Vieles ist echt. Und Vieles ist Somewhere

06.03.2015  |  Text: Boris Glatthaar  |   Bilder: Frank Dursthoff
Vieles ist echt. Und Vieles ist Somewhere Vieles ist echt. Und Vieles ist Somewhere Vieles ist echt. Und Vieles ist Somewhere Vieles ist echt. Und Vieles ist Somewhere Vieles ist echt. Und Vieles ist Somewhere
Vieles ist echt. Und Vieles ist Somewhere
Alle Bilder »
Frank Dursthoff gilt als einer der angesagtesten People-, Fashion- und Nudefotografen Deutschlands. Wer verstehen will, warum seine Bilder so kraftvoll sind, muss wissen, was ihn antreibt. Auf ein paar Kölsch mit dem Düsseldorfer.
F»un.(art)ig«
in Düssldorf:
Bei Franks Partys
lassen Ladys
die Hüllen fallenrank Dursthoff gilt als einer der angesagtesten People-, Fashion- und Nudefotografen Deutschlands. Wer verstehen will, warum seine Bilder so kraftvoll sind, muss wissen, was ihn antreibt. Auf ein paar Kölsch mit dem Düsseldorfer.

Und noch ein Kölsch. Legt man den Bierdeckel nicht auf das Glas, bringt der Kellner ein volles, sobald der Inhalt zur Neige geht. Als Rheinländer weiß man das, sogar, wenn man in Düsseldorf lebt, qua Wohnort auf das Altbier vereidigt ist und der Konvention zufolge niemals eine Kölner Stange auch nur berühren darf. Frank Dursthoff juckt das nicht, Konventionen sind nicht sein Ding und ein leckeres Bier ist ein leckeres Bier, so lange es schmeckt. Es gibt »Gaffel«, ein obergäriges Traditionsgetränk, das 50 Kilometer rheinaufwärts meist »Jaffel« gerufen wird und Franks Gaumen offenkundig gefällt. »Meine Kölschkneipe hier in der Stadt«, sagt er, und irgendwie wirkt das komisch, weil »Kneipe« eher an schmiedeeiserne Barhocker, Erdnüsse auf dem Tresen, Daddelautomaten und Doppelkorn erinnert als an dieses geräumige »Eigelstein«, eine stylische Exklave domstädtischer Braukultur mit ebenso schlichter wie durchdesignter Einrichtung aus massivem Holz und bordeauxrotem Leder. Dennoch: Kein Schickimicki-Schuppen, sondern ein handfester Brauereiausschank. Ganz so, wie Frank es vorher versprochen hat.
»Tätowierte haben nicht nur eine besondere Bildwirkung, sondern oft auch aufregende Geschichten zu erzählen.«
Es ist gut, sich auf Frank zu verlassen, wenn es in Düsseldorf ums Weggehen geht. Nicht nur, weil er seit Jahren mehrmals die Woche feiert, er selbst sagt, »viermal, vielleicht öfter«, und deshalb wahrscheinlich für jede Location der Landeshauptstadt die Schichtpläne der Bedienungen kennt. Sondern auch, weil er mit eigenen Events das Nachtleben ordentlich aufgemischt hat und weiß, wie man Spaß hat: Seine »un.(art)ig«-Partys sind wegen ihrer Ausgelassenheit längst legendär und dass sie sogar schon an der als versnobt geltenden Königsallee stattgefunden haben, muss manchem Düsseldorfer wie ein Kulturschock erschienen sein. Immerhin zeichnen sich Franks Abende durch launige und teils ungeplante Beigaben aus, etwa Neonfarbe zum gegenseitigen Anstreichen, barbusig abrockende Ladys oder ein Gestöber aus Daunenfedern. »Weißt du eigentlich, dass vier Kissen ausreichen, um alles weiß zu machen? So einen Riesenraum?«, fragt Frank und ist immer noch begeistert davon. »Es geht doch darum, einfach nur Spaß zu haben. Egal, wer du bist und woher du kommst. Einfach feiern!« Nicht jedem in Düsseldorf ist diese vorbehaltlose Grundhaltung geläufig, und so musste Frank seinen Sicherheitsleuten anfangs mehrmals erklären, dass Turnschuhe und T-Shirts am Einlass kein Hindernis sind. Nicht einmal an der Kö. Zumindest nicht, wenn er einlädt. Herrje, legere Shirts und Turnschuhe! Frank selbst trägt das doch viel zu gern. Nur wer nach Stress riecht oder dicht ist bis unter den Hut, der bleibt bei seinen Partys draußen.

Das nächtliche Fest ist nur eine Facette im Leben Frank Dursthoffs, der ab und zu auf sein Smartphone schielt und bislang noch keine Verabredung für den späteren Abend hat. Eine andere Facette ist die Fotografie für Werbung, Fashionlabels, Magazine und Künstler, und wenn’s der Auftrag erfordert, steht er auch um sieben Uhr morgens wie eine Eins parat, egal, was in den Stunden vorher gelaufen ist. »Ganz klar, der Auftraggeber muss sich absolut darauf verlassen können, dass ich am Set zu einhundert Prozent funktioniere«, sagt er und wirkt mit einem Mal so bestimmend, dass kein Zweifel an seiner Professionalität aufkommen kann. »Düsseldorfs wohl angesagtester Fotograf«, soll ihn das rheinische Boulevardblatt »Express« einst bezeichnet haben, und das heißt schon was in einer Stadt, die noch vor Hamburg mit 7,4 Milliarden Euro jährlich Deutschlands umsatzstärkster Werbestandort ist und mit mehr als 4000 Unternehmen in Reklame, Marketing, Medien, Mode und Kunst nicht nur enorm viele, sondern auch etliche Premiumdienstleister der Kreativwirtschaft beheimatet. Frank selbst beschreibt sich zurückhaltender: »Mir ist egal, was andere sagen. Ich habe einfach Interesse an Menschen und fotografiere sie gern. Ich liebe es, sie in Szene zu setzen.« Das hat ihm bislang nicht nur Aufträge von Marken wie Speedo, Bobi, Herrlicher, Xtreme Eyelashes – Zombie Boy, Paul Kalkbrenner, Deichmann, MTV, Red Monkey, Laguna Beach und Swing eingebracht, sondern auch zahlreiche Stars vor seine Linse getrieben. Corey Feldman, Sarah Connor, Lumidee, Daisy Dee, Samy Deluxe, Barbara Becker, Nina Kristin, Loco Dice und Doro Pesch sind nur Beispiele.
Er versteht sich mit Musikern, weil er weiß, wie sie ticken. Eigentlich tickt er genauso. Früher hat er selbst viel mehr Musik gemacht und war ganze 15 Jahre Musikproduzent, unter anderem für Sarah Connor, Lumidee, Matt Pokora und Loona. Pop, R ’n’ B, Soul, Hip-Hop, House – ganz verschiedene Stile, »aber im Herzen immer Rocker«, sagt Frank. Manchmal nimmt er heute noch Alben auf, nur nebenbei, ab und zu gibt er auch bei eigenen Partys und bei den Events von Freunden überall in NRW den DJ. An Weihnachten hat er noch im U-Club aufgelegt, einem seit vielen Jahren ungebrochen beliebten Kellerschuppen in Wuppertal. »Ich brauche das«, sagt er. »Musik ist einfach mein Ding, ich komme aus der Musik.«

Auch FFrank liebt die Spontaneität mancher Shootings. Dennoch arbeitet er gern mit Models, die wissen, wie sie vor der Kamera wirken, wie hier Kayli.ranks Fotografenkarriere hat sich aus dem Groove entwickelt, besser: aus dem tief in seiner Musikerseele verwurzelten Drang zum Ausprobieren. »Man muss die Dinge einfach machen und dann merkt man, ob das gut ist oder nicht«, sagt er. Also nahm er irgendwann aus Neugierde eine Kamera in die Hand, versuchte sich und fand das Ergebnis gelungen. Er hatte Spaß daran, probierte Neues, andere Perspektiven, dann kam das gezielte Licht hinzu, heute eines seiner wichtigsten Arbeitsmittel. »Ich habe gemerkt, dass man Menschen in ganz unterschiedlichen Arten darstellen, dass man Effekte erzielen und eine geile Wirkung erzeugen kann.« Also blieb er am Ball, gab sich nie mit Mittelmaß zufrieden und folgte immer dem eigenen Stilempfinden. Das zahlte sich aus: Neben
Werbekunden und Musikern kamen immer mehr Auftraggeber aus dem Fashion-Segment, und auch von Magazinen und anderen Medien wird Frank häufig gebucht. Regelmäßig sind seine Fotos in Tattoo Erotica zu sehen, aber auch in Playboy, Vibe, Maxim, Elle, FHM, Gala, Bild, Prinz und Bravo wurden seine Aufnahmen abgedruckt. Er selbst ist bereits in Sendungen wie »Germany’s Next Top Model« und »Fashion Trix« in Erscheinung getreten. »Lustig ist, dass die Jobs für den Playboy natürlich nur einen Bruchteil meiner bisherigen Arbeit ausmachen, ich aber immer und immer wieder vor allem darauf angesprochen werde.« In Düsseldorf kennt man Frank ohnehin, ständig wird er im »Eigelstein« von anderen Gästen gegrüßt, aber auch außerhalb der Landeshauptstadt flüstert man: Der hat doch für’n Playboy fotografiert! Tatsächlich adelt das einen Fotografen noch immer, obwohl Franks andere Fotos sich dem Branchenurteil zufolge keineswegs hinter seinen Playboystrecken verstecken müssen.
Denn die Arbeiten des Düsseldorfers – davon zeugen nicht nur seine Aufträge, sondern das geben sogar Fotografenkollegen neidlos zu – gelten nicht nur als angesagt, sondern als fotografisch brillant. Dass er seine Technik im Griff hat, ist klar. Und auch sein Blick für das richtige Set, sein Händchen für Beleuchtung – »Licht ist alles!« – und sein Riecher für die passende Stimmung sind Gründe, aus denen die Aufnahmen wirken, wie sie es tun. Und auch die Auswahl des Models hält Frank selbst für wesentlich: »Was bringt es, wenn ein Model einen super Körper und ein hübsches Gesicht hat, aber damit vor der Kamera nicht umgehen kann?«
Franks Fotos wirken manchmal edel, manchmal freaky: Hilfsmittel wie schillernde Luftballons und ein Topf mit Farbe werden dabei mitunter spontan eingesetzt.
Der Kellner kommt, bringt ein weiteres Kölsch, inzwischen ist es wohl Nummer acht, und aus Franks Worten wird langsam klar, was es tatsächlich ist, was jenseits aller handwerklichen Kniffe und künstlerischen Einfälle seine Fotos derart einzigartig macht: Es sind sein Verlangen nach Spontaneität, seine Abneigung gegenüber jeglicher Form von Langeweile und sein  Interesse an Menschen. Denn am Set, erklärt er, laufe nur selten alles nach Schema F und eine kleine Abweichung könne eine ganze Produktionsplanung umschmeißen. Wo andere Fotografen allerdings ins Schleudern kommen, kommt Frank erst richtig auf Tour. Das kleine Chaos stresst ihn nicht, sondern fordert ihn auf, sich mit der Person vor der Linse auseinanderzusetzen. »Ich habe einmal ›Zombie Boy‹ fotografiert. Der hat alles gemacht, nur nicht das, was ich von ihm wollte. Als ich das kapiert hatte, habe ich ihn einfach machen lassen und den drei weiblichen Models gesagt, sie sollen einfach mitmachen. Da war dann gar nichts Geplantes mehr, absolut nichts. Aber am Ende hatte ich so geile Fotos, wie ich sie an einem durchgeplanten Set sicher nicht hinbekommen hätte.«
Auch die Ponyserie wurde völlig spontan geboren. Frank hatte ein Model im Studio und es lag eine Trense herum, ein Zaumgebiss für Pferde. »Ich habe das Mädel gefragt, ob sie das Ding mal zwischen die Zähne nehmen würde, dann habe ich abgedrückt.« Er mochte das Ergebnis und fotografierte immer wieder andere Models, alle in derselben Pose: Gebiss rein, Hände rechts und links daneben, der Bildausschnitt gerade bis unter die nackte Brust, der tiefdunkle Schatten des Reithelms über den Augen. Sensationell, fand nicht nur der Fotograf, sondern auch die Besucher einer Ausstellung, bei der vor allem tätowierte Models aus der Ponyserie in Überlebensgröße zu sehen waren. Seitdem gibt es Großdrucke in limitierter Auflage, die Serie erweitert sich ständig. Und weil aus Franks Sicht eine Trense bei Männern nicht passt, gibt es analog zu den Ponyfotos eine Bilderreihe, auf denen kernige Kerle im selben Ausschnitt zu sehen sind, allerdings eine alte russische Militärmütze tragen. Auch diese Fotos kommen gut an, ebenfalls besonders die mit Tattoos. »Tätowierte haben nicht nur eine besondere Bildwirkung, sondern oft auch aufregende Geschichten zu erzählen«, sagt Frank. Er mag Tattoos, hat selbst etliche.
Die Idee zur Ponyserie entstand spontan, sie ist eine freie Arbeit. Tätowierte und nicht-tätowierte Damenmodels zeigen sich in immer derselben Pose. Limitierte Großdrucke aus der Reihe sind der Renner.
Obwohl viele Bilderideen derart spontan entstehen, wäre es unfair, von Zufall zu sprechen. Es ist nicht Glück, was Frank zu seinen Fotos verhilft. Vielmehr ist es die Abwesenheit starrer Ordnung und enger Zwänge, die jede kreative Schaffenskraft boykottieren würden. »Grundsätzlich möchten die Kunden schon meinen Stil und mögen auch gerade meine Art zu arbeiten«, hatte Frank vor drei Jahren einmal in einem Interview gesagt. »Aber es gibt auch Fälle, bei denen ich dem Kunden gerne sagen würde, dass er für dasselbe Geld auch geile Bilder haben könnte und nicht das langweilige Zeug, das er sich gerade ausgedacht hat.« Denn oft hat der Freigeist eben viel bessere Einfälle; wie den, dass eine Flotte knisternder Aluminium-ballons vom Jahrmarkt auf einem Foto eben nicht wie heliumgefülltes Kinderspielzeug erscheinen muss, sondern im richtigen Licht einfach ein undefinierbares Funkeln ergeben kann, was die Bildatmosphäre kräftig beeinflusst. Frank beschreibt den Effekt auf ganz eigene Weise: »Beim Fotografieren ist vieles echt. Und vieles ist somewhere.«
Prost! Noch ein Kölsch, es fließt gut aus den engen Gläsern, die die Kohlensäure viel länger halten könnten als der Inhalt überhaupt alt wird. Vorm »Eigelstein«  ist es dunkel geworden, und obwohl der nachts so überaus stylisch illuminierte Medienhafen unmittelbar um die Ecke liegt, scheint in den Schankraum nur die rote Sparkassenreklame von gegenüber hinein. »Ich kann von hier aus zu Fuß nach Hause und mein Studio ist auch nicht weit«, sagt Frank und bemüht sich zu erklären, dass es auch im schicken Düsseldorf durchaus bodenständige Wohnungen gibt, die fußläufig von den Hotspots erreichbar sind. »Deshalb bin ich oft hier im ›Eigelstein‹ und mache Bürokram.«
Franks Smartphone vibriert, eine Message, eine Zusage für ein Essen zu zweit. Schnell noch ein Stößchen, ein Kölsch in klein, und ab geht’s raus in die Altbierstadt.
  Teilen
Topseller im Shop
EMLA. Weniger Schmerzen beim Tätowieren.

EMLA. Weniger Schmerzen beim Tätowieren.

 

ANZEIGE: Die Betäubungscreme verringert Schmerzen beim Tätowieren, wenn sie mit ausreichender Einwirkzeit vorher aufgetragen wird. Sie ist ohne Rezept…

Vandoll Suicide – Valeria Moxx

Vandoll Suicide – Valeria Moxx

 

»Ich fühle mich eigentlich nur von Männern angezogen, doch der Liebe ist das Geschlecht egal«

Robin Van Gorn

Robin Van Gorn

 

»Tattoos geben Selbstbewusstsein. Was könnte schöner sein?«

Ladykaat

Ladykaat

 

»Ich habe wunderbare tätowierte Menschen und Tätowierer auf der ganzen Welt kennen­gelernt«

Tattoo Starlet 2019 – Die zehn Finalistinnen

Tattoo Starlet 2019 – Die zehn Finalistinnen

 

Dieses Jahr war die Auswahl der zehn Finalistinnen wieder extrem schwer: Es gab eine Fülle an Bewerbungen und wir konnten leider nicht jede schöne Kandidatin…

Hayley B

Hayley B

 

»Mein Motto ist, immer so selbstbewusst aufzutreten, dass sich die Menschen an mich erinnern«

Alivix

Alivix

 

»Hinterfrage alles. Auch das, was dir völlig normal erscheint. Es kann sich etwas Verrücktes dahinter verbergen«

Laura Leopard

Laura Leopard

 

»Ich würde nie meine Brüste tätowieren lassen«

Doozy

Doozy

 

»Ich bin gerade dabei, meinen kompletten Körper schwarz tätowieren zu lassen«

Roxy Love Alt

Roxy Love Alt

 

»Ich bevorzuge Männer, schätze die weiblichen Körperformen aber sehr«

Nina Joulie

Nina Joulie

 

»Es ist mir wichtig, dass ich glücklich bin, und es ist mir egal, was andere von mir denken«

"Tattooed Beauties": Bildband von Christian Saint mit sexy Tattoomodels

 

Fotograf Christian Saint legt einen weiteren Bildband vor. Wie in "Tattooed Super-Models" spielen auch in "Tattooed Beauties" eben diese die Hauptroll

Topseller im Shop
Stand:18 February 2019 00:08:32/editorial/vieles+ist+echt+und+vieles+ist+somewhere_152.html