25% Günstiger im Printabo!
Wir feiern 25 Jahre TätowierMagazin und alle profitieren
Verlängert
bis 31.07.19
€47,-
€35,-

Lust auf Wolle

23.11.2018  |  Text: Cassidy Rose  |   Bilder: Joshua Oberhaus, MakeUp: Kami Zero, Location: Vintage Mietstudio Remscheid
Lust auf Wolle Lust auf Wolle Lust auf Wolle Lust auf Wolle
Lust auf Wolle
Alle Bilder »
Unter den Fetischisten sind sie eine eher unbekannte Gruppe: die Wollfetischisten. Cassidy Rose hat erkundet, was sie an Wolle in den verschiedenen Formen anmacht
Es ist Jahresende, wir tragen wieder Pullover, Schal und vielleicht auch schon eine Mütze. An sehr kalten Tagen greifen wir zu Handschuhen und womöglich zu den dicken Stricksocken. All diese Kleidungsstücke sind oft aus Wolle, womit ich ein kuscheliges, wärmendes Gefühl auf der Haut verbinde. Schwere, dichte Wolle schützt uns vor Kälte. Die Wolldecke macht den Couchabend gemütlich und die Wollmütze ist vielleicht sogar selbstgestrickt. Denn Stricken ist wieder absolut im Trend. Wolle kann weich, glatt und leicht sein, aber auch schwer, kratzig und sogar widerspenstig. Es gibt naturbelassene Schafswolle, Alpakawolle, reine Schurwolle, Mohair, Kaschmir, Mischgewebe und viele andere Sorten.

So weit, so gut. Durch Zufall stolpere ich im Netz aber über einen weiteren, verborgenen Aspekt von Wolle: Woolbond, eine neue Marke aus Köln, bedient den Wollfetisch und sucht ein Model.



Es werden zwei Modelle für ein Kollektionsshooting gesucht. Ausgefallene Fetischmode aus Wolle soll perfekt in Szene gesetzt werden. Ich sehe das immens große Interesse unter dem Gesuch und bewerbe mich vorerst nicht, das Thema »Wollfetisch« bleibt mir aber im Kopf und macht mich neugierig. Ich beginne, mich zu dem Thema umzuhören, lese in einigen Foren und entdecke bei der Bildersuche sogar handgestrickte Catsuits aus Wolle.

Von Natur aus offen und neugierig, reichen mir die gefundenen Informationen aber nicht und ich beschließe, »Woolbond« zu kontaktieren. Gründerin Nicole freut sich über mein Interesse und schnell verabreden wir uns zu einem Telefonat. Ich erfahre, dass Nicole schon als Kind sehr gerne strickte und bereits als Jugendliche Strickarbeiten nach Wunsch von Freunden und Familie umsetzte. Ein freizeitfüllendes Hobby, aus dem die Idee geboren wurde, ein eigenes Modelabel zu gründen. Das setzte sie 2015 mit »Woolies« um, es gab bei ihr nun ganz offiziell individuelle Maßanfertigungen aus Wolle, hochwertige Fashion. Doch dabei blieb es nicht. Nicole holte sich dieses Jahr Modedesignerin Kathrin mit ins Boot und entwickelt mit ihr zusammen und in Anlehnung an ganz besondere Kundenwünsche eine neue Kollektion. Aus »Woolies« entstand die Wollfetisch-Marke »Woolbond«, die in diesem Herbst ihre erste Kollektion präsentierte.
 

Viele lieben das Gefühl von Geborgenheit, wenn sie Wolle auf der Haut tragen​

Ich erfahre, dass es Nicole sehr wichtig ist zu wissen, was sich ihre Kunden in Sachen Wolle wünschen, weshalb sie mit ihnen darüber spricht. In solchen Gesprächen kam sie mit dem Wollfetisch in Berührung und erfuhr, dass viele das Gefühl von Geborgenheit sehr lieben, wenn sie Wolle auf der Haut tragen. Einige wickeln sich gerne komplett in dicke Wolldecken, tragen mehrere Schichten Wollkleidung übereinander oder streifen sich Overalls oder Catsuits aus Wolle über. Diese Menschen sehnen sich danach, ihren Körper in Wolle zu fühlen. Auch die Enge und die eingeschränkte Bewegungsfähigkeit unter der Wolle gefällt ihnen.  Andere wiederum lieben es besonders, kratzige Wolle auf der Haut zu tragen, wie zum Beispiel Ziegenwolle. Das Kratzen entwickele sich zu einem Schmerz und verstärke auch das Schwitzen. Der Reiz dabei: Durch den Schmerz zu gehen und das befreiende Gefühl zu erleben, wenn die Wolle wieder abgestreift wird. Besonders kratzige Wolle lässt sich so im Rahmen von SM-Spielen einsetzen. Jede Sorte kann also ihren ganz eigenen Reiz haben. Nicoles Wollfetisch-Kunden unterscheiden sich.

Die einen lieben es, die Wolle selbst auf der Haut zu tragen, genießen das besondere Tragegefühl und die Haptik, sie gehen auch ganz bewusst mit der Wollkleidung in die Öffentlichkeit, da es sie reizt darin gesehen zu werden. Andere lieben es, attraktive Personen in Wolle zu sehen, zum Beispiel den Partner oder die Partnerin. Der Anblick erregt sie und so darf auch gerne beim Sex Wolle getragen werden. Doch es muss nicht immer ein Wollpullover oder der Schal sein. Nicole bietet bei »Woolbond« auch Gesichtsmasken aus Wolle, handgestrickte Fesseln, Overknee-Strümpfe und sogar eine Zwangsjacke aus dem Material an.



Sie erzählt, dass es einigen Wollfetischisten noch schwerfällt, über ihre besondere Vorliebe zu sprechen. Der Fetisch sei noch nicht angekommen in der Fetischszene, man habe Angst, belächelt zu werden. Gerade Nicoles männliche Kunden haben Bedenken, dass ihre Vorliebe für Wolle nicht männlich genug sei und befürchten, dass nur die Vorliebe für Lack, Leder oder Latex akzeptiert wird. Wir beide sind uns jedoch einig, dass diese Bedenken nicht nötig sind. Klar ist, das Faible und die sexuelle Erregbarkeit durch das Tragen, Anfassen oder Ansehen von Wolle sind nicht so bekannt wie etwa die Vorliebe für Latex, aber muss ein Fetisch populär sein? Ich denke nicht. Hier zählt, was einem persönlich gefällt. Und wieder einmal landen wir bei dem Punkt, dass es gerade in einer Partnerschaft wichtig ist, offen über persönliche Vorlieben zu sprechen. Dafür wird euch euer Partner oder eure Partnerin bestimmt nicht belächeln – im Gegenteil: Euer Mut und euer entgegengebrachtes Vertrauen werden euer Liebesleben ganz sicher bereichern.
 

Die sexuelle Erregbarkeit durch das Tragen, Anfassen oder Ansehen von Wolle ist nicht so bekannt wie etwa die Vorliebe für Latex

Ich persönlich bin mir aber noch unsicher, wie sexy ich Wolle finde. Ich freue mich darauf, Nicoles Kollektion zu sehen und einige ausgewählte Stücke selbst tragen zu können. Am Tag des Fotoshootings ist auch ein Stammkunde und mittlerweile Freund von Nicole als männliches Model mit vor Ort. Wir führen ein lockeres Gespräch und ich erfahre, dass auch bei ihm die schönen Kindheitserinnerungen im Bezug auf Wolle seine Vorliebe für das Material hervorgerufen haben. Positiv überrascht bin ich von dem Farbspektrum der mitgebrachten »Woolbond«-Kleidungsstücke: Ockergelb, Pink und Türkis ist dabei, ebenso Rot und Grau.

Wer seinen ganzen Körper in Wolle schnüren und spüren möchte, der sollte zum Bodybag aus weicher Schurwolle greifen. Kolumnistin Cassidy fand dieses Teil aus der neuen »Woolbond«-Kollektion ganz besonders lässig und schön warm zum Einkuscheln. Durch die farbenen Schnüre an den Öffnungen des Bodybags ist es möglich, sich komplett in den Sack hineinzuschnüren

Mit Türkis trifft Nicole genau meinen aktuellen Farbnerv, die Kombination aus Schal, Stulpen und Wollshorts sieht sogar richtig cool aus – und ja, ich fühle mich in der Kombi sexy. Das für mich als Nicht-Wollfetischistin aufregendste Kleidungsstück ist aber mit Abstand die graue Zwangsjacke mit integrierten Bondage-Elementen. Dieses reizvolle Kleidungsstück könnte ich mir auch sehr gut im Schlafzimmer von neugierigen Paaren vorstellen, die einfach mal Lust auf ein anderes, sehr kuscheliges und dennoch festes Material haben. So eine Zwangsjacke beflügelt die Fantasie allemal. Ebenfalls betörend: eine pinkfarbene Kombi aus Shorts und Schal. Den Schal funktioniere ich kurzerhand zu einem Top um und merke, dass man sehr frei darin ist, wie man die ausgefallenen Wollkreationen trägt.

Nicht nur individuell, sondern auch nachhaltig soll es sein: Nicole und ihr Team aus Strickern und Strickerinnen achten eigenen Angaben zufolge darauf, dass die verwendete Wolle ökologischen Standards entspricht. Die Wolle entstamme keiner Massentierhaltung, gefärbt werde mit Naturfarben und produziert unter fairer Bezahlung in Deutschland.

»Sexy« fühlt sich Cassidy in der Kombi aus Woll-Shorts, Stulpen und dem Schal mit Zopfmuster. Kaum zu sehen und doch nicht zu übersehen: Der Freund und Kunde von Woolbond, der im Hintergrund den »Bodybag« sowie eine Maske mit Augen- und  Mundöffnung aus Schurwolle trägt

Ich bin gespannt, ob und wann mir die erste Person in sexy Wolle auf einem Fetischevent begegnet. Immerhin weiß ich nun, dass es sie gibt, die ungezügelte Leidenschaft für Wolle. Und ich wünsche euch erotische Momente, ganz gleich ob kratzig oder kuschelig warm und weich.

Kuss, eure Cassidy
 

  Teilen
Topseller im Shop
Topseller im Shop
Stand:21 July 2019 09:34:49/editorial/lust+auf+wolle_181115.html Warning: fopen(cache/539f64d909531dc12e368c1e32e6778b.html): failed to open stream: No such file or directory in /var/www/vhosts/tools.huber-verlag.de/httpdocs/files/trunk/Bootstrap3/files/templates/index_template.inc on line 160 Warning: fputs() expects parameter 1 to be resource, boolean given in /var/www/vhosts/tools.huber-verlag.de/httpdocs/files/trunk/Bootstrap3/files/templates/index_template.inc on line 161 Warning: fclose() expects parameter 1 to be resource, boolean given in /var/www/vhosts/tools.huber-verlag.de/httpdocs/files/trunk/Bootstrap3/files/templates/index_template.inc on line 162 Warning: chmod(): No such file or directory in /var/www/vhosts/tools.huber-verlag.de/httpdocs/files/trunk/Bootstrap3/files/templates/index_template.inc on line 163