Körper-Kunst mit Schwarz und Rot

04.03.2016  |  Text: Boris »Bobs« Glatthaar  |   Bilder: Frank Dursthoff
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Körper-Kunst mit Schwarz  und Rot
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Die eine malt leidenschaftlich, sorgt derzeit mit ihren heftigen Tattoos für Furore und arbeitet bald selbst als Tätowiererin. Der andere ist ein begnadeter Fotokünstler und hatte Bock darauf, Farbe auf der Haut mit Farbe auf der Leinwand und Farbe im Foto miteinander zu verbinden. Ein Gespräch mit Isabella Chiara Filouino und Frank Dursthoff über ihre erste Begegnung in einem Atelier, aussagekräftige Aktfotos und intensives Schwarz.
Wie kam es zu eurem ausgefallenen Shooting?
Frank Dursthoff: Sie hatte Bilder von sich geschickt. Da habe ich gesagt: Alter Schwede, so crazy tätowiert habe ich wirklich noch niemanden gesehen. Und ich mag spezielle Ideen, mag es, ein spezielles Set zu fotografieren. Standard kann man schon auch machen, das ist schön. Aber wenn man etwas Spezielles macht, ist das schon ansprechender. Man hat etwas mehr Information als nur eine Frau, die sich auszieht.

Isabella Chiara Filouino: Mir gefallen die Bilder von Frank sehr gut. Ich komme ja ein wenig aus der Moderichtung, deshalb war ich für eine Bildstrecke ohne etwas drumrum nicht zu haben. Außerdem wollte ich etwas Neues kreieren. Wichtig war mir auch, dass man nicht alles sofort sieht. Die Farbe verdeckt manches erst mal. Außerdem bin das mit der Farbe einfach ich. Ich stecke seit vielen Jahren mega in der Kunst. Da hat das einfach gepasst. Ich, mit der Farbe, in diesem Atelier, umgeben von meinen Bildern.

Frank Dursthoff: Ich dachte mir, wenn wir das schon in einem Atelier machen, dann machen wir das customised mit ihren Bildern, die da hängen sollen. Das sollte keine ganze Geschichte sein, aber ich wollte sie in ihrem gewohnten Umfeld zeigen. Und da sie sich als Künstlerin etablieren will, gehören ihre Bilder zu ihr. Ich hatte schon zwei, drei mal ganz lustige Shootings mit Farbe gemacht und deshalb vorgeschlagen, dass man auch hier mit Farbe auf der Haut, in der Haut und auf der Leinwand spielt. Dass man so alles verbinden kann.

Isabella Chiara Filouino: Frank hat Fingerfarbe gekauft, das Atelier in Wuppertal ist von einem guten Freund von mir, ein Künstler, Tim Leimbach. Ich habe dann drei, vier meiner Bilder mitgenommen.

Was hat Tim Leimbach gesagt, als ihr ihm das ganze Atelier mit Farbe vollgeschmiert habt?
Isabella Chiara Filouino: Die Wände sind mit Sperrholz verkleidet, das war ihm egal.

War für euch klar, welche Farbtöne für das Set infrage kamen?
Frank Dursthoff: Ja. Schwarz musste sein, weil Schwarz ihre Farbe ist, eindeutig. Und Rot, das ist ein guter Kontrast und es macht sich als leuchtende Farbe auf dem Bild gut. Die Rosen auf dem Kopf sind auch sehr markant im Bild.

Was bedeutet das viele Schwarz unter deiner Haut?
Isabella Chiara Filouino: Ich brauche diese schwarzen Flächen als Ruhepol. Die Brust, dieses viele Schwarz, ist mein allerliebstes Stück, das bringt wahnsinnig viel Ruhe in die Optik und es gibt mir viel Energie. Die Prozedur an sich ist für mich schon etwas Besonderes, das Gefühl, das einfach zu haben, das zu sehen, ist etwas ganz Besonderes. Das gibt mir mehr als jedes andere Motiv. Schwarz ist Rauswerfen negativer Energie. Blackwork ist für mich das Intensivste beim Tätowieren. Es ist einfach eine Kraft. Als ich das erste Mal ein bisschen Blackwork bekommen habe, bin ich total ausgerastet. Ich dachte: Oh mein Gott, das ist so geil! Das ist für mich immer mega-intensiv. Das Schwarz ist eine sehr spirituelle Geschichte.

Um das in einem gemeinsamen Kunstprojekt transportieren zu können, muss man sich verstehen. Kanntet ihr euch vor dem Shooting schon?
Isabella Chiara Filouino: Nein. Aber ich bin, was Fotografie angeht, total unkompliziert. Ich habe Frank zum ersten Mal gesehen, aber man merkt einfach, der Mann ist ein Künstler. Es ging alles richtig schnell, mit Aufbau und Schminken insgesamt drei Stunden. Wir waren einfach beide voll in der Idee drin. Es war so geil.

Frank Dursthoff: Ich kannte Isabella vorher nicht persönlich. Wir haben uns in dem Atelier getroffen. Ich bin mit Licht und einem Assistenten hingefahren. Alles hatte den spontanen Touch. Wir haben kurz über das Outfit gesprochen, sie hat ein paar Sachen dabei gehabt, dann lief das. Es war ganz, ganz easy. Sie war locker, hat gesagt: Ich habe keinen Bock, zu nackt dazustehen, und ich sagte, wir machen das ganz einfach so, dass auch du Spaß an dem Shooting hast. Es ist immer ganz gut, wenn man mal nach den ersten Bildern gemeinsam darauf schaut, dann merkt man sehr schnell, ob man auch den Geschmack des Models getroffen hat. Dann weiß auch jemand, mit dem man noch nicht gearbeitet hat, dass er gut aufgehoben ist. Wenn ich ein Model für einen Job bezahle und sage, ich möchte das jetzt genau haben, dann liegt alles an mir. Aber diese Serien, für die Frauen sich ausziehen, da müssen sie dann auch wirklich Bock drauf haben. Da muss man sagen: Hey, du musst dich auf den Bildern auch cool finden, weil du bist da nackt.

Seit einigen Monaten bist du in der Tattooszene eine Art Shooting Star, hattest einige Jobs als Model. Wie kam es dazu?
Isabella Chiara Filouino: Also erstens: Das mache ich ganz klar um meinen Namen zu pushen. Ich fange bald an zu tätowieren und das möchte ich damit unterstützen. Zweitens ist es aber auch so, dass sich nach dem Sommer bei meinen Tätowierungen einiges geändert hat. Ich bin jetzt an einem Punkt, an dem ich sagen kann, ich bin zufrieden mit den Ergebnissen. Ich habe jetzt viele Cover-ups, das viele schwarz, jetzt gefällt es mir optisch langsam echt gut. Ich bin nun bereit für solche Modeljobs. Außerdem macht es mir Spaß, vor der Kamera zu stehen.

Du shootest nicht nur im Studio, sondern auch auf Conventions. In Zwickau hast du unlängst mit Aga Hairesis Fotos gemacht.
Isabella Chiara Filouino: Das war spontan, Liebe auf den ersten Blick. Mit ihr verstehe ich mich super. Jetzt wurde ich zu den Conventions nach Cork und Dublin eingeladen und da werde ich auch wieder mit ihr zusammenarbeiten.

Stehen Conventions jetzt mehr und mehr auf deinem Plan?
Isabella Chiara Filouino: So viele wie möglich. Nicht nur, um mich als Künstlerin zu präsentieren, sondern auch, weil es mich absolut interessiert, die Leute kennenzulernen. Noch bin ich ja nicht als Tätowierer für die Leute zu sehen. Das liegt daran, dass ich offiziell noch gar nicht losgelegt habe. Ich möchte als Tätowierer erst in Erscheinung treten, wenn ich gut genug dafür bin.

Demnächst beginnst du in einem Studio in Schwaben zu tätowieren …
Isabella Chiara Filouino: Ich habe auf Kunsthaut geübt, das hat gut funktioniert. Auch bei ein, zwei »Opfern« hat es schon geklappt. Und derzeit bin ich dabei, meinen Stil in Richtung Neo-Traditional zu wechseln.

Nehmen die Leute dich als Künstlerin oder als Tattoomodel wahr?
Isabella Chiara Filouino: Mehr als Künstlerin als als Model. Das ist mir auch wichtig. Ich freue mich immer, wenn ich in Messages zuerst Komplimente für meine Kunst bekomme. Wenn Leute schreiben, wow, du siehst toll aus, ist das schön, aber bedeutet mir nicht so viel. Wenn jemand aber sagt, hey, deine Kunst ist toll und das andere ist auch super, dann freue ich mich sehr.
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Stand:23 January 2019 03:19:53/editorial/koerper-+kunst+mit+schwarz++und+rot_163.html