera geben sollten. Aber das waren verbrauchte Ideen, nicht meine. Inzwischen kommen die meisten Models ganz klar wegen meines speziellen Looks zu mir.
 
Die meisten – aber nicht alle?
Na ja, manche Mädels bringen erstmal den Mief von anderen Fotografen mit. Dort hat man sie versaut, eingeschränkt, ihnen gezeigt, welche Posen angeblich erwartet werden und ankommen. Meine Aufgabe ist es oft zunächst, die Models aus diesem Korsett zu befreien. Ich habe am Set deshalb immer Musik laufen, teilweise richtig hart. Wenn die Models Spaß haben und sich gehenlassen können, dann springen sie über Hürden, die sich in ihrem Kopf womöglich aufgebaut haben und die sie bei anderen Fotografen vermutlich niemals überwinden würden. Sie sind oft selbst überrascht, wie toll sie später auf den Fotos wirken.


Um solche Hürden zu überspringen, ist Vertrauen notwendig.
Stimmt. Vertrauen ist der Dreh- und Angelpunkt bei meinen Shootings. Vertrauen muss sich zwischen uns aufbauen – ohne, dass die Models Bekannte mitbringen oder Freundinnen. Denn Personen, die scheinbar als Unterstützung für das Model mitkommen, hemmen in der Regel mehr, als sie nutzen. Wer will sich schon vor seiner Schwester ekstatisch bewegen? Wenn ich ein Model kennenlerne, die Chemie stimmt und am Set alles so professionell läuft wie bei uns, dann vertraut man sich gegenseitig recht schnell. Das Grundrezept lautet: Man ist flapsig, man ist frech, aber es gibt Grenzen. Und meine Grenze ist: Wir sind Geschäftspartner und wollen gemeinsam etwas erreichen. Aber wir wollen keine Freunde werden, nicht einmal miteinander essen gehen. Was uns verbindet, ist das gemeinsame Ziel.

Dein Ziel ist ein Bild nach deiner Vorstellung. Und das Ziel der Models?
Die Models kennen erstens die Fotos, die ich von anderen gemacht habe. Ein Model hat nicht selten den Anspruch, richtig Gas zu geben, besser zu sein als beim letzten Mal, und auch als die Models, die vor ihm bei mir waren. Zweitens wollen die Frauen einfach zeigen, wie viel Sex eigentlich in ihnen steckt. Sie wollen einmal das Biest herauslassen. Das Rockige. Das Versaute. Aber auf eine trotzdem elegante Art.

Du redest nur von Frauen – spielen Männer gar keine Rolle?
Ich habe keinen Blick für Männer. Deshalb spielen Frauen bei mir die absolute Hauptrolle. Und zwar ausschließlich solche, die ich persönlich ansprechend finde. Es hätte keinen Sinn zu versuchen, Erotik ins Bild zu bekommen, wenn mir die Frau vor der Linse nicht auch persönlich zusagen würde. Das könnte nur schiefgehen.
Darf nichts schiefgehen?
Doch, man muss auch ausprobieren. Aber bei großen Projekten will ich nicht zu viel riskieren. Die mache ich zum Beispiel auch nur mit Models, die ich wirklich kenne. Mit Unbekannten ist das Shooting in Gefahr. Bei den aufwändigen Sets, die wir aufbauen, muss alles zuverlässig funktionieren. Wir bauen eine riesige Szene auf und mieten Orte oder Materialien an, meine Freundin Kristin ist vor Ort, dazu ein Sethelfer, ein Hairstylist, ein Make-up-Artist und ich als Fotograf. Dann kommt ein Model um die Ecke und hat sich die Sache ganz anders vorgestellt. Das geht einfach nicht.

Klingt ein bisschen so, als würdest du dem Model jede Pose diktieren.
Das mache ich nicht. Im Gegenteil. Das Model soll sich schon von selbst bewegen. Nur so erwische ich es in einem passenden Moment, in dem es alle Anstrengung fallen lässt und nicht an die Kamera denkt. Aber natürlich bleibe ich Herr über meine Idee und gebe die Richtung vor. Ich erkläre die Szene und was passieren soll. Umsetzen müssen die Models das dann schon selbst.

Gibt es einen Unterschied für dich, mit »normalen« Models oder mit Tattoomodels zu arbeiten?
Mit Tattoomodels ist die Arbeit unkomplizierter als mit anderen Models. Sie sind oft entspannter. Es ist nicht so ein verkrampftes Arbeiten, man merkt, dass sie Spaß an dem haben, was sie machen. Häufig verkraften Tattoomodels auch konkrete Ansagen besser als »normale« Models. Wenn ich sage: »Du musst am Ende einfach geil wirken«, verstehen die das. Bei anderen Models muss man sich da manchmal etwas diskreter und diplomatischer ausdrücken.
 
Wie kamst du überhaupt darauf, Tattoomodels zu shooten?
Ich fotografiere erst seit knapp einem Jahr mit Tattoomodels. Hefte mit Tattoos waren meine erste Berührung mit diesem Thema. Ich selbst hatte damit vorher wenig zu tun und habe auch keines. Aber Tattoos eignen sich gut für meine Fotos: Sie sind Schreie nach Rebellion. Sie sind der Schrei danach, mehr zu wollen als andere. Wenn sie bei meinen Fotos auf den Körpern der Models mitschwingen, gibt das den Bildern eine zusätzliche Note. Wichtig ist bei alledem natürlich, dass die Tattoos stimmig sind und zur Trägerin passen. Wenn ich mir ein tätowiertes Model ansehe und gleich merke, da stimmt etwas nicht, das Mädel und ihre Tattoos passen nicht zueinander, da ist etwas Aufgesetztes im Spiel, dann lehne ich das Model ab. Ebenso, wenn mir ein Model wegen seines modifizierten Äußeren selbst nicht mehr gefällt. Zum Beispiel mit Halfcut oder zu vielen Piercings im Gesicht.

Statt auf neue Tattoomodels setzt du häufig auf erfahrene Mannequins – sind die für dich nicht langweilig, weil schon so oft gesehen?
Nein. Für mich ist es kein Problem, oft gezeigte Tattoomodels wie Makani Terror, Thea Tralisch oder Evilla D’Ark zu fotografieren. Ich muss keine Models neu »entdecken«, weil ich mir einen ganz eigenen Stil einbilde, der auch längst bekannte Models aufregend und vollkommen anders zeigt. Das nämlich ist die Herausforderung.
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Stand:21 November 2018 10:05:22/editorial/erotik_mit_tarantino_1410.html