Dreadlocks – geheimnisvoll und wild

22.11.2019  |  Text: Cassidy Rose  |   Bilder: Vanessa Marie
Dreadlocks – geheimnisvoll und wild Dreadlocks – geheimnisvoll und wild Dreadlocks – geheimnisvoll und wild Dreadlocks – geheimnisvoll und wild Dreadlocks – geheimnisvoll und wild Dreadlocks – geheimnisvoll und wild Dreadlocks – geheimnisvoll und wild Dreadlocks – geheimnisvoll und wild
Dreadlocks – geheimnisvoll und wild
Alle Bilder »
Dreadlocks sind nicht für jeden etwas, aber für wahre Fans geht nichts darüber. TATTOO-EROTICA-Kolumnistin Cassidy Rose hat sich selbst vor Jahren für eine Spielart dieser besonderen Frisur entschieden. Warum das auffällige Haar für sie auch etwas Erotisches bedeutet und was zwei andere Tattoomodels an ihren Dreads so toll finden, verraten sie in dieser Kolumne
Models: Cassidy Rose, Moona und Kimba

Seit vielen Jahren schaue ich mir gerne Fotos von Leuten mit Dreadlocks an. Egal ob Männlein oder Weiblein. Stimmige Aufnahmen von Menschen, die ich attraktiv finde und die wilde Dreads tragen, faszinieren mich. Viele dieser Aufnahmen verbinde ich intensiv mit Attributen wie Weltoffenheit, Naturverbundenheit und Leichtigkeit. Auch der Punkt »Erotik« kommt dabei für mich nicht zu kurz, denn was könnte erotischer sein als die Vorstellung von Freiheit und Leidenschaft?

Anfang 2015 stand mein Entschluss fest: Ich wollte auch diese Frisur, die sich von der Masse abhebt, die irgendwie schreit »Ich lebe gerne einen alternativen Lifestyle« und die mit Perlen, Schmuck und Tüchern einfach so wunderhübsch zu stylen ist. Nach intensiver Recherche und einem langen Abwägen der Vor- und Nachteile entschied ich mich schlussendlich für eine eingeflochtene Variante aus synthetischen Dreadlocks aus Kanekalon-Kunsthaar. Zuvor hatte ich auch über das Verfilzen der eigenen Haare oder das Einflechten bereits fertiger Dreads alternativ aus Wolle oder fremdem Echthaar nachgedacht. Der Hauptgrund dafür, dass ich nun erstmal die synthetische Variante wählte, war, dass ich erst einmal testen wollte, ob mir Dreads überhaupt standen.



Das war 2015. Seitdem bin ich bei Dreadlocks und auch beim Einflechten geblieben, mittlerweile erkennen mich viele Menschen auf Events durch meine meist farbenfrohen Dreads. Die »bunten Würmchen« sind ein Markenzeichen von mir geworden.

Zuhause habe ich inzwischen eine große Schublade voll mit Dreadlock-Sets in unterschiedlichen Farben sowie ein Kästchen voller passender Accessoires wie Dreadperlen, kleinen Spiralen und Anhängern. Ich liebe es, die Möglichkeit zu haben, durch das Einflechten der farbigen Dreads meine Haarfarbe so flexibel und schnell wechseln zu können – in puncto Geschwindigkeit geht hier der größte Dank an meinen Ehemann El Rey, der in regelmäßigen Abständen meine Dreads einflicht und der gelassen bleibt, wenn ich mal wieder rumjammere, dass es ja hier und dort ziept.

Tja, wer schön sein will, muss eben manchmal leiden. Bunte Dreads, farblich abgestimmte Kleidung, bunte Nägel und farbenfrohe Lippenstifte, das bin ich und mit 32 Jahren kann ich sagen, dass das sicherlich nicht bloß eine Phase ist.

Ich könnte mir vorstellen, dass die vielen knalligen Farben auf meinem Kopf vielleicht nicht so naturverbunden und »down to earth« wirken wie bei weniger bunten »Dreadheads«, deren Bilder ich auf Instagram und Co. bewundere – aber ich kann nur sagen: Jeder Mensch hat seinen Stil und meiner ist eben meist ziemlich bunt.



Komplimente für meine Dreads bekomme ich häufig von Kindern – um genau zu sein, von kleinen Mädchen, die oft ganz aus dem Häuschen sind, wenn sie mich zum Beispiel beim Einkaufen sehen. Wie die Eltern mein Äußeres finden, kann ich natürlich nicht sagen, es ist mir aber auch egal. Denn das ein oder andere Vorurteil gegenüber Dreadlocks gibt es ganz sicherlich noch. So wurde ich bereits öfter gefragt, ob überhaupt und wie ich meine Haare wasche. Ja! Natürlich wasche ich meine Dreads! Zwei ältere Damen im Wellnessbereich verließen sogar einmal ganz demonstrativ den Pool, als ich hineinstieg – ob das nun an den Tattoos, Dreads oder Piercings oder einfach an allem zusammen lag, who knows.

Doch kommen wir zurück zu Komplimenten:  Ich verteile gern Komplimente und erfreue mich an Personen, deren Äußeres besonders und einzigartig ist.

Besonders, geheimnisvoll und wild finde ich Moona Autumn und Kimba Graphy. Beide standen mir im Interview für die TATTOO EROTICA Rede und Antwort zum Thema Dreads. Lest doch einfach selbst, was sie zu sagen haben.

Was liebt ihr an euren Dreadlocks?
Kimba: Ich liebe an meinen Haaren vor allem den Prozess, den sie in den letzten vier Jahren durchlebt haben. Dreadlocks verändern sich einfach stetig durch den Filzprozess. Außerdem liebe ich wie natürlich und ursprünglich man mit Dreadlocks ausschaut. Ein bisschen wie ein Löwe eben.
Moona: Den Klimbim (lacht)!  Und mit der Länge bin ich mittlerweile auch recht zufrieden.

Kimba, wie reagiert deine Umwelt auf die Dreads?
Kimba: In der Regel mache ich superpositive Erfahrungen, be­ko­mme oft Komplimente oder neugierige Fragen gestellt, auch von Fremden. Oft höre ich von anderen Dreadheads, dass sie wegen ihrer Frisur benachteiligt werden oder anecken. Das kann ich so bei mir gar nicht bestätigen. Ich denke aber auch, dass es viel damit zu tun hat, was man von seiner Umwelt erwartet und ausstrahlt. So wie es in den Wald hinein ruft, so schallt es auch heraus.

Kimba

Frauen und Männer mit Dreadlocks findet ihr … ?
Kimba: Besonders schön finde ich, wenn Frauen ihre Dreads mit Tüchern schmücken. Dieser orientalische Look haut mich einfach total um. Ich finde es wunderschön, wie aufregend und mystisch einige Frauen mit ihren Dreadlocks wirken. Wie spirituelle Kriegerinnen.
Moona: Da Dreads für mich lediglich eine Frisur sind, ist es mir wirklich völlig gleich, ob mein Gegenüber Dreads hat oder nicht. Ob mit oder ohne – alle haben so unterschiedliche Charaktere, dass ich da auf keinen Fall kategorisieren könnte. So etwas wie einen gemeinsamen Charakterzug aller Dreadheads gibt es da nicht.

Was sind die häufigsten Vorurteile gegenüber Dreads?
Kimba: Die typischen Vorurteile oder Klischees sind zum einen, dass Leute mit Dreadlocks Öko-Hippies sind, die Bäume umarmen, vegan leben, kiffen, Reaggae hören und Sozialarbeiter sind. Ein weiteres Vorurteil sind mangelnde Körperpflege und Seriosität. Mit Letzteren gehe ich insofern um, als dass ich immer sehr darauf achte, mich gepflegt zu kleiden und höflich aufzutreten.  Mit Ersteren kann ich mich bis auf den Cannabiskonsum ehrlich gesagt wirklich identifizieren und finde daran auch nichts verwerflich, auch wenn Außenstehende das oft belächeln oder schlecht reden.
Moona: Ich denke, das häufigste Vorurteil ist wahrscheinlich das Kiffen. Dicht gefolgt von mangelnder Hygiene. Nun ja. Eigentlich muss ich nicht damit umgehen: Leute, die mich zehn Minuten kennen, merken schnell, dass ihre Vorurteile in beiden Fällen wirklich nichts sind als Vorurteile.

Moona Autumn

Thema Flirten: Gibt es besondere Reaktionen von Männern und Frauen auf eure Dreads?
Kimba: Ich denke, dass Dreadlocks nicht für jeden Mann etwas sind. Diejenigen, die es nicht mögen, sprechen mich also gar nicht erst an. Ich habe bis jetzt aber eigentlich immer das Gefühl gehabt, mit meiner Frisur ganz gut punkten zu können.
Moona: Das ist tatsächlich in neunundneuzig Prozent der Fälle so. Offenbar sind meine Dreads so markant, dass sie fast immer als Gesprächseinstieg dienen.

Moona, deine persönliche Meinung ist gefragt: Was sind die Vor- und Nachteile von Dreads?
Moona: Für mich persönlich gehören zu den Vorteilen vor allem die Einfachheit in Pflege und Handhabung – eins, zwei Knoten, und schon hat man ’ne Frisur! Des Weiteren natürlich der schöne Schmuck und man hat einfach immer Volumen! Außerdem können Haare als Dreads gefühlt unendlich lang werden. Ich bin mir ziemlich sicher, dass meine Haare unverfilzt niemals diese Länge angenommen hätten. Nachteile sind definitiv das Gewicht und die lange Trockenzeit im Winter.

Könntet ihr euch vorstellen, wieder zu einem einfachen Haarschnitt zurückzukehren?
Kimba: Ich kann mir gut vorstellen mir eines Tages eine Glatze zu rasieren. In erster Linie aber auch einfach, weil ich gerne irgendwann ein Kopftattoo hätte. Das Gewicht los zu sein, wäre vermutlich ein weiterer Vorteil. Aber ich denke, ich würde irgendwann wieder zu meinen Dreads zurückkehren.
Moona: Kann ich mir vorstellen, ja. Möchte ich aber nicht. Ich bin ein Freund von Extremen – entweder Glatze oder aber ganz lange Haare. Und zur Glatze kann ich mich aktuell noch nicht durchringen.

Cassidy Rose

Habt ihr Dreadlock-Model-Idole?
Kimba: Ein wirkliches Idol habe ich nicht. Am liebsten mache ich mein eigenes Ding, lasse mich aber gerne von allen wunderhübschen Dreadheads da draußen inspirieren. Ganz besonders bewundere ich alle Menschen mit wilden, »Natural Dreads«, also Dreadlocks, an denen nicht gehäkelt und rumgebastelt wird.
Moona: Eine Künstlerin mit Dreads – Jak Nola.

Moona, was meinst du: Wie lange oder bis zu welchem Alter kann man Dreadlocks tragen?
Moona: Dreadlocks kennen definitiv kein Alter. Abgesehen davon gehören Dreads zu den wenigen Dingen, die mit zunehmendem Alter schöner werden.

Kimba, ein Abschlusssatz!
Kimba: Für mich sind Dreads im Großen und Ganzen einfach nur eine Frisur, mit der ich mich super wohl fühle und die ich gerade bei Frauen total natürlich, wild und sexy finde. Allen Vorurteilen, die existieren, kann man in der Regel mit Freundlichkeit entgegenwirken. Und wenn doch mal einer was Blödes sagt: Man sollte sich immer seines eigenen Wertes bewusst sein und über sowas stehen.
  Teilen
Topseller im Shop
Topseller im Shop
Stand:07 December 2019 12:40:00/magazin/dreadlocks+-+geheimnisvoll+und+wild_19910.html Warning: fopen(cache/064b2cbf83f2b92e3c52d96b5d287392.html): failed to open stream: No such file or directory in /var/www/vhosts/tools.huber-verlag.de/httpdocs/files/trunk/Bootstrap3/files/templates/index_template.inc on line 160 Warning: fputs() expects parameter 1 to be resource, boolean given in /var/www/vhosts/tools.huber-verlag.de/httpdocs/files/trunk/Bootstrap3/files/templates/index_template.inc on line 161 Warning: fclose() expects parameter 1 to be resource, boolean given in /var/www/vhosts/tools.huber-verlag.de/httpdocs/files/trunk/Bootstrap3/files/templates/index_template.inc on line 162 Warning: chmod(): No such file or directory in /var/www/vhosts/tools.huber-verlag.de/httpdocs/files/trunk/Bootstrap3/files/templates/index_template.inc on line 163