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Lust, aber inko­gnito: Fetisch-Masken aus Latex

18.01.2019  |  Text: Cassidy Rose  |   Bilder: janina-photography.de
Lust, aber inko­gnito: Fetisch-Masken aus Latex Lust, aber inko­gnito: Fetisch-Masken aus Latex Lust, aber inko­gnito: Fetisch-Masken aus Latex Lust, aber inko­gnito: Fetisch-Masken aus Latex Lust, aber inko­gnito: Fetisch-Masken aus Latex Lust, aber inko­gnito: Fetisch-Masken aus Latex
Lust, aber inko­gnito: Fetisch-Masken aus Latex
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Wie sexy das Tragen einer Latexmaske sein kann, hat TATTOO-EROTICA-Kolumnistin Cassidy Rose selbst ausprobiert. Ihr gefällt’s und sie will mehr davon – allerdings nur unter einer Bedingung.
Öffne ich mit meinem Handy ­Instagram oder Facebook, scheint es so, als ob die ganze Welt stark tätowiert sei und ein Großteil davon nur Latex oder Fetishfashion trage – dank meiner persönlichen Filterblase. Also scrolle ich mich durch die Bilder, die mir ­angezeigt werden, und dabei fällt mir eines ganz besonders auf: Masken, um genau zu sein Latexmasken.
Ich selbst habe zu diesem Zeitpunkt noch nie eine getragen, ich hatte schlichtweg noch nie das Bedürfnis danach. Ich zeige mich zwar gern in Latexkleidern, aber dazu eine Maske zu kombinieren, war für mich persönlich bislang zu viel.

Lust, aber inko­gnito – Cassidy Rose testet Fetisch-Masken aus Latex

Das hat mehrere Gründe. Zum einen schminke ich mich einfach super gerne, und da man in Latex schwitzt, macht es wenig Sinn, unter einer Maske eine gute Foundation, Rouge und Highligter aufzutragen (wer mich kennt, der weiß, dass das Tragen von Rouge vielleicht sogar mein größter Fetisch ist). Dass die schöne Farbe im Inneren einer Latexmaske kleben bleibt, wäre doch einfach zu schade und außerdem nicht gesund für das Material. Ein weiteres Hindernis waren bisher auch meine geliebten Dreadlocks: Ich war mir sicher, dass diese Menge und Dicke an Haar definitiv nicht unter eine Latexmaske passt. Auch, mein Gesicht derartig zu verändern, mich zu anonymisieren, war kein Thema für mich.

Ungemein spannend fand ich das Thema Latexmasken aber nach dem Scrollen in Instagram doch und ich wollte verstehen, was der besondere Reiz daran ist. Vor allem aber wollte ich mutig sein: Wie kann ich etwas, was so nah liegt, einfach für mich ausschließen, ohne es jemals selbst ausprobiert zu haben? Ich stöbere also weiter im Netz nach unterschiedlichen Maskenmodellen und lande bei all der bunten Vielfalt doch immer wieder bei zwei Versionen, die mir besonders gut gefallen. Das ist zum einen eine scheinbar hauchzarte, schwarz matte Latexmaske mit Katzenöhrchen und einem langen schwarzen Zopf. Zum anderen eine rot-weiße Latexmaske mit filigranen Applikationen um die Augenpartie und zwei hellblonden ­Zöpfen. Die beiden Models, die diese Masken auf ihren Instagramselfies präsentieren, sind mir zum Glück bekannt und so steht schnell mein Entschluss, Lady Macabre und Mary Jale anzuschreiben.

Katzen- und Latexmasken-Liebhaberin Lady Macabre

Beide Models reagieren total offen und hilfsbereit auf meine Anfrage. Schnell werden zwei Termine vereinbart, an denen ich Masken aus ihrem eigenen Fundus tragen und damit »testen« darf. Doch eines ist für beide Frauen Voraussetzung: Meine eingeflochtenen Dreads müssen aus »Platzgründen« für die Tragetests tatsächlich weichen. Für zwei Tage kann ich damit leben und so verabschiede ich mich kurzzeitig von meinen heißgeliebten »Würmchen«.  

Das erste Treffen habe ich mit der 28-jährigen Mary Jale. Sie selbst beschreibt sich als eher introvertiert und schüchtern, modelt aber bereits seit zehn Jahren. Im Fokus stehen bei ihr Fetischaufnahmen, oft geht es bei ihren Fotos und Videos um viel Latex, ab und zu sehe man sie aber auch auf dem Laufsteg einer Fetischshow. Die – wie ich finde – liebenswürdige Mary fühlt sich sexy in Latex, sie mag den Geruch des Materials und bereits mit siebzehn Jahren trug sie zum ersten Mal eine Latexmaske. Initiiert war dies von ihrem damaligen Freund, der sie gerne in einer Latexmaske sehen wollte, sie habe aber bereits vorher die Lust verspürt, das einmal auszuprobieren. Heute spricht sie gern von dem besonderen Tragegefühl und der geheimnisvollen, sexy Optik der Masken. Augen und Mund würden stark betont, aber vor allem liebe sie die Möglichkeit, eine andere Persönlichkeit anzunehmen. Sie könne so dem Alltag entfliehen und sich ausleben. Zwar mag sich Mary so, wie sie ist, aber es sei eben reizvoll, mal anders sein zu können. Unter ihren Latexmasken verborgen, falle ihr ein »sexy Blick« deutlich leichter, sie spreche und traue sich insgesamt mehr.
 
Mary trägt zuhause, auf Partys oder für Shootings ihre große Bandbreite an maßgefertigten ­Masken, die von schlichten Exemplaren über komplett geschlossene bis hin zu aufblasbaren Variationen reichen. Der materielle Wert liegt pro ­Exemplar zwischen 100 und 500 Euro. Die meisten ihrer Masken sind entweder vom japanischen Hersteller »Kurage« oder von »Feitico« in Berlin.



Die Masken kommen bei Mary auch hin und wieder beim Sex zum Einsatz. Ihr Partner sei zwar nicht »in der Szene«, möge den Latexlook aber an ihr. Sie selbst findet Masken mit Funktion reizvoll, also beispielsweise solche, bei denen man Augen, Mund oder beides verschließen kann. Bersonders mag Mary die Option der geschlossenen Augen – sie fühle sich dann ausgeliefert und ohne Vorahnung auf das, was passieren werde.

Die hübsche Mary ist auch Besitzerin der ausgefallenen rot-weißen Latexmaske mit den hellen Zöpfen von Feitico, die mir bei ­meiner Recherche so gut gefallen hat. Das sei auch eine ihrer liebsten ­Masken, sagt sie. Zunächst aber bekomme ich von ihr eine knallrote Maske mit offener Mund- und Augenpartie. Die Maske hat zwei Löcher für die Zöpfe, die ebenfalls Signalrot sind. Ich bin erst gehemmt, mir die Maske übers Gesicht zu ziehen, und frage Mary, wie ich am besten vorgehen soll. Ihr Tipp: »Mit dem Kinn zuerst«. Mary hilft mir, die Maske über den Kopf zu ziehen, schließt hinten den Reißverschluss und bringt die Zöpfe an. Mein erster Gedanke: Ganz schön straff! Ich fühle mich, als hätte ich gerade ein Gratis­lifting erhalten, was aber auch einfach daran liegen kann, dass die Maske auf Marys Maße angefertigt wurde. Und nicht nur das Gefühl, sondern auch der erste Blick in den Spiegel ist krass. Mein Mund sieht um einiges breiter und die Lippen sehen voluminöser aus. Meine Augen wirken intensiv und katzig. Fotografin Janina beobachtet alles mit einer Tasse Kaffee in der Hand und bekundet, dass sie die Verwandlung sehr spannend findet. Die Maske hat etwas Entmenschlichendes, da sind wir uns schnell einig.

TATTOO-EROTICA-Kolumnistin Cassidy Rose (l.) mit Model und Latexmasken-Trägerin Mary Jale

Durch das Latex über den Ohren fällt das Hören ein wenig schwerer und auch mein Septumpiercing hätte ich vorher entfernen sollen – ich spüre ein Druckgefühl auf dem Ring. Insgesamt finde ich diesen »Puppenlook« ungewohnt, aber tatsächlich ziemlich heiß.  Die zweite Maske aus Marys Fundus wird für meinen Selbsttest ein Modell mit der Funktion »geschlossener Mund« sein. Sie bietet anstelle der Aussparung für die Lippen einen künstlichen, imposanten Kussmund. So bleibt nur ein kleines Luftloch zum Atmen durch den Mund. Die Maske kommt ohne Haare und ist für mich persönlich somit deutlich unweiblicher. Ich habe mich in eine Gummipuppe verwandelt. Das Gefühl, eigentlich nur durch die Nase zu atmen und zu wissen, dass ich keine Haare habe, vor allem die Tatsache, nicht sprechen zu können, ist nicht meines. Und so bin ich zwar glücklich mit den wirklich exzentrischen und künstlerisch anspruchsvollen Bildergebnissen, aber auch froh, dieses Maskenexemplar wieder ausziehen zu dürfen.

Mary präsentiert als Nächstes eine »Systemmaske« mit den Optionen auf geschlossene Augen und einen geschlossenen Mund. Hier fällt es mir deutlich leichter mir vorzustellen, dass jemand diese Funktionen – besonders die der geschlossenen Augen – beim Liebes­spiel reizvoll finden kann. So geht ein gelungenes erstes Treffen zu Ende.



Der zweite Termin lässt nicht lange auf sich warten. Und so sitzt nun Lady Macabre bei uns in Fotografin Janinas Wohnzimmer. Das Model ist 29 Jahre alt und sehr kreativ. Sie entwirft gerne eigene Designs aus Latex und bezeichnet sich selbst als Materialfetischistin. Die Liebe zu Latex entdeckte auch sie sehr früh: Ihr erstes Kleidungsstück aus diesem »Stoff« trug sie ebenfalls bereits mit siebzehn oder achtzehn Jahren, ausgeliehen für ein Shooting, und verliebte sich sofort. Inzwischen verbindet sie, mit Latex Sinnlichkeit, Erotik, Femininität und Stärke.

Den Look findet die attraktive Lady Macabre außerdem besonders an Frauen ästhetisch und sexy. Und auch bei ihr spielen Tragegefühl, Geruch, Farbauswahl und Haptik wichtige Rollen.  Je nach Laune und Maske fühlt sie sich verspielt, manchmal dominant, aber immer stark und weiblich. Zudem schätzt auch sie laut eigener Aussage die Möglichkeit, in eine andere Rolle zu schlüpfen oder einfach mal inkognito feiern zu können. Lange bleibt mir aber vor allem Lady Macabres Satz im Kopf, Anonymität könne sehr sexy sein.

Ihr Partner finde Latex an ihr sehr schön, stehe aber nicht auf Masken, erfahre ich. Und als ich ihr heißestes Maskenerlebnis erfahre, muss ich schmunzeln: »Ein Shooting bei vierunddreißig Grad Celsius am Strand in Holland mit drei anderen Models in Heavy Rubber«. Lady Macabre modelt seit elf Jahren und denkt bereits über ihren nächsten Maskenkauf nach: »Es könnte ein Modell mit zwei Zöpfen werden, vielleicht in der Farbe Lila.«  Neben Shootings trägt Lady Macabre ihre Masken bei Partys.

Zurück zur Maske vom Anfang, die mir so gut gefallen hat: Diese schwarz matte Latex-Katzenmaske (Lady Macabre liebt Katzen) mit Zopf ist vom Hersteller »demiguised« und eine Augenweide. Für meinen Selbsttest bekomme ich ein ähnliches Modell, allerdings ohne Haare, dafür aber mit süßen Öhrchen, vom Hersteller »Gumique«. Schon ein wenig geübt, fällt mir das Anziehen der Maske am zweiten Termin bereits leichter.



Mein persönliches Fazit aus diesen Erfahrungen: Der extrem künstliche Look mit großen, intensiven Augen und prallen, sinnlichen Lippen gefällt mir ebenso gut wie der Gedanke von Anonymität und Rollentausch, ganz gleich ob diese neue Rolle süß und verspielt oder wild und dominant daherkommt. Auch die enorme Zeitersparnis, nur Augen und Lippen schminken zu müssen, ist nicht zu verachten. Nun muss ich wohl nur noch einen Hersteller finden, der Latexmasken mit ausreichend Platz für meine Dreads poduziert.

Maskierte Grüße,
eure Cassidy

Models: Mary Jale, Lady Macabre
Masken: Feitico, demiguised, demiguised, Gumique
Studio: Janina Homestudio

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Stand:27 May 2019 04:39:29/editorial/lust+aber+inkognito+fetisch-masken+aus+latex_19115.html