Looner – Lust auf Ballons

14.09.2018  |  Text: Cassidy Rose  |   Bilder: Joshua Oberhaus, Studio: Fuxstudio Köln
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Looner – Lust auf Ballons
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Selbsterfahrung: Warum manche Menschen große Lust auf große Ballons haben – TATTOO-EROTICA-Kolumnistin Cassidy Rose geht auf Erkundungsreise.
Wir haben September und mein Geburtstag ist zum Greifen nah. Diesen werde ich hoffentlich mit Freunden noch draußen unter blauem Himmel feiern können. Bunte Ballons dürfen für mich zu diesem Anlass als Partydekoration nicht fehlen. Doch ich musste erst in meinem einunddreißigsten Lebensjahr ankommen, um herauszufinden, dass Ballons nicht für alle Menschen lediglich Partyzubehör sind. 

Auch ein großer Einsteigeballon kommt beim Shooting zum Einsatz. Das Gefühl ist aufregend und lustig zu gleich.

Vor Kurzem habe ich mich mit Maggy (31 Jahre) und Jan (33 Jahre) Berloon in der Klingenstadt Solingen getroffen. Jan ist bekennender Ballonfetischist, auch Looner genannt, und die hübsche Maggy steht seit zwölf Jahren nicht nur auf Jan, sondern eben seitdem auch auf Ballons. Zusammen führt das mittlerweile verheiratete Dreamteam seit April 2014 den Onlineshop »Balloons United«, in dem man Ballons in allen Farben, Formen und Größen kaufen kann. Nebenbei bloggt Maggy seit Ende 2015 über das bunte Leben mit Ballons und hat eine Plattform geschaffen, auf der sich Looner austauschen und sich Interessierte näher über das Thema informieren können. Luftballons spielen also in dem Leben des sympathischen Paares eine ganz entscheidende Rolle – sowohl privat als auch beruflich. Looner sein bedeutet ganz platt, sich sexuell zu Luftballons hingezogen zu fühlen. Für mich ist das erst einmal schwer vorstellbar, also lausche ich gespannt Maggys und Jans Worten, während ich ihnen auf der bequemen Couch mit Kaffee versorgt gegenübersitze. Ich erfahre, dass Jan als Kind große Angst und Ehr­furcht vor lauten Knallgeräuschen hatte – besonders vor platzenden Ballons. Im Teenageralter wird aus Angst Faszination. Jan entwickelt eine Vorliebe für die Optik und Haptik von Ballons und sucht im Netz nach Film- und Bildmaterial, das sein stei­gendes Interesse befriedigen kann. Er sucht in Foren nach Gleich­ge­sinnten und bestellt seine ersten Ballons in guter Qualität, die ihm dort empfohlen werden. Doch schnell merkt er: Viel gibt es zu dieser besonderen Vorliebe noch nicht im Netz zu entdecken. Als Jan, damals Veranstaltungstechniker, sein Herz an die schöne Erzieherin Maggy verliert, fällt es ihm zunächst nicht leicht mit ihr über seine Schwäche für Ballons zu sprechen – doch Maggy reagiert genau richtig: offen und neugierig. »Ballons sind positiv, tun niemandem weh und machen Spaß«, sagt sie. Schnell entwickelt sich auch aus Maggys erster Neugier eine regelrechte Leidenschaft für Ballons. Ich sehe das Funkeln in ihren Augen, als sie mir davon erzählt, wie fantastisch doch Sex auf einem großen Ballon sei. »Ein Ballon gibt nach, schwingt mit, passt sich deiner Körperform und Körpertemperatur an und ist wahnsinnig stabil.« Man bekomme schnell das Gefühl abzuheben, den Boden unter den Füßen zu verlieren. Bewegungen wer­den intensiver wahrgenommen. Ich staune: ein Ballon als Sexmöbel; elastisch und anschmiegsam? 

Cassidy Rose: Looner – Lust auf Ballons

Looner teilen sich laut Maggy und Jan in drei Gruppierungen: So gibt es die »Popper«, die »Non-Popper« und die »Semi-Popper«. Popper stehen drauf, wenn Ballons platzen. Hier geht es um Grenzüberschreitung und pures Adrenalin. Einen Ballon aufzublasen und zu sehen, wie er praller und praller wird, der Nervenkitzel: Wann wird er zerplatzen? Diese Art des Platzenlassens nennen die Popper »blow to pop«. Doch die mit Luft prall gefüllten Ballons können auch anders zum Platzen gebracht werden. Zum Beispiel mit langen, spitzen Fingernägeln (nail to pop), durch Draufsetzen (sit to pop), durch Beißen (bite to pop), durch Drauftreten (step to pop) und sogar durch Umarmen der Ballons (hug to pop). Diese Aufzählung könnte wahrscheinlich noch unendlich lange fortgeführt werden. Die Non-Popper finden nichts daran, einen Ballon platzen zu sehen, empfinden dies vielleicht sogar als unangenehm und erfreuen sich eher an den vielen anderen Vorzügen des Ballons. »Alles kann, nichts muss«, heißt es bei dem Semi-Popper, er legt sich nicht fest und lässt den Moment entscheiden. Jan und Maggy haben gerne Sex auf Ballons. Besonders die großen Zeppelinballons und die riesigen Figurenballons haben es den beiden angetan. Beim Liebesspiel platzen sollen diese Ballons aber nicht, denn das könnte mit einer harten Landung auf dem Boden enden, auf die beide nicht wirklich scharf sind. Wir lachen. 

Die Balance halten und dabei noch lasziv in die Kamera schauen – gar nicht so leicht, wenngleich der Riesenballon robuster ist als gedacht. Sogar Sex sei darauf nicht nur möglich, sondern ein Erlebnis.

Ganz besonders reizvoll sind laut Maggy auch trans­parente oder kristallfarbene Ballons, da diese tiefe Einblicke ermöglichen können. Sie fügt hinzu: Ebenfalls anregend sei das Gefühl eines Ballons, der zwischen deinen Beinen aufgeblasen wird. Maggys Satz »Wie stabil doch so ein zer­brechliches, leichtes Objekt wie ein Luftballon sein kann«, bleibt mir nach diesem spannenden Vormittag mit den beiden besonders im Kopf und so freue ich mich auf das gemeinsame Shooting ein paar Tage darauf und bin unfassbar gespannt auf einen sogenannten Einsteigeballon, den sie mir zum Testen mit nach Köln bringen wollen. 

Der Tag des Shootings ist gekommen und das Team trifft sich im Fuxstudio in Köln. Make-up-Artist Kami Zero ist bei diesem Termin wieder mit dabei und verpasst Maggy und mir ein poppiges Styling passend zum bunten Ballonthema. Jan, bewaffnet mit Helium, unendlich vielen, verschiedenen Ballons und einer elektrischen Ballonpumpe, kümmert sich bereits um das Befüllen eben dieser Stars des heutigen Shootings. Während Maggy und ich die unterschiedlichen Out­fits durchgehen, gestalten Fotograf Joshua, Kami und Jan die Sets. Wir starten mit einem Traum aus Rosa und Pastell und mit Maggys Zuspruch sitze ich schnell auf dem ersten Riesen-Zeppelin-Ballon in Kristallfarben: witzig. Ich habe großen Spaß und staune nicht schlecht, als sich Maggy  zu mir auf den Ballon setzt und dieser wirklich stabil bleibt und nicht platzt. Ein cooles Gefühl. Weiter geht’s mit quietschbunten »Happy Burstday«-Ballons – süß, die beiden haben an meinen Geburtstag im September gedacht. Einen großen runden Ballon klemmt sich Maggy schnell zwischen die Beine. Es folgt das wohl imposanteste Set des heutigen Tages: riesige Figurenballons in Lila und Schwarz werden im Studio drapiert. Krass, was es doch für unterschiedliche Formen gibt. Joshua, Kami und ich sind uns sicher: Das hat nun wirklich nichts mehr mit Luftballons zu tun, die man als Laie sonst so kennt. Hiervon wünsche ich mir ein schönes Pärchenbild von Maggy und Jan. Schließlich war es Jan, der Maggys Liebe für Ballons entfachte. Während Kami in Jans Gesicht die Pinsel schwingt, werfe ich mich vor dem Set auf einen runden, transpartenten Riesenballon und lasse mich komplett hineinfallen. Ich merke: Die Balance zu halten, um nicht direkt wieder herunterzurollen, will wirklich gelernt sein. Während das attraktive Paar fotografiert wird, fällt mein Blick auf eine von Maggys Tätowierungen: »Straight forward on the path of life« – eine Songtextzeile der Deathmetal-Band Soilwork. Als ich sie darauf anspreche, erfahre ich, dass beide diese Zeile tätowiert haben. Wie passend, denke ich mir und finde es toll und bewundernswert, wie die beiden ihren eigenen Weg gehen, offen sind und sich erlauben ihre Träume zu leben. 

Nun ist es so weit: Der mir versprochene transparente Einsteige­ballon wird vorbereitet. Trans­parent, damit Fotograf Joshua mich in dem Ballon noch gut erkennen kann. Einsteigeballons gibt es in den unterschiedlichsten Farben und natürlich auch blickdicht. Einige Looner empfinden es als ganz besonders erregend, von ihrem Objekt der Begierde ganz umschlossen zu sein. Berührungen von außen sind spannend und intensiv. Ich knie auf dem Boden und bin bereit, meine Arme lang über dem Kopf auszustrecken, sobald ich das Kommando dazu von Maggy bekomme. Jan steht mit dem mit Luft gefüllten Einsteigeballon hinter mir und auf drei ziehen Maggy und Jan den Ballon erst über meine Arme und meinen Kopf und dann über meinen restlichen Körper. So der Plan. Leider funktioniert dies nicht direkt beim ersten Mal, da ich leichte Panik bekomme, als der Ballon geöffnet wird und mir auf einmal so viel Luft entgegenströmt. 
Doch als ich final in dem Ballon sitze, ist es ein extrem auf­regendes, aber auch lustiges Gefühl. Es riecht stark nach Latex, mir ist warm, aber ich habe genug Luft und bin auch frei in meinen Bewegungen. Maggy lehnt sich gegen den Ballon, drückt ihre Hand von außen an meine – ich kann sie sehen und ihre Berührung spüren und doch ist diese dünne, aber stabile Latexschicht des Ballons zwischen uns. Ich sehe die Spannung des Materials. Ein wahrlich aufregender Moment. Da es nur begrenzt Luft in dem Ballon gibt, sollte man unbedingt darauf achten, entweder nicht allzu lange darin zu verweilen oder aber rechtzeitig Luft nach zu pumpen. Um mich zu befreien, versammelt sich das gesamte Team um den Ballon und bringt ihn mit einem lauten Knall zum Platzen. 

Mein Lieblingsballon bleibt allerdings der kristallfarbene, riesige Zeppelinballon, klar!

Kuss, eure Cassidy

Kontakt
Maggy und Jan liegen Umweltschutz und Nachhaltigkeit sehr am Herzen. Sie raten dazu Ballons mehrfach zu benutzen und achten darauf, dass all ihre Ballons zu 100 % aus Naturlatex hergestellt sind.
Blog seit Ende 2015: www.looners-united.com
(wird aktuell überarbeitet, soll aber bis September wieder online sein)
Onlineshop seit April 2014:
www.balloons-united.com/de

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Stand:19 December 2018 05:29:39/editorial/looner+-+lust+auf+ballons_18910.html