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Lustvolle Apokalypse

10.05.2019  |  Text: Cassidy Rose  |   Bilder: Andreas Wensauer, Blende 1.2
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Die Endzeit-Darsteller der internationalen Gruppe »Cult of Chrome« werden immer häufiger auch für Fetisch-Events gebucht. TATTOO-EROTICA-Kolumnistin Cassidy Rose findet, dass die beiden Szenen gut zueinander passen – immerhin spielen hier wie dort eine ausgeprägte Fantasie und die geistige Befreiung von gesellschaftlichen Normen eine große Rolle
Wie sexy stellt ihr euch die Zeit nach der Apokalypse vor? Gehen wir einmal davon aus, die Natur rächt sich für all unsere Klimasünden und nach einem großen Knall, viel Feuer oder Wasser ist ein Großteil der Menschen von der Erde verschwunden. Überlebt haben nur die, die stark oder clever genug waren, der Katastrophe zu entgehen – oder einfach Glück hatten. Fortan ist es heiß und trocken auf der Erde. Die Kleidung der Überlebenden ist zerrissen, in ihren Haaren hängt Staub, die schweißnassen Körper sind mit Dreck und Sand bedeckt. Frauen und Männer sind mehr denn je auf ihre Fähigkeiten und Instinkte angewiesen. Wem können sie in Zeiten, in denen Wasser und Nahrung knapp sind, noch vertrauen? Mit wem schließen sie sich sogar zusammen?
Eine Welt ohne Regeln, in der es nur noch um das nackte Überleben geht: Das klingt hart und düster, aber für echte Endzeit-Enthusiasten ist es eine verlockend spannende Fantasie, in der sie sich ausleben.



Mit ihren Darbietungen sind sie als Acts bei Veranstaltungen gerade sehr gefragt – so auch bei Fetischevents. Für mich persönlich war das nur eine Frage der Zeit, schließlich spielen sowohl in der Endzeit- als auch in der Fetischszene Materialien wie Leder, Gummi und Metall eine große Rolle. Zudem wird der Fantasie hier wie dort freier Lauf gelassen. Auch Eigenschaften wie Dominanz und Unterwerfung sind bei Insidern beider Lager ein Thema.
Außerdem lässt sich das kreative Spiel der Endzeitfans ganz hervorragend um Erotik­aspekte erweitern. Schließlich drängen sich auch Überlegungen zur Lust in ganz neuer Weise auf, wenn man sich Menschen im puren Überlebenskampf, auf ihre Instinkte zurückgeworfen und frei von gesellschaftlichen Normen vorstellt. Wie verhalten sich Menschen, wenn jeder Tag der letzte sein könnte? Würde sich unsere Sexualität verändern?



Ein Fantasiespiel könnte in etwa so aussehen: Man stelle sich einen besiegten Endzeitfeind als Sklaven im Käfig vor, ahnungslos darüber, was ihn erwartet. Gehen wir davon aus, dass dieser Sklave von einer Gruppe starker Kriegerinnen gefangen genommen wurde. Sie sind selbstbewusst und mutig und auch der Sklave ist angesichts seines Schicksals und fehlender sozialer Ordnung völlig enthemmt.
Fantasiewelten wie diese sind es, in denen Endzeitkünstler aufblühen, etwa die von »Cult of Chrome«. Endzeitkünstler »Rebel Proof« gründete das internationale Netzwerk 2017, inzwischen sind zahlreiche Models Mitglieder, ebenso wie Kostüm- und Fahrzeugbauer, Cosplayer sowie Rollenspieler mit Hang zur Postapokalypse und zum »Wasteland«, der öden Endzeitwelt. Sie kommen zusammen, um beispielsweise bei Veranstaltungen Walking Acts in originellen Kostümen, Feuershows, Showkampf, Tanz und Requisiten wie Endzeitfahrzeuge oder Käfige zu präsentieren.
Und weil »Rebel Proof« besonders das Auftreten des »Cult of Chrome« auf Fetisch­events forcieren will, habe ich für TATTOO EROTICA nachgefragt. An einem warmen Frühlingstag traf ich vier Mitglieder des »Cult« in der Homburger Papiermühle im oberbergischen Nümbrecht zu einem spannenden Endzeitshooting und zum Interview.
 

Was fasziniert euch am Thema Endzeit?
Fox Fire: Die Gesellschaft, wie wir sie kennen, wird vermutlich zusammenbrechen und Werte und Normen müssen neu definiert werden. Dadurch entsteht ein andersartiges System. Dieser Gedanke fasziniert mich sehr.
Kiet Katharsis: Schon in jungen Jahren wusste ich, dass die Menschheit eines Tages unseren Planeten bis jenseits aller Rettung ruinieren wird. Deshalb hat die postapokalyptische Welt mich schon immer fasziniert. Auf das Ende der Zeit muss man vorbereitet sein. Es ist das Überleben der Besten, es entsteht eine Welt, in der Kreativität dein Retter sein kann.

Und woher kommt diese Faszination?
Vani Wonka: Sicherlich aus einer gewissen Unzufriedenheit. Aber auch  daher, dass ich mich schon immer sehr für die Psyche des Menschen interessiert habe. Deshalb ist es für mich sehr faszinierend, über endzeitliche Szenarien nachzudenken, und wie sich alles verändern würde. Besonders in den Köpfen der Menschen.
Kiet Katharsis: Ich war schon immer eine Art Rebell. Ich hätte in der Schule lieber Schwertkämpfen oder Schlachtstrategien gelernt als Mathe und Politik. Leider passiert das nicht, aber die Faszination für das Wissen über das Überleben in postapokalyptischen Zeiten war immer da. Vielleicht hoffe ich einfach, dass die Menschheit versagt und die Natur sich zurückholt, was wir verdorben haben.

In welcher Rolle würdet ihr euch in der Endzeit sehen?
Jaded: Ich wäre ein Kämpfer. Die Endzeit stellt ein Szenario dar, in dem es für mich ums nackte Überleben geht. Es gibt Mutanten und Radioaktivität, zugleich existieren keine Gesetze und Normen mehr. Gesundheit und die Fähigkeit, sich verteidigen zu können, sind in meiner Vorstellung die wichtigsten Aspekte zum Überleben.
Vani Wonka: Das ist schwer zu sagen. Auf eine Gewisse  Rolle würde ich mich nicht festlegen. Ich habe meines Erachtens aber viele Charakterzüge und Fähigkeiten, die in der Endzeit sicherlich von Vorteil wären. In einem tatsächlichen Weltuntergangsszenario ist es definitiv von Vorteil, sich mit anderen zusammenzuschließen, um zu überleben, und Fähigkeiten dementsprechend zu spezialisieren.



Und wie sexy stellt ihr euch die Endzeit vor? 
Vani Wonka: Oh, sehr sexy. Ich meine: Dreck, Hitze, Motoren und Kickass-Charakter, gepaart mit der Ahnung, dass jeder Tag einfach der letzte sein könnte – C’mon!

Hat jemand von euch eine erotische Fantasie, die in der Endzeit spielen könnte?
Fox Fire: Eine bestimmte Fantasie nicht, aber der Gedanke an die herrschende Hitze, Adrenalin und schwitzende, leicht bekleidete Körper macht mich schon sehr an.
Vani Wonka: Eine? (Lacht.)

Was möchtet ihr verkörpern, wenn ihr eure Endzeitoutfits tragt? 
Vani Wonka: Selbstbewusstein und Stärke. 

Wie aufwendig sind eure Kostüme? Macht ihr alles selbst?
Jaded: Ich bin Schneider, daher fällt es mir leicht, alles anzufertigen – vom Nähen bis hin zum Modden und Verrosten. Meine Outfits sind tatsächlich nicht so zeitaufwendig. Meist verbringe ich nur ein oder zwei Wochen an einem Charakter. Zeitaufwendig ist tatsächlich die Erstellung und Recherche der Materialien. Das kann von einer Woche bis zu einem Jahr dauern.
Kiet Katharsis: Meine Outfits sind größtenteils aus alten Kleidern zusammengewürfelt, zusammengenäht und geflickt, um sie haltbarer für den Lebensstil des Ödlands zu machen. Ich mag es, mich frei bewegen zu können und leichtfüßig unterwegs zu sein, deshalb sind meine Designs auf Schnelligkeit ebenso wie auf das Schleichen ausgelegt und dürfen schon deshalb nicht besonders kompliziert sein. Die meisten Modifizierungen mache ich selbst. Als Plünderer habe ich mein Outfit außerdem nie fertig, es wächst stetig.



Habt ihr Endzeitidole?
Jaded: Puh, das ist schwer. Es gibt so viele tolle Crafter wie Dmitri von Nuclear Snail, WastelandPirate und Dust Monkey, oder noch Elliott von Black Rain Union und Mia Shinada. Und das sind nur einige wenige von ganz, ganz vielen, die ich aus der Szene um ihre Skills beneide und dafür wertschätze, dass sie mich dazu inspirieren, Neues zu kreieren. Die Liste wäre endlos, denn dann gibt es noch Grafiker und Künstler, die ganz andere Medien benutzen als Outfits. 
Fox Fire: Direkt ein Idol habe ich nicht, aber Tank Girl ist spitze.

Was verbindet eurer Meinung nach die Fetischszene mit dem Look der Endzeit?
Vani Wonka: Ich finde beide Szenen sind diesbezüglich sehr individuell und vorliebenspezifisch. Es herrscht bei beiden hohe Toleranz, die der Einzelperson viel Spielraum bietet, sich frei nach persönlichen Vorstellungen und Präferenzen auszuleben. Das Konzept von Endzeit und Fetisch finde ich deshalb super interessant. Ich bin auf zukünftige Projekte gespannt.

Wie sind die Reaktionen der anderen Gäste, wenn ihr im Endzeitlook auf Fetischevents geht?
Kiet Katharsis: In meinem täglichen Leben sehe ich postapokalyptischer aus als auf  Fetischevents. Insgesamt sehe ich aber tatsächlich immer mehr von unserem Stil in die Szene einfließen. Es ist schön, Leute mit unterschiedlicheren Outfits zu sehen, und ich hoffe wirklich, dass wir in der Fetischszene mehr Ödlandstil haben werden.

Ihr vier seid alle tätowiert. Hat einer von euch etwas Endzeitliches gestochen? 
Vani Wonka: Ich habe zwei Krähen und einen Katzenschädel auf Schlüsselbein und Brust tätowiert. Das verbinde ich schon mit einer Art endzeitlicher Romantik.

Ein paar abschließende Worte?
Jaded: Vielen Dank Cassidy, stay hydrated in the Wasteland, und vergiss nicht, nur weil der Stoff zerfetzt ist und alles rostet, kann es dennoch sexy as fuck sein. 
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