Szene | Modern Gentleman

08.05.2020  |  Text: Boris »Bobs« Glatthaar  |   Bilder: siehe Bilder
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Szene | Modern Gentleman
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Nachdem viele tätowierte Männer ihre rebellische Phase hinter sich gelassen haben, wollen sie zeigen, dass sie inzwischen stilsicher, selbstbewusst und erfolgreich sind. Der Gentleman-Style bietet dazu perfekte Möglichkeiten – um allerdings authentisch zu sein und nicht verkleidet zu wirken, kommt es auf wichtige Details an – eine Stilberatung, Teil eins
DAS HEMD
Das wichtigste Kleidungsstück eines modernen Gentlemans ist das saubere, faltenfreie Hemd. Niemals ließe er sich in der Öffentlich­keit ohne sehen, wenngleich es nicht mehr – wie noch im 19. Jahrhundert – der Unterwäsche zugeordnet wird und deshalb auch nicht mehr stets mit einer Jacke als Oberbekleidung bedeckt sein muss. Auch der frühere Zwang zur Farbe Weiß, die ehemals nur ehrenwerte Herren ohne schmutzige Arbeit tragen konnten, ist längst aufgeweicht. Dunkle Hemden oder solche mit stilvollen Mustern und sogar quietschenden Farben sind heute ebenfalls möglich, wenn sie zum Gesamtbild passen oder bewusst Akzente setzen. Allerdings: Hellblaue Hemden gehören nicht zum Gentleman, sondern zum Bürohengst und Bankangestellten. Wichtig sind auch Schnitt und Kragenform: Ein Hemd sollte weder zu weit geschnitten sein noch auftragen, sondern immer perfekt sitzen. Auch zu kurze oder zu lange Ärmel dürfen nicht sein, die Manschette muss genau am Handgelenk enden. Bei den Kragenformen stehen eine Vielzahl an Möglichkeiten offen – welche passt, hängt von der Halslänge, der Krawatte und ihrem Knoten, vom Anlass, von der übrigen Garderobe und vom Geschmack ab. Gegenwärtig gibt die Mode zwar grundsätzlich eher den schmalen Haifisch- als den langschenkligen Kentkragen vor. Bei der Auswahl des Hemdes sollte der moderne Gentleman aber nicht nur den Zeitgeist berücksichtigen, sondern auch die Konvention – und sich daher in einem guten Fachgeschäft oder vom kundigen Herrenschneider beraten lassen.


 

DETAILS UND ACCESSOIRES
Es mag Männer geben, denen steht viel Bling-Bling: Harald Glööckler hat sich damit zur Stilikone gemacht, im US-Rap gehörte die Protzerei mit kiloweise Gold- und Diamant­schmuck früh zum guten Ton. Der moderne Gentle­man allerdings drückt auch heute noch durch überragendes Understatement sein inneres Selbstbewusststein aus, denn um zu wirken, bedarf es für ihn keiner auffälligen Staffage. Ausweis seiner Stilsicherheit sind allein Qualität und Gepflegtheit seines Outfits, Accessoires trägt er grundsätzlich nur aus zwei Gründen: Ent­weder sie sind nötig, um die Kleidung in Form zu halten, wie Manschettenknöpfe, Krawattennadeln oder Uhrkettchen, oder sie sind nützlich wie Armbanduhren, Einsteckstoff als Taschentuch oder Siegel­ringe. Letztere hatten ursprünglich nämlich tatsächlich den Zweck, dass der Herr mit ihnen Geschäfte oder Anordnungen beurkundete. Bedient sich der Gentleman solcher Accessoires, sind sie bei aller Zurückhaltung immer hochwertig – denn das entspricht dem Selbstverständnis, zwar nicht in verschwenderischem Luxus zu leben, aber sich selbst etwas wert und jederzeit höchstpräsentabel zu sein. Heute sind auch Tattoos und Piercingschmuck für den modernen Gentleman ein ausdrucksstarkes Accessoire, weil er nicht damit angibt, sondern seinen selbstbestimmten Lebensstil offenbart.


 

JACKEN
Bei keinem anderen Kleidungsstück ist dem modernen Gentleman so viel Variation erlaubt wie bei der Jacke – allerdings: Er sollte nach wie vor die Stile nicht wild vermischen. Es gibt die leichten und hellen italienischen Sommerjacken im Stil der Manufaktur Belvest oder mit New Yorker Seersucker-Streifen, die heute sehr üblichen Sack-suit-Jacken mit blauen oder grauen Nadelstreifen, feinem Fischgrat oder Prince-of-Wales-Karos, dunkelblaue Marineblazer mit Goldknöpfen, exzentrische Slimfit-Sakkos für den urbanen Dandy und natürlich Norfolk- oder Sportjacken im englischen Stil. Vor allem Letztere werden dem britischen Countrylook zugerechnet und bieten mit ihrem rauhen, dicken Tweetstoff einen Hauch mehr Gemütlichkeit als städtische Business- oder Ausgehjacken. Zudem sind die gedeckt naturfarbenen Muster von Donegal Tweet, Shepherd’s Karos, Kammgarn-Cheviot oder Hahnentrittgewebe relativ gnädig, wenn es um kleine Flecken geht. Ein weiterer Vorteil: Hier lassen sich Muster von Jacken, Krawatte und Hemden kombinieren, die eigentlich gar nicht zueinanderpassen. Das Einzige, was nicht dazu passt, ist feine Abendgarderobe. Zum Tweedjacket gehört die Cordhose, heute auch Jeans oder Chino und im förmlichen Fall Flanell, aber niemals die pikfeine Anzughose oder Teile des dunklen Business-Dresses. Schön ist: Der moderne Gentleman kommt mit der eher ländlich anmutenden britischen Sportjacke heute auch in den Gin- und Whisky-Bars Londoner und Berliner Innenstädte gut an.






 

DER ANZUG
Nein, der echte Gentleman trägt keinen Anzug von H&M, sogar vor Konfektionsware aus teuren Bekleidungshäusern schreckt er zurück. Natürlich lässt sich hier und da ein passgenauer Designer­anzug von der Stange ergattern, aber weil von der Länge über die Weite bis zum Schnitt alles exakt auf den Träger abgestimmt sein muss, bleibt meist nur der Gang zum Maßschneider. Dabei hält ein solch edles Stück nicht nur häufig viel länger als Massenware, sondern macht den ganzen Einkauf zu einem Erlebnis: Von der Auswahl des Stoffes und des Schnittes über das Maßnehmen bis zur Anprobe und den letzten Korrekturen kann das komplette Prozedere ein wohltuender Ausflug ins bewusste Kümmern um sich selbst sein. Und wer das erste Mal in einem optimal sitzenden Maßanzug auch nur ein paar Schritte in der Öffentlichkeit gegangen ist, weiß, was der Spruch bedeutet: Kleider machen Leute.


 

DIE SCHUHE
Excuse me, Sir, aber in Sneakern zeigt sich der Gentleman auch im Jahr 2020 auf gar keinen Fall in Kombination mit traditioneller Garderobe. Für ihn gehört der Turnschuh auch in seiner angesagtesten Variante entweder zu Sport oder Streetstyle und er selbst trägt Adidas, Nike, New Balance und Co. auch nur in diesen beiden Zusammenhängen. Geht der Gentleman als Gentleman aus, schnürt er sich traditionelle und gepflegte Lederschuhe im klassischen Stil um die Füße: Die Modellauswahl reicht dabei vom extrem förmlichen und zum Businessanzug passenden schwarzen Oxford über den vielfältig tragbaren Brogue und Full-Brogue (bzw. Budapester) mit gelochter Kappe in Schwarz, Dunkelbraun oder Braun bis zum legeren Loafer und Mokassin zum Hineinschlüpfen. Am besten ist der Gentleman beraten, sich hier einen Satz handgemachter Maßschuhe anfertigen lassen, die ein Leben lang halten, nötigenfalls ausgebessert werden können und in Summe sicher günstiger sind, als sich im konsumgesteuerten Fashion-Wettlauf ständig überteuerte Sneaker zu kaufen. Wichtig: Der schwarze Lackschuh gehört ausnahmslos zum Smoking, der Golfschuh nur auf das Green, Derbys und Segelschuhe hingegen können zur Freizeit auch mit Polohemd und Chinohose getragen werden – aus dem Gentleman wird dann allerdings schnell auch der Schnösel.




 
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Stand:11 August 2020 11:37:22/editorial/szene++modern+gentleman_20507.html Warning: fopen(cache/e6e0397d7867815c867ae3c550889953.html): failed to open stream: No such file or directory in /var/www/vhosts/tools.huber-verlag.de/httpdocs/files/trunk/Bootstrap3/files/templates/index_template.inc on line 160 Warning: fputs() expects parameter 1 to be resource, boolean given in /var/www/vhosts/tools.huber-verlag.de/httpdocs/files/trunk/Bootstrap3/files/templates/index_template.inc on line 161 Warning: fclose() expects parameter 1 to be resource, boolean given in /var/www/vhosts/tools.huber-verlag.de/httpdocs/files/trunk/Bootstrap3/files/templates/index_template.inc on line 162 Warning: chmod(): No such file or directory in /var/www/vhosts/tools.huber-verlag.de/httpdocs/files/trunk/Bootstrap3/files/templates/index_template.inc on line 163