Mrs. Gravedigger - Lingerie aus Latex und Stoffen

11.09.2015  |  Text: Boris »Bobs« Glatthaar  |  
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Mrs. Gravedigger - Lingerie aus Latex und Stoffen
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Samira ist gefragtes Alternativmodel. Als Mrs. Gravedigger betreibt die gelernte Modeschneiderin aber auch ein eigenes Label – mit feinster Lingerie aus Latex und Stoffen. Ein Gespräch über sexy Mode.
Samira, du schneiderst Lingerie, in der du feine Baumwollstoffe mit Latex kombinierst. Warum Latex? Wie kam es dazu?
Das begann vor ungefähr vier Jahren. Ich bin seit 2010 Modeschneiderin, damals habe ich meine Ausbildung beendet und anschließend ein kleines Praktikum bei jemandem gemacht, der selbst Latexklamotten herstellt. Er hat mir die Grundfertigkeiten beigebracht – wie man Latex klebt und so weiter. Allerdings stellte er selbst eher Fetischsachen her, auf die ich gar nicht so große Lust hatte. Ich wollte schon immer niedliche Sachen machen, weil das eher untypisch ist für Latex.

Wodurch zeichnet sich deine Latexmode aus?
Ich glaube, meine Latexmode zeichnet sich dadurch aus, dass sie ein bisschen retro- und pin-up-mäßig  angehaucht ist. Ich verwende eben auch teilweise Baumwolle. Ich kombiniere die verschiedenen Materialien, was nicht sehr viele Leute machen. Ich würde sagen, die meisten kombinieren Latex höchstens mit Spitze. Außerdem nutze ich überwiegend Blümchenstoffe, womit ich mich auch noch einmal ein bisschen abhebe.

Woher kommt dein Interesse an Lingerie?
Ich habe mich schon früher immer für Mode interessiert. Auch schon immer sehr für Unterwäsche. Ich habe, als ich 13 war, d
 
ie Unterwäsche von »Vive Maria« gekauft. Die fand ich total niedlich mit dem kleinen Kreuz und der Rose, toll war das, und ich dachte: Wenn du mal groß bist, machst du mal Unterwäsche. Dass es wirklich so kommen würde, hätte ich mir allerdings nicht wirklich ausgemalt.

Immerhin hast du dich beruflich dann in Richtung Modebranche orientiert.
Ja, ich habe ganz spontan die Ausbildung zur bekleidungstechnischen Assistentin gemacht, weil ich gerne etwas Kreatives machen wollte. Zusätzlich habe ich noch die Ausbildung zur Modeschneiderin absolviert. Aber das war alles nie so richtig geplant. Allerdings war meine Oma ebenfalls Schneiderin, vielleicht lag es schon in den Genen.

Wie verliefen die Ausbildungen?
Das war erst auf einer Bekleidungsfachschule in Aschaffenburg. Zusätzlich gab es die Ausbildung zur Modeschneiderin, das war ein Kurs von der IHK, der auch an der Schule angeboten wurde, zu dem man auch ein Praktikum absolvieren musste.

Warum reizt dich Mode so sehr?
Gute Frage. Also, ich modele ja selbst schon seit acht Jahren. Ich finde es total cool, wenn man immer neue Looks kreieren, seine Sachen eigenständig herstellen und sie selbst auf Bildern präsentieren kann. Ich find’s einfach genial, Mode ist einfach toll!

In der Regel haben Schneider mit Stoffen zu tun, nicht mit Latex. Wie bist du zu dem Latex-Praktikum gekommen?
Ich hatte eine Freundin aus dem Fachabitur in Fulda, die eine Ausbildung zur Maßschneiderin gemacht hatte und ein Praktikum absolvieren musste. Das tat sie in dieser Latex-Manufaktur. Weil sie Bilder bei Myspace postete, kam ich überhaupt darauf, und ich dachte mir: Das ist echt ganz cool, fragst du den doch mal, vielleicht kannst du selbst ein Praktikum machen. Der liebe Hans-Peter hat mich direkt mit Freude aufgenommen und mir die Grundlagen beigebracht, dafür bin ich ihm sehr dankbar. Latex ist super schwierig zu verarbeiten, dafür ist eine Menge Geduld und Erfahrung nötig. Deshalb habe ich mich ja auch vier Jahre damit befasst.  
 
Latex kann man nicht nähen, nur kleben?
Man kann es auch nähen, aber – soweit ich weiß – nur dickeres Material. Habe ich noch nie gemacht. Ich klebe das in der Regel.

Warum gefällt dir Latex so sehr?
Ich glaube, das hat mich damals so gereizt, weil es einfach so ein kleines Tabuthema war. Das war noch gar nicht in Mode. Es ist mittlerweile viel mehr aus der Nische herausgekommen. Es gibt aber noch viele Leute, die an die Fetischszene denken, sobald sie etwas über Latex hören. Trotzdem ist es schon wesentlich kommerzieller als noch vor vier Jahren. Als ich anfing, hat mich das gereizt, weil ich immer schon Sachen machen wollte, die nicht so normal sind.

Du machst aber keine Fetischklamotten?
Ich würde auch nicht sagen, dass das Fetischsachen sind. Und es war auch mein Ziel, damit rauszustechen, dass es eben so anders ist, als das, was man gemeinhin mit Latex verbunden hat. Man kennt meistens diese schwarzen Fetischsachen, aber dezentere Klamotten gibt es weniger in der Latexszene.

Also richtest du dich schon auch an Leute, die in der Fetischszene aktiv sind?
Ja, aber nicht nur, sondern auch an Leute, die noch nie Latex besessen haben. Meine Lingerie ist an beide Gruppen gerichtet.

Ist deine Wäsche dann auch auf das Tragen im Alltag ausgerichtet?
Ich persönlich würde sie nicht im Alltag tragen.  Aber es gibt Leute, die das tun. Meist aber wohl eher auf Partys oder so. Geschmacksache. Man kann es sicherlich im Alltag tragen, aber das würde ich nicht unbedingt bei 30 Grad machen, das ist nicht so angenehm.

Wie beschreibst du das Tragegefühl?
Es ist einfach eine zweite Haut. Das hört man öfter. Je nachdem, wie dünn oder dick das Latex ist, fühlt es sich mal mehr oder weniger so an, manchmal hat man auch das Gefühl, es drückt alles schön in Form. Ich hatte am Anfang ja auch selbst überhaupt keine Latexsachen. Erst, als ich sie mir selbst gemacht habe, und dann bin ich immer weiter reingewachsen, trage sie auch zu Shootings immer lieber.

Nun bestehen deine Dessous nicht nur aus Latex, sondern auch aus Baumwolle. Dient sie rein der Optik?
In erster Linie wollte ich zu Beginn einen optischen Effekt erzielen. Aber Baumwolle ist eben auch luftdurchlässig, Latex nicht, deswegen ist das auch angenehm.

Bestellen deine Kunden bei dir von der Stange?
Nein, es ist alles nach Auftrag und Maß. Wenn ich einen Kunden habe, lasse ich mir Wunsch und Maße geben – ich habe eine Skizze, nach der der Kunde sich diese selbst abnehmen kann. Nach diesen Maßen und auf Grundlage meiner eigenen Basisschnittmuster erstelle ich einen Schnitt. Dann fertige ich alles genau so an, wie der Kunde es haben will. Und je nachdem, wie gut er sich mit Latex auskennt, gebe ich ihm auf Wunsch auch noch ein paar Tipps und Hilfestellungen, zum Beispiel zu Pflege und Lagerung.

Kann der Kunde auch bei der Gestaltung und beim Stoff mitbestimmen?
Im Prinzip ja. Ich biete zum Beispiel mehrere Farben an. Bei den Stoffen ist das immer so eine Sache: Die lasse ich ja nicht herstellen, da kann der Kunde aus den Stoffen wählen, die ich selbst beziehe und anbiete.

Sind deine Kunden weiblich oder männlich?
Meine Kunden sind hauptsächlich weiblich, weil ich mich darauf spezialisiert habe. Dass ich in Zukunft auch Männerklamotten produzieren werde, ist eher unwahrscheinlich.
 
Woher nimmst du die Ideen zu deiner Wäsche?
Die kommen meistens zufällig, ich plane nicht groß irgendwas. Ich versuche, Ideen aufzuschreiben, wenn ich sie habe, manchmal liege ich auch lange Zeit abends noch wach vor lauter Einfällen. Das ist ganz schlimm, weil dir dann fast der Kopf platzt und du dir denkst: Oh je, bis morgen hast du das wieder vergessen. Dann schreibe ich mir Stichpunkte in mein Handy. Aber es kommt meist doch noch einmal ganz anders, als man es plant. Ich entscheide vieles beim direkten Arbeiten mit dem Material. Ich habe eine sehr große Auswahl an Stoffen, Spitzen und Borten. Das lässt mich sehr kreativ werden, ich liebe diese Auswahl.
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Stand:21 September 2018 20:37:52/editorial/latex+mit+borte_159.html