O zapft is!

14.09.2018  |  Text: Jula Reichard  |   Bilder: VISIT-X, Hugo Velazquez (www.HUGOVphotography.com), Dirk »The Pixeleye« Behlau
O zapft is! O zapft is! O zapft is! O zapft is! O zapft is! O zapft is! O zapft is! O zapft is! O zapft is!
O zapft is!
Alle Bilder »
Endlich ist wieder Fesche-Madln-Zeit. Das Münchner Oktoberfest steht vor der Tür und viele Mädels haben ihren Dirndl-Look bereits sorgfältig geplant. Er bewegt sich aufregend zwischen süß und sexy und zieht damit nicht nur die Blicke der Männer auf sich. Doch warum sind Trachten so verdammt sexy und wo kommt das Dirndl überhaupt her?
Weniger ist mehr – so heißt das Motto der Trachten-Trends 2018. Eine Devise, die auch bei unseren reizenden Modelsets im Magazin Anwendung findet. Anders als bei den erotischen Fotografien ist bei den Dirndl-Trends allerdings nicht das Sparen am Stoff gemeint. Vielmehr besinnen sich die Designer wieder zurück auf den Look traditioneller Trachtenmode.
Statt protziger Ketten, knallbunter Drucke, aufwendig verzierter Rocksäume und Rüschenblusen beherrschen gedeckte Farben und feste Stoffe das Bild. Auch die Röcke werden wieder länger. 

Offenherzig: Obligatorisch 
ist der tiefe Ausschnitt

Das ist unter anderem eine Antwort auf die letzten Jahre, in denen die Outfits der feschen Madln immer wilder wurden. So manch konservativer Urbayer packte sich beim Anblick grell-pinker Dirndl mit Totenkopf-Print zu Lack-High-Heels schon mal in schockschwerer Not ans Herz. Nicht, weil die Trägerin damit so sexy aussah, sondern viel eher, weil dieses Bild nur noch wenig zum traditionsreichen Ambiente passt, zu dem die Tracht getragen wird. Etwa dem Oktoberfest in München oder anderen ländlichen Volksfesten im süddeutschen und alpenländischen Raum.

Doch woher kommt das Dirndlkleid überhaupt, für das viele Frauen sogar ein Vermögen ausgeben und Männern damit den Verstand rauben? 
Der Begriff Dirndl ist eine verkleinerte Form des Wortes Dirn, der bayrisch-österreichischen Bezeichnung für junge Frauen. Früher bezeichnete Dirn auch Mägde, die in der Landwirtschaft arbeiteten. 

Offenherzig: Obligatorisch 
ist der tiefe Ausschnitt

Das Kleid, das sie dabei trugen, nannte man Dirndlgewand. Das Outfit, bestehend aus Rock, Schürze und Bluse, war damals zunächst also ein reines Arbeitsgewand. Um 1870 herum setzte sich das Dirndl in der städtischen Oberschicht als ländlich anmutendes Sommerkleid durch und verlor seinen Status als Dienstbotenklamotte. Die Adligen und Gutbetuchten trugen es in ihrer Sommerfrische. Diese Wandlung des Kleidungsstückes sieht man heute als entscheidenden Wendepunkt im Verständnis von alpenländischer Tracht. Es wird bis heute in Bayern und Österreich an Kirchentagen, zu Hochzeiten und an Volksfesten getragen – das bekannteste ist wohl das Münchner Oktoberfest. Während in den 1970er Jahren das Tragen des Dirndls kaum en vogue war, ändert sich das seit den 1990er Jahren verstärkt. Heute ist wieder »in«, wer zu den Wiesn in Tracht erscheint. 
Der Look des Dirndls hat sich über die Zeit immer mal wieder gewandelt – je nach Mode änderte sich die Rocklänge oder die verwendeten Stoffe. Doch bis heute handelt es sich beim Dirndl um ein Kleid mit eng sitzendem Oberteil mit tiefem Ausschnitt und hoch über der Hüfte angesetztem Rock, der nach unten ausgestellt ist. In der Taille wird eine Schürze gebunden und drunter trägt das Madl eine Bluse. So viel zu den modischen Vorgaben. In der Ausgestaltung sind keine Grenzen gesetzt. Wie sagt man so schön? Es gibt nichts, was es nicht gibt. Das entdeckten auch viele Modedesigner um die 2000er Jahre für sich und ließen ihrer Dirndl-Interpretation freien Lauf. Von den Modeateliers schafften bunte, ausgefallene und teilweise auch gewagte Teile dann den Weg in die großen Kaufhäuser. Schwarze, transparente Spitzenblusen und gar Dirndl aus Latex finden Absatz. 
Wieso sind Dirndl so sexy anzuschauen? Schöner als der weißblaue Münchener Himmel und volle Maßbierkrüge ist nur der Anblick eines feschen Mädels in einem perfekt sitzenden Dirndl. Es ist fast schon faszinierend, wie sehr dieses Kleidungsstück den Frauen schmeichelt. Dabei ist völlig egal, ob die Trägerin groß, klein, schlank oder drall ist. 

Offenherzig: Obligatorisch 
ist der tiefe Ausschnitt

Ein gut geschneidertes Dirndl kann es mit nahezu jedem Körpertyp aufnehmen und dabei die Weiblichkeit betonen. Wer hier auf Qualität setzt, ist gut beraten. Denn eben genannte Vorzüge treffen nicht unbedingt auf Dirndl zu, die es in der Faschingsabteilung oder donnerstags beim Discounter gibt. Wer übrigens nicht so viel Holz vor der Hütt’n hat, der muss nicht verzagen: Es gibt etxra geformte Dirndl-BHs, die wahre Wunder bewirken können. 
Und Mädels, die sich nicht so gerne in Kleidern sehen und dennoch einen sexy Wiesn-Auftritt hinlegen wollen, sei gesagt: Kurze Lederhosen, wie sie Covermodel Caro trägt, verfehlen ihre Wirkung keineswegs. Kombiniert werden kann die Trachtenmode übrigens mit rustikalen Haferschuhen oder stilvollen Wildlederpumps.


Der  Schleifenguide

Aufgepasst bei Schleife rechts!
Trägt die Frau ihre Dirndlschleife auf der rechten Seite, ist sie in festen Händen – Flirten zwecklos.

Schleife links, das ist die Chance!
Trägt die Dame ihre Schleife auf ihrer linken Seite, ist sie noch zu haben. Ein Signal, dass Anbandeln nicht nur erlaubt, sondern möglicherweise sogar erwünscht ist.

Schleife hinten heißt Beileid oder Trinkgeld.
Es gibt zwei Gründe, weshalb das Dirndl am Rücken gebunden sein kann: Entweder die Trägerin ist verwitwet oder Kellnerin. Hier sind etwas Takt- und Fingerspitzengefühl gefragt.

  Teilen
Topseller im Shop
Topseller im Shop
Stand:19 December 2018 05:30:03/editorial/ozapft+is_18910.html