Knallbunt in den Winter

24.11.2017  |  Text: Jules Kay  |   Bilder: Nina Suzuki, www.ninasuzuki.com/Haare und Make Up: Jules Kay/Male Model: Mario Liebert
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Knallbunt in den Winter
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»All I want for Christmas is you. And you … And you …« Wie sich unsere Modekolumnistin Weihnachten schönshoppt, verrät sie in den folgenden Zeilen.
Wenn es um die Liebe geht, müssen wir uns immer für einen entscheiden. Und jedes Mal hoffen wir aufs Neue, uns endlich für den Richtigen entschieden zu haben. Das Schöne an Klamotten ist: Bei ihnen müssen wir uns nicht entscheiden. Wir können jedes Teil haben, das wir wollen. Und jedes macht uns auf seine eigene Art und Weise glücklich. Tut es das nicht mehr, wird es einfach ersetzt oder entsorgt – ohne die ewigen Dramen und den Herzschmerz. Klingt eiskalt? Muss wohl an der kalten Jahreszeit liegen.
 

"Und plötzlich waren sie da – diese Schuhe, diese kleinen Kunstwerke, in all ihrer Farbenpracht."

Warum gönnen wir uns dieses Weihnachten also nicht einfach all die schönen Dinge, die wir schon das ganze Jahr über haben wollten? Ohne Reue und schlechtes Gewissen. Wir schaffen uns quasi einen Harem aus wundervollen Dingen. Klar, wir könnten sie auch auf unsere Weihnachtswunschliste schreiben und hoffen, aber ganz ehrlich? Auf Santa Baby ist nicht immer Verlass. Also nehmen wir die Sache besser selbst in die Hand. Einige meiner ganz persönlichen Glücklichmacher neben weihnachtlichem Punsch und Keksen findet ihr auf diesen Seiten. Das Einzige, was sie alle gemein haben, sind die kräftigen Farben. Der Winter ist ohnehin schon düster genug. Warum also sollten wir es auch sein?

Mir fiel das Finden passender Stiefeletten diesen Winter etwa so schwer wie die Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Grund dafür ist jedoch nicht die schrecklich große Auswahl. Leider war es eher die öde, ewig gleiche Landschaft an winterlichen Fußkleidern. Es wirkt fast schon so, als würde sich jeder Designer von ein und demselben paar Schuhe inspirieren lassen. Schwarz, rund, klobiger Absatz, seitlich ein Zipverschluss. Das wars. Mehr war da nicht zu finden. Dabei bieten doch gerade Schuhe so viele Möglichkeiten. Wie dem auch sei, als ich mich fast schon damit abgefunden hatte, diesen Winter mit meinen Adiletten durch den Schnee stapfen zu müssen, waren sie plötzlich da. Diese beiden kleinen Kunstwerke, wenn man behaupten kann, dass Schuhe in Größe 40 noch klein sind, in all ihrer Farbenpracht. Ja, manch einer, wahrscheinlich die Herren der Schöpfung, hätte sich gewünscht, ich hätte mich doch eher für die einfachen Stiefel entschieden. Aber nein. Man muss auf das Gesamtkonzept achten. Jede Niete, die Farbe, das Material, die Form sind Teil eines, wie soll ich sagen, Gerichtes. Im Fall dieser Schuhe ist hier alles perfekt aufeinander abgeschmeckt. Okay, sie könnten bequemer sein, aber hey: Lieber ein Teller leicht überwürzter Suppe als fade Kost.



Früher einmal waren Pelze ein Zeichen von Reichtum. Heutzutage sind sie eher ein Zeichen von Ignoranz und fast schon Dummheit, meine ich behaupten zu können. Besonders, weil es inzwischen Stoffe gibt, die an echtem Pelz vorbeiführen. Das sieht dann um nichts schlechter aus als das Original. Und ja, auch in Kanarienvogelgelb können Faux-Fur-Mäntel dekadent und stilvoll wirken. Nicht nur, wenn man diese halb nackt zu nichts als High Heels trägt, nein. Auch zu Röhrenjeans in dunklen Tönen und einem derben Strickpulli passt die Nummer zwei auf meiner Wunschliste perfekt. Frauen mit sehr hellen Haaren würde ich aber eher zu einer anderen aussagekräftigen Farbe, wie zum Beispiel Rosa, raten. Der Kontrast spielt hier eine große Rolle, wenn es darum geht, das Beste aus dieser Farbe rauszuholen.

Eines ist klar: Wenn es um winterliche Kopfbedeckungen geht, haben Russen die Nase ganz weit vorn. Das erkennt man an den traditionell russischen Mützen. Braun und auch aus Pelz, so kennen wir die sogenannte »Uschanka« auf dem Kopf älterer Herren. Aber in Knallpink inklusive roter Kontrastbänder und aus weichem Kunst-Plüsch, so tragen wir sie diesen Winter. Und obwohl die Farbe Pink eher untypisch für diese zeitlose Kopfbedeckung ist, war eben genau die der Grund dafür, die Mütze auf Platz drei meiner Weihnachtswunschliste zu setzen. Wem Pink dann doch eine Nummer zu krass ist, für den gibt es die Teile natürlich auch in klassischem Schwarz. Aber ein wundervoller Nebeneffekt dieser herrlich schrillen Flausch-Uschanka ist, dass sie selbst im härtesten Winter ganz sicher auch dem größten Kältehasser ein Lächeln ins Gesicht zaubert.



Auf Platz vier meiner Weihnachtswunschliste stehen dieses Jahr Seiden-­Jumpsuits mit extrem weitem Hosenbein und einem so tiefen Ausschnitt, dass sogar Väterchen Frost warm ums Herz wird – oder um die tieferen Regionen. Dieses Teil erfindet sich schon seit den 70er Jahren immer wieder neu, was Farbe und Material betrifft, bleibt seiner klassischen Eleganz in Sachen Schnitt dabei aber immer treu. In einer so aussagekräftigen Farbe wie Magenta ist man, ob man will oder nicht, Eyecatcher auf jeder Weihnachtsfeier. Viele fragen sich vielleicht, welche Töne man denn mit einer solchen Spotlightfarbe kombinieren kann. Wenn ihr mich fragt, geht nichts besser Hand in Hand mit Magenta als saftiges Grasgrün. Eine schlichte, schmale Clutch oder nur die Spitze eines grasgrünen, spitz zulaufenden Pumps, der vorn aus dem weiten Hosenbein blitzt, das wäre für mich die richtige Wahl. Schwarz bleibt diesen Winter so gut es geht auf der Reservebank. So schlank Schwarz auch machen mag, lieber verzichte ich auf ein bis zwei Weihnachtskekse als auf Farben und bauchnabeltiefe Ausschnitte.



Das letzte Teil auf meiner ganz persönlichen Weihnachts-Must-­have-Liste ist dieser asymmetrische Body in Satin-Optik. Das saftige Kirschrot auf blasser Winterhaut verleiht einen romantischen Schneewittchen-Look, der dank des einseitigen Ärmels nicht zu kitschig wirkt. Tagsüber kann der Body leicht mit Martens und engen High-Waist-Jeans kombiniert werden. Zur Weihnachtsfeier am Abend würde ich einen kurzen, ausgestellten Minirock inklusive blickdichter Strümpfe und Heels tragen. Man schlägt mit diesem sexy Teil also zwei Fliegen mit einer Klappe.



So, nun, da ich euch meine ganz persönlichen Glücklichmacher als Anreiz aufgelistet habe, liegt es an euch, loszuziehen und euch selbst zu beschenken. Denn weder an Weihnachten noch an sonst einem Tag des Jahres liegt es am Weihnachtsmann oder sonstwem, euch glücklich zu machen. Sondern ganz allein an euch selbst. Also, genug mit Warten und Hoffen: Wir nehmen die Erfüllung unserer Wünsche ganz einfach selbst in die Hand.

Schon jetzt frohe Weihnachten, happy Shopping und einen guten Rutsch!
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Stand:17 August 2018 03:28:37/editorial/knallbunt+in+den+winter_171114.html