Jules Fashion | Fight 'n' Fashion

17.01.2020  |  Text: Jules Kay  |   Bilder: Joe Kopf, www.kopfoto.at und www.mindframes.at
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Der sechsfache Thaibox-Weltmeister Fadi Merza über das Kämpfen, modischen Stil und 150 Paar Schuhe
Male Model: Fadi Merza, www.tmacademy.at
Location und Special thanks: Der starke Franz – Boutique Fitnessclub, www.derstarkefranz.at

Es ist Montag, kurz vor 19 Uhr. Ich stehe vor einer großen schwarzen Tür. Hinter ihr führen nur wenige Stufen hinab in eine Welt voller Schmerz und Pein. Nein, ich stehe nicht vor den Toren zur Hölle. Ich stehe vor den Pforten zu Fadi Merzas Reich. Der sechsfache Thaibox-Weltmeister betreibt seit 2018 seine eigene Trainingsakademie. Und wer hier anklopft, will die Kampfkunst erlernen. Der Preis dafür: brennende Muskelfasern und literweise Schweiß. Ich klopfe. Fadi öffnet.



155 Kämpfe haben ihre Spuren in seinem Gesicht hinterlassen. Was ihm aber keiner seiner Gegner nehmen konnte, ist sein freundliches Lächeln. Unten angekommen, steigt mir sofort der süßlich-saure Duft von transpirierenden Männern in die Nase. Kein Wunder, denn als ich anklopfte, war Fadi gerade dabei, einen Boxsack zu bearbeiten. Und wie es sich für einen Profi gehört, beendet er sein Training zunächst.
 

Schreibe deine eigenen Regeln. Folge keinen Trends. Lege keinen Wert darauf, was in oder out ist. Trage, was du willst und was dir Spaß macht. Ganz einfach


Ich selbst habe Fadi schon oft als Coach erlebt, bisher aber niemals als aktiven Kämpfer. In Anbetracht seiner Hiebe gegen den Sack wird mir nun aber klar: Ich sollte bei meinem nächsten eigenen Training lieber nicht mehr so frech sein. Ein Kick des gebürtigen Syrers könnte meine Beinchen nämlich wie Streichhölzer brechen lassen. Verschwitzt und bis oben hin vollgepumpt mit Adrenalin beendet Merza sein Training und setzt sich auf die Couch. Bereit, sich meinen Fragen zu stellen. 
 

Fadi, du wurdest in Syrien geboren. Wie kam es dazu, dass du nach Wien gezogen bist? 
Ich wurde in Derbassiah geboren. Als ich zehn Jahre alt war, beschloss meine Familie, nach Österreich zu gehen. Meine Eltern wollten mir eine bessere Zukunft bieten. Diese Chance wollte ich natürlich so gut es geht nutzen und so lernte ich die deutsche Sprache binnen sechs Monaten. 

Woher kam dein Interesse für den Kampfsport?
Mein Interesse wurde mit etwa zwölf Jahren geweckt. Das mag vielleicht kitschig klingen, aber ich habe mir als kleiner Junge alle Bruce-Lee- und Jean-Claude-Van-Damme-Filme angesehen. Ihrer körperlichen Fitness wegen wollte auch ich etwas aus meinem Äußeren machen. Anfangs vor allem, um mein Selbstbewusstsein zu stärken. Ich wuchs damals im 16. Wiener Gemeindebezirk auf. In diesem Teil der Hauptstadt gilt das Motto »Nur die Starken kommen durch«. Mich selbst verteidigen zu können, erschien mir daher nur logisch. Also habe ich mit fünfzehn Jahren mit dem Kickboxen begonnen. Kurz danach wechselte ich zum Thaiboxen. 



Wann wurde dir klar, dass du das Zeug dazu hattest, auch an Wettbewerben teilzunehmen?
Ich wusste bereits nach wenigen Monaten, dass ich meinen Sport gefunden hatte. Zwei gleichwertige Kämpfer. Ein Ring. Und nur der Bessere kann gewinnen … Die Fairness und Ehrlichkeit dieses Sports – das hat mich sofort fasziniert. 

Was macht den Besseren aus? 
Du musst härter und fleißiger trainieren als die anderen. Aber vor allem musst du all dein Herzblut in die Sache stecken. Das unterscheidet den Besten von den Guten. 

Dein Ehrgeiz hat dich sechsfacher Weltmeister werden lassen. Wann und warum hast du dann beschlossen, die Handschuhe an den Nagel zu hängen? 
Am 6. Dezember 2014 trat ich zu meinem letzten Kampf an. Grund dafür war nicht nur mein Alter. Vor allem war es eine neue Aufgabe, die meine ganze Aufmerksamkeit verdient hatte: das Vatersein. Zu diesem Zeitpunkt war meine Frau Ines bereits im sechsten Monat schwanger. Ich wusste einfach, dass diese neue Herausforderung viel Zeit in Anspruch nehmen würde. Zeit, die ich nur meinem Sohn widmen wollte. Also beschloss ich »Tschüss« zum Kampfsport zu sagen (lacht).



Was würdest du davon halten, wenn dein Sohn Michel eines Tages auch Kämpfer werden wollen würde? 
Ich würde nicht wollen, dass er denselben Weg einschlägt, den ich damals gegangen bin. Mein Weg war ein sehr harter und steiniger, mit vielen Ups und Downs. Aber wenn es wirklich sein Wunsch sein sollte zu kämpfen, kann ich ihn nicht davon abhalten. Meine Eltern konnten das bei mir damals ja auch nicht.

Wenn du keine Karriere im Kampf­sport gemacht hättest, was würdest du heute machen? 
Das ist eine schwierige Frage. Ich habe absolut keine Ahnung. Ich hatte aber auch keine Möglichkeiten wie zum Beispiel zu studieren. Ich glaube aber, dass ich genau aus diesem Grund so erfolgreich war. Ich hatte eben nur diese eine Chance. Und die wollte ich, wortwörtlich, mit all meiner Kraft nutzen. Wenn es nach meiner Mutter ginge, dann wäre ich heute Ingenieur oder Arzt. Aber das ist wohl der Wunsch fast aller Mütter. 

Nun zu deiner zweiten großen Leiden­schaft: Fashion. Was bedeutet Mode für dich?
Mode ist neben meiner Familie und dem Sport ein sehr wichtiger Punkt in meinem Leben. Sportler sind ja bekanntermaßen etwas eitel (lacht). So ungern ich es auch zugebe, auch ich trage ein gewisses Maß an Eitelkeit in mir. Ich lege also viel Wert auf mein Äußeres. Vor allem, weil ich mithilfe meiner Klamotten meine Persönlichkeit am besten zum Ausdruck bringen kann.

Was verrät dein Stil über deine Persönlichkeit?
Schreibe deine eigenen Regeln. Folge keinen Trends. Lege keinen Wert darauf, was in oder out ist. Trage, was du willst und was dir Spaß macht. Ganz einfach.

Wie würdest du deinen Stil beschreiben?
Modern und sicher auch etwas provokant. Ich lege auch sehr viel Wert auf Vielfältigkeit. Am liebsten schlage ich jeden Tag eine andere Stilrichtungen ein. 

Sind dir Labels wichtig? 
Bis zu einem gewissen Grad, ja. Sind sie doch eine Art Statussymbol. Man sollte sich aber nicht zu sehr auf Designer fixieren. Der richtige Mix macht ein Outfit – meiner Meinung nach – erst richtig interessant. Welches Label, spielt dabei aber keine Rolle. 

Ich weiß, dass du Schuhe magst. Wie viele Paare besitzt du?
Das ist mir fast schon peinlich zu sagen … Aber es sind sicher um die 150 Paar. Je extra­vaganter sie sind, umso besser.

Wenn du dir Bilder von früher ansiehst, gibt es da einen Fashionmoment, den du heute bereust? 
Ja! Mit etwa fünfzehn Jahren habe ich Glocken­hosen und Buffalo-Schuhe getragen. Dieses Bild würde ich gerne aus meinem Kopf löschen. Noch ein Beweis dafür, dass man Trends besser nicht immer folgen sollte (lacht).
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Stand:28 February 2020 02:00:23/magazin/fight+n+fashion_191112.html Warning: fopen(cache/9e1f0560e20451bb2cac64e003545826.html): failed to open stream: No such file or directory in /var/www/vhosts/tools.huber-verlag.de/httpdocs/files/trunk/Bootstrap3/files/templates/index_template.inc on line 160 Warning: fputs() expects parameter 1 to be resource, boolean given in /var/www/vhosts/tools.huber-verlag.de/httpdocs/files/trunk/Bootstrap3/files/templates/index_template.inc on line 161 Warning: fclose() expects parameter 1 to be resource, boolean given in /var/www/vhosts/tools.huber-verlag.de/httpdocs/files/trunk/Bootstrap3/files/templates/index_template.inc on line 162 Warning: chmod(): No such file or directory in /var/www/vhosts/tools.huber-verlag.de/httpdocs/files/trunk/Bootstrap3/files/templates/index_template.inc on line 163