MEINE BUNTE LATEX-WELT

27.01.2017  |  Text: Cassidy Rose  |  
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MEINE BUNTE LATEX-WELT
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Für einige ist es ein spielerisch-bunter Ausflug vom Alltag, für manche eine sexuelle Obsession, bei der sich alles um Gummi dreht: So vielfältig wie die Kleidung selbst ist die gesamte Latex-Szene. Ein prickelnder Einstieg mit Cassidy Rose.
Cassidy Rose, so nenne ich mich nun schon seit 2012. Cassidy Rose, mein Name für den Feierabend, freie Tage und für das Wochenende. Mein Plan war es, mir mit diesem Namen eine zweite Identität zu erschaffen, eine Identität voller Kreativität, ohne Tabus, ohne Angst davor, Neues auszuprobieren. Aber auch ein Name, der mich schützt, von jedem meiner Nachbarn, der Oma oder den Arbeitskollegen sofort im Internet oder in den Printmedien entdeckt zu werden. Ich bin stark tätowiert. Ich möchte meinen ganzen Körper tätowieren lassen, ich hasse nackte Haut. Ich liebe bunte Haare, besonders farbige Dreadlocks haben es mir angetan. Ich stehe auf Piercings. Ich trage ein auffälliges Septum, habe Snakebites, möchte meine Ohrlöcher noch auf 16 Millimeter dehnen und spiele mit dem Gedanken, mir die Zunge spalten zu lassen. Und mit Sicherheit wird es auch nicht nur bei einem Intimpiercing bleiben.

Ich lasse mich sehr gerne fotografieren und liebe die Arbeit vor der Kamera. Angefangen als klassisches Pin-up-Tattoomodel, habe ich schnell gemerkt, dass mich andere Arten der Fotografie deutlich mehr reizen. Ich wollte weg vom süßen Image. Hin zu dunkleren, mystischen und rockigen Aufnahmen. Ich entdeckte die Gothic-, Metal- und Bikerszenen für mich. Und ich spiele seit langem, oft und gerne in Musikvideos mit. 2013 dann eine entscheidende Begegnung, die mich als Frau wachsen ließ. Und die mir die Tür in eine mir damals völlig unbekannte Welt öffnete. Diese Begegnung mit meinem heutigen Partner führte in eine wunderbare Beziehung, die mich jeden Tag persönlich, aber auch als Künstlerin stärkt.

Er war schon vor mir in der Latex-Szene, auf Events und Fetischpartys unterwegs. Und sein Interesse daran weckte auch meine Neugier. Vorher noch nie mit dem Material in Kontakt gekommen, beschäftigte ich mich zunächst mit Latexkleidung, indem ich im Internet recherchierte. Ich war überrascht: Die Fotos, die ich fand, zeigten neben den schwarzen Ganzkörper-Outfits mit Masken fürs Gesicht, die sich wahrscheinlich jeder zuerst vorstellt, auch bunte Latexkleider. Teilweise mit Verzierungen, schönen Drucken und aufwendigen Rüschen. Sehr schön war das und nicht zu fetischlastig für ein erstes Latex-Fotoshooting. Nur der enorm hohe Preis der einzelnen Outfits hielt mich davon ab, direkt zu bestellen. Warum war Latex bloß so teuer?

Bei DEMASK in Dortmund zog Cassidy Rose zum ersten Mal selbst Latex­kleidung an.

Ich beschloss, meinen ersten Latexkontakt erst einmal zu verschieben und investierte mein Geld stattdessen in neue Tattoos. Schließlich wollte ich da auch vorankommen. Doch mein Aufschub war nicht von langer Dauer: Eine Bekannte meines Freundes arbeitet als Modedesignerin und plante eine Modeperformance für ihr Plastik- und Textilcouture-Label »Tolllkirsche« in Kombination mit Latex. Mein Freund El Rey und ich waren schnell für diesen Job als Models engagiert und so stand mir eine erste Anprobe des Outfits bevor. Die Präsentation der Mode sollte auf einer neuen Fetischparty in einem Schloss in Gelsenkirchen stattfinden. In Michaelas Modeatelier fühlte ich mich direkt pudelwohl und die Anprobe des Stoffrocks und Oberteils sowie einer Augenmaske aus Spitze und einem PVC-Unterbrustkorsett klappte hervorragend.

Als das Outfit angepasst war, fuhren wir zu DEMASK in Dortmund, einem – wie ich rausfinden sollte – wahren Paradies für ausgefallene Mode aus Latex, PVC und Leder auf 400 Quadratmetern. Tanja, die Geschäftsführerin, empfing uns mit einem freundlichen Lächeln. Sie war es auch, die mir in eine metallisch schimmernde Latexleggings verhelfen sollte, um das Outfit für die Performance auf der anstehenden Fetischparty perfekt zu machen. Da war er also, mein erster wirklicher Kontakt mit Latex. Die Leggings war schmal und eng geschnitten, roch nach Gummi und fühlte sich sehr glatt an.



Auf Tanjas Hilfe in der Umkleide war ich als Latexanfängerin definitiv angewiesen. Zuerst ölten wir meine Beine mit einem speziellen Öl ein und zogen die Leggings vorsichtig über meine Füße. Tanja kniete sich vor mich und schob die Leggings langsam an meinen Beinen nach oben, ich selbst sollte mit meinen langen Nägeln vorsichtig sein und auf gar keinen Fall das Material zu sehr ziehen oder gar versuchen, es nach oben zu reißen. Am Hintern angekommen, griff Tanja in die Leggings hinein und schob das Latex mit der Handfläche von innen und außen nach oben. Bis die Leggings richtig im Schritt saß. Für mich ungewohnt war, dass mir als Anziehhilfe eine fremde Person in die Hose griff – am nackten Hintern vorbei. Klar, nackt: Ein Slip hätte sich stark abgezeichnet. Außerdem tragen die meisten Menschen unter Latexklamotten keine Unterwäsche, um das Gummi auf der Haut zu spüren.

Als die Hose endlich richtig saß und ich in den Spiegel schaute, fühlte ich mich unbeschreiblich sexy. Tanja ölte die Leggings noch von außen mit einem ölgetränkten Lappen ein, um ihr den richtigen Glanz zu geben. Wahnsinn, dachte ich nur: So eine körperbetonte Hose, in der ich einfach umwerfend aussah, einen richtigen Knackarsch hatte und durch das Material niemand etwas von meinen selbst empfundenen Makeln sah. Solch eine Leggings hatte ich noch nie an. Um mich an das Tragegefühl zu gewöhnen, lief ich ein wenig durch den Laden und bemerkte, dass außer den Klamotten noch wahnsinnig tolle, hohe Plateauschuhe zum Verkauf standen. Auch Bondagezubehör und Sextoys, die ich der SM-Szene oder zumindest Freunden härterer Fantasien zuordnete. Meine Aufmerksamkeit fand auch ein lebensgroßer Glaskasten mit runden Öffnungen, an denen jeweils ein Latexhandschuh angebracht war, umhineingreifen zu können. Dieser Kasten beschäftigte mich gedanklich noch eine ganze Weile. Masken entdeckte ich auch, konnte zu diesem Zeitpunkt aber noch nichts mit ihnen anfangen. Happy mit meinem Outfit, nach Gummi riechend und glücklich über den gelungenen Tag, fuhr ich nach Hause und freute mich mit El Rey auf die bevorstehende Veranstaltung.

Am Abend der Party und auf dem Weg nach Gelsenkirchen war ich aufgeregt. Ich hoffte darauf, mich bei der Probe für die Modeperformance gut anzustellen und dass die anderen Models nett sein würden. Ich war unheimlich gespannt auf das Publikum und den Ablauf der Nacht. Die Location war auch von innen aufgemacht wie ein barockes Schloss, samt imposanter Kronleuchter, alten Gemälden und einem kühlen Steinboden, der dem Ganzen eine dunkle Atmosphäre verlieh. Vor dem Einlass der Partygäste und noch in Straßenkleidung, probten wir den Ablauf der Modepräsentation und begaben uns danach in den Backstagebereich, um uns umzuziehen. Unter Zeitdruck und Nervosität geschah, was geschehen musste: Beim Versuch, die Leggings allein anzuziehen, ließ ich die Anzieh-Tipps außer Acht und mir riss die teure Latexleggings am kompletten Hintern auf. Ich schämte mich in Grund und Boden. Mir passierte das ausgerechnet vor diesen tollen Models und Künstlern, die offensichtlich schon länger in der Fetischszene zuhause waren und die ich eigentlich beeindrucken oder zumindest von ihnen akzeptiert werden wollte. Ich hatte mich so gefreut, sie kennenzulernen. Mein Freund El Rey und Tanja von DEMASK konnten sich das Schmunzeln nicht verkneifen, waren aber sofort mit Gaffaband zur Stelle und meine Leggings war in Windeseile mit Tape und mit einem längeren Oberteil so zurechtgemacht, dass ich auftreten konnte. »Passiert«, meinte Tanja cool und zwinkerte mir zu.



Zu Beginn der Präsentation trugen wir weiblichen Models nicht nur Masken aus Spitze über den Augen, sondern auch lange Umhänge über unseren Outfits. Die männlichen Models sollten sie uns langsam abstreifen. Nachdem der Applaus verklungen war, mischten El Rey und ich uns unter die Partygäste, der freie Teil des Abends durfte nun endlich auch für uns beginnen.

Ich ließ meinen Blick über die Tanzfläche in der Mitte des großen Raumes schweifen. Hier tanzten zu elektronischer Musik Menschen zwischen 20 und Ende 50 Jahre. Große, kleine, dicke, dünne, stark tätowierte und nicht tätowierte Menschen. Frauen mit kleinen Brüsten und Frauen mit großen Brüsten, die nur Pasties auf den Nippeln hatten. Männer, die Pferden ähnelten, die Ganzkörper-Latexanzüge mit Hufstiefeln, Zaumzeug mit Ohren und Trense im Mund trugen. Die meisten Partygäste glänzten in aufregenden Outfits aus Latex, aber auch viel Leder und Fantasievolles aus PVC und Lack war dabei, teilweise mit Federn. Interessante Masken sah ich und hier und dort einen nackten Hintern und gänzlich blanke Brüste. Uniformen, Burlesque-Outfits und Zimmermädchen-Kostüme aus Latex – inklusive Staubwedeln. Es schien, als hätten sich ohne Ausnahme alle sehr viel Mühe mit der Wahl des perfekten Party-Outfits gegeben. Meine Angst davor, dass alle Partygäste öffentlich wild rummachen würden und dem Thema Sex nicht aus dem Weg zu gehen wäre, entpuppte sich nach dem gemeinsamen Erkunden der Location mit El Rey als völlig unbegründet.



Für Gäste, die schon auf der Party ihren sexuellen Gelüsten nachkommen wollten, gab es so genannte Playrooms. Diese Räume waren mit unterschiedlichem Mobiliar ausgestattet, ich sah Käfige und Gestelle mit Hand- und Fußfesseln, einen Standpranger sowie ein Andreaskreuz und den lebensgroßen Glaskasten mit den runden Öffnungen und Latexhandschuhen vom Vortag. Darin befand sich nun eine nackte Frau mit verbundenen Augen, der es wohl gefiel, sich den Berührungen der fremden Hände auszuliefern.

Neben unserer Modeperformance gab es in dieser Nacht noch weitere Programmpunkte. Etwa die Show einer Burlesquetänzerin und die Bondageperformance einer Domina. El Rey und ich tanzten bis in den Morgen zu den elektronischen Klängen.

Zuhause ließ ich alle Eindrücke dann Revue passieren. Für mich war es ein wirklich anregender Abend und ein gelungener Einstieg in eine neue Welt voller kreativer Erotik, Toleranz und Offenheit.

Habt ihr Gefallen an meinen Erlebnissen gefunden? Dann begleitet mich weiter zu den besten Partys und Events der vielfältigen Fetischszene. Trefft mit mir die angesagtesten Designer toller Erotik-Mode, besucht mit mir gemeinsam die heißesten Fetischmodels. Lasst uns tiefer in eine Welt eintauchen, in der Körperkunst, Erotik, Mode, Spaß, Schmerz und Befriedigung knisternd nah beieinanderliegen. Ich freue mich schon sehr darauf.
 

Cassidy Rose
Cassidy Rose lebt mit ihrem Partner El Rey in Köln. Die hauptberufliche Casting-Redakteurin bei einer TV-Firma arbeitet seit einigen Jahren schon als Model, Moderatorin und Eventkünstlerin. Ihre große Leidenschaft gilt Tattoos und anderen Körpermodifikationen, außerdem brennt sie dafür, immer neue Erfahrungen zu machen. Eine davon ließ die 29-Jährige tief in die Fetisch-Szene eintauchen, aus der heraus sie von nun an immer wieder für TATTOO EROTICA von ihren Erlebnissen, Eindrücken und Begegnungen erzählt. Wer mehr über Cassidy Rose erfahren will, schaut auf ihrer Webseite vorbei: www.cassidyroseofficial.com
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Stand:23 January 2019 03:14:52/editorial/meine+bunte+latex-welt_171.html